Eintritt frei in Genfer Museen

Gratiskultur ist etwas wert - und hinter den Angeboten stecken oft auch klare Ziele: Kultur soll für ein neues Publikum zugänglich gemacht werden, etwa für ärmere oder bildungsferne Menschen. Der Kanton Genf hat bereits langjährige Erfahrungen mit Gratiskultur.

Ein älterer Herr steht vor der Fassade des Musee d'Art et d'Histoire, auf welche unterschiedliche bunte Bilder projiziert werden.

Bildlegende: Im Musee d'Art et d'Histoire ist die Dauerausstellung gratis. - Ein Blick auf die Projektion von Rimoux war es sowieso. Keystone

Der Eintritt in Genfer Museen ist grösstenteils frei. Und das schon so lange, wie sich der Kulturdirektor der Stadt Sami Kanaan zurückerinnern kann: «So weit ich weiss, sind die Museen in Genf eigentlich immer schon gratis, das heisst seit 100 Jahren. Zumindest die permanenten Ausstellungen.»

Zugang ohne Hürden

Die Gratiskultur ist historisch bedingt. Um die Jahrhundertwende haben hier reiche Händler und Banquier-Familien ihre Sammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie verfolgten damit eine Art Bildungsauftrag: Aufklärung und Zugänglichkeit zu Kulturgut und Geschichte.

Der freie Zugang zu Kultur ist bis heute geblieben. Vor ein paar Jahren hat sich die Genfer Bevölkerung noch einmal dafür ausgesprochen, dass auch die temporären Ausstellungen in Genf gratis zugänglich bleiben. Auch, weil viele Genfer Museen wissenschaftlich geprägt sind, wie etwa das Musée D'Ethnographie, der Jardin Botanique oder das Musée d'Histoire des Sciences. Der Zugang zur Wissenschaft soll möglichst ohne Hürden sein, auch für ärmere Menschen.

Erste Museumsnacht geplant

Neues Publikum will die Stadt im Mai auch durch eine erste Museumsnacht anziehen. Was in Basel, Bern, Lausanne oder Zürich gelingt, soll auch in Genf klappen. Ob der Eintritt während der Museumsnacht aber überall gratis sein wird, das ist noch nicht geklärt. Das liegt vor allem an der Zusammenarbeit von staatlichen und privaten Museen: «Die privaten Museen haben natürlich keinen Gratis-Eintritt. Wir schauen, was wir für ein Angebot machen können, das vielleicht doch eine Pauschalkarte wie in Lausanne, Bern und so weiter rechtfertigen würde», erklärt Sami Kanaan.

Unter dem Strich kann Genf noch nicht voraussehen, ob durch die Museumsnacht mehr Menschen ihren Weg ins Museum finden. Die Stadt hat gerade erst damit begonnen, die Daten ihrer Museumsgäste zu evaluieren. Resultate sind frühestens gegen Ende des Jahres zu erwarten. Dann wird man auch sehen, ob der Gratiseintritt tatsächlich auch bildungsferne und ärmere Schichten in die Museen zieht.