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Zerfall und Erhalt von Burgen Muss man wirklich jede Burgruine erhalten?

Was tun mit zerfallenden Burgruinen? Bauarbeiten sind umstritten und teuer. Ein Archäologe sagt deshalb: «80 bis 90 Prozent der Burgen lässt man am besten so, wie sie im Wald stehen».

Eine Burgruine unter blauem Himmel.
Legende: Einst der Sitz eines Grafen, heute ein teures Sanierungsprojekt: Die Ruine Pfeffingen. Wikipedia / Roland Zumbühl

Mehr als 7 Millionen Franken investieren – in eine Ruine? Bei der Burgruine Pfeffingen im Kanton Baselland hat man das getan. Die Bauarbeiten wurden letztes Jahr abgeschlossen. Die mittelalterliche Burg ist nun wieder ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Schulklassen.

«Nur schon aus Sicherheitsgründen war es dringend nötig, dass man etwas unternimmt», sagt der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti: «Damit niemand zu Schaden kommt».

Originalgetreu oder Europapark?

Die Sicherheit ist das eine. Daneben sei wichtig, dass die Leute die Burg als solche lesen könnten. «Sie müssen verstehen können, dass das mal ein Gebäude war», sagt Marti. Das könne man zum Teil nur verständlich machen, indem man gewisse Mauerzüge hochziehe. «Das heisst, wir rekonstruieren. Aber so zurückhaltend wie möglich.»

Es soll wieder sichtbar werden, wo mal eine Mauer gestanden hat. Vor rund hundert Jahren ging man bei Rekonstruktionen viel weiter: Da wurde auch versucht, ganze Burgen neu aufzubauen – mehr oder weniger originalgetreu. «Das sind Burgen, die haben nie so ausgesehen wie sie heute aussehen», erklärt Marti. «Das ist etwas anderes, das geht mehr Richtung Europapark.»

Wo Geschichte spürbar wird

Der ehemaligen Berner Kantonsarchäologen Daniel Gutscher ist Präsident des Burgenvereins. Dieser Zusammenschluss von Fachleuten und interessierten Laien berät Besitzer von Schlössern und Burgen und dokumentiert solche Bauwerke auf Karten, in Büchern und Broschüren.

«Auf einer Burgruine ist Geschichte greifbar wie sonst nirgendwo», sagt Gutscher. «Auch wenn sie keine Ahnung von Geschichte haben, spüren sie dennoch etwas. Je mehr sie dann in die Geschichte einsteigen, etwa ein Buch lesen, umso mehr fängt dieses Gemäuer an zu leben.»

Eine Burg, die mit Gestrüpp überdeckt ist.
Legende: Hoch über Haldenstein im Rheintal: die Burgruine Lichtenstein, bedeckt mit Moos und Gestrüpp. Keystone

Selbstverständlich sei der Aufwand für den Erhalt solcher Ruinen gerechtfertigt. Doch Gutscher sieht es pragmatisch. «Es hat nicht jeder Steinhaufen die gleiche Bedeutung», sagt er.

«Wenn man aber zum Schluss kommt, dass es sich um eine wichtige Anlage handelt – das kann auch aus touristischen Gründen sein –, kann man ein aufwendiges Sicherungsprojekt daraus machen. Oder man begnügt sich damit, ‹die Ruine am Verfall zu erhalten›, um es mit den Worten von Franz Hohler zu sagen.»

Die meisten Burgen ruhen lassen

Doch auch das kann Aufwand bedeuten. Der Kantonsarchäologe Reto Marti sagt deshalb: «Man muss nicht jeden Steinhaufen im Wald hegen und pflegen.»

Schon die schiere Menge der Bergruinen verunmöglicht dies. «Für uns ist klar: Rund 80 bis 90 Prozent der Burgen lässt man am besten so, wie sie im Wald stehen», sagt Marti. Würden sie freigelegt, würde der Zahn der Zeit zu nagen beginnen und die Mauern müssten nicht nur für viel Geld saniert, sondern auch Jahr für Jahr unterhalten werden.

So wird das in den meisten Fällen auch gemacht. Schon nur, weil den Besitzern solcher Burgruinen – meist Kantone oder Gemeinden – das Geld für aufwendige Sanierungen fehlt.

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