«Zu Tode gemobbt»: Ein Teenager nimmt sich das Leben

Beleidigt, bedroht und geschlagen: Um den monatelangen Angriffen ihrer Mitschüler zu entfliehen, nimmt sich die amerikanische Teenagerin Phoebe Prince das Leben. Der DOK-Film «Zu Tode gemobbt» zeigt, wer den Lauf der Dinge vielleicht hätte umlenken können – und wie.

Jugendliche stehen mit Kerzen in den Händen in der Dunkelheit.

Bildlegende: Mitschüler gedenken der verstorbenen Phoebe Prince. Keystone

Für die 12-jährige Lauren muss jener Dienstag nach der Schule einer der bittersten Momente ihres Lebens gewesen sein: Gerade mal drei Jahre älter als sie, hat sich ihre Schwester Phoebe im Treppenhaus mit einem Schal erhängt.

Ununterbrochen wurde Phoebe Prince von ihren Mitschülern gemobbt. Doch was liess die Schülerin derart verzweifeln, dass sie keinen Ausweg mehr sah? Der Dokumentarfilm von Glen Gorman rollt Phoebes Geschichte chronologisch auf. In Interviews mit Journalisten und Psychologen erzählt «Zu Tode gemobbt», wie ihre Torturen zunahmen.

Beleidigungen an der Schule

Phoebes Leben begann äusserst idyllisch und wohlbehütet im beschaulichen Dorf Ardeamush in Irland. 2009 zieht die Familie nach South Hadley, Massachusetts. Hier besucht die 15-Jährige zusammen mit 700 anderen die einzige High School der Kleinstadt.

Porträt eines Mädchens mit braunen längeren Haaren.

Bildlegende: Phoebe Prince (1994-2010). Wikimedia

Anfangs ist Phoebe beliebt. Nach zwei Beziehungen zu den beliebtesten Jungs der High School ändert sich das. Ex-Freundinnen der Jungs missbilligen die Irin, und schüchtern sie mit täglichen Beleidigungen wie «Irische Hure» und «Schlampe» ein.

Die Angriffe werden immer umfassender

Auch körperlich greifen die Schülerinnen Phoebe an. Bei einem Nervenzusammenbruch in der Schule wird Phoebe wieder in die Klasse geschickt. Auch als Phoebes Mutter die Angriffe der Schule meldet, passiert nichts.

In der Bibliothek, der Schule, auf der Strasse und selbst Zuhause: Nirgends hat die Teenagerin Ruhe vor den Bedrohungen. Durch Schmähbriefe via Handy und E-Mail wird der Terror für Phoebe nicht nur unvorhersehbar, sondern auch unausweichlich.

Phoebes Schicksal löste nicht nur als eines der ersten die Debatte über Cyber-Mobbing in High Schools aus. Auch wurde ihr Tod im Internet weiter in der Gesellschaft diskutiert. Rund ein Dutzend Gruppen wurden für Phoebe posthum auf Facebook gegründet. Sie zeugen von der grossen Bestürzung, die ihr Tod ausgelöst hat. Aber selbst hier seien laut «Today 24 News» immer wieder obszöne Kommentare aufgetaucht, die hinterher gelöscht worden seien.

Dramatik von allen heruntergespielt

Phoebes Tod ist umso tragischer, als er vielleicht hätte vermieden werden können, sagen Journalisten der «New York Times» und des «Boston Globe», die im Film zu Wort kommen. Mehrere Lehrer und Schulangestellte haben bereits in einem sehr frühen Stadium von Vorfällen gewusst. Jedoch haben sie diese nicht ernst genommen oder zumindest nichts dagegen unternommen.

Auch war Phoebes Mobbing in ihrer High School durchaus kein Einzelfall. Bereits vor ihrem Zuzug gab es Probleme in South Hadley. Dem Aufruf einer Mobbing-Expertin, dem Thema genauere Beachtung zu schenken, folgten nur etwa 15 Eltern. Sie alle hätten womöglich Phoebes tragisches Ende verhindern können.

In der Folge wurden sechs Schülerinnen und Schüler zur Verantwortung gezogen und der Schule verwiesen. Die Verantwortlichen in der Schule von South Hadley sind jedoch weiterhin im Dienst.

Erstmals wurde nach Phoebes Tod und einem ähnlichen Fall mit einem 11-jährigen Jungen 2010 im Bundesstaat Massachusetts ein Anti-Mobbing-Gesetz verabschiedet. Dieses soll die Täter zur Rechenschaft ziehen und Personen in die Pflicht nehmen, welche Zeugen von Mobbing werden. Massachusetts ist damit einer der letzten US-Staaten, der Mobbing gesetzlich verbieten.

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