Per Mausklick durch die Museen der Welt

Immer mehr Museen kann man kostenlos besuchen - vom eigenen Computer aus: Kein lästiges Schlangestehen und freie Sicht auf alle Details. Gehört dem virtuellen Ausstellungsbesuch die Zukunft?

Google Art Project

Bildlegende: Eingezoomte Ansicht einer Abbildung der «Medusa» von Caravaggio im Google Art Project. Die Abbildung eines Gemäldes von Caravaggio zeigt einen Frauenkopf mit Schlangen auf dem Kopf, deren Kopf vom Körper abgetrennt ist.

Die Uffizien in Florenz, der Louvre in Paris, das Van-Gogh-Museum in Amsterdam: die berühmtesten Museen der Welt, ohne Besucherschlangen, ohne Gedränge und ohne Eintrittspreise. Das ist der Traum eines jeden Kunstliebhabers. Denn die Realität sieht anders aus: Zwei Stunden Anstehen ist etwa vor den Uffizien die Regel.

3D-Ausstellungsräume

Der Weg an der Schlange vorbei führt gratis ins Internet: Er heisst zum Beispiel Google Art Project. Und es gibt weitere Initiativen, die genau dasselbe wollen: Ausstellungsräume und ihre Kunstwerke digital abbilden und über den heimischen Computer zugänglich machen.

Per Maus bewegt man sich durch 3D-Ausstellungsräume. Will man ein Detail näher betrachten, zum Beispiel den Pinselduktus von Caravaggio, klickt man darauf. Hinter diesen Projekten steht, wie der Basler Medienkunsttheoretiker Reinhard Storz erklärt, der Wunsch, alle wichtigen Bilder der Menschheit zur Verfügung zu stellen.

Mehrere Hundert Museen online besuchen

Das Google Art Project wächst und wächst. Zehntausende hochauflösende Kunstwerke aus mehreren Hundert Museen sind bereits erfasst. Als der Dienst am 1. Februar 2011 online ging, hatte er in der ersten Woche zehn Millionen Besucher. Das sind eindrückliche Zahlen.

Gehört die Zukunft also den virtuellen Museen? - Reinhard Storz ist skeptisch: «Niemand macht so etwas aus reiner Menschenliebe. Dahinter stehen auch finanzielle Interessen.» Es herrscht daher die Angst, dass Kultur durch Unternehmen in Besitz genommen wird.

Reproduktionen gab es schon immer

Und noch eine weitere Frage stellt sich beim virtuellen Ausstellungsbesuch: Kann man Kunst hier adäquat erleben? Die Kraft des Originals lässt sich zwar nicht ersetzen, findet Storz. Doch Reproduktionen sind fast so alt wie die Kunst selbst, gibt er zu bedenken. Seit der Renaissance gab es so genannte Stecher, die sämtliche wichtigen Kunstwerke kopierten.

Virtuelle Museen sind also nicht revolutionär. Aber sie werden ihren festen Platz im Kulturleben finden. Vorerst kostenlos. Den realen Ausstellungsbesuch ersetzen können sie natürlich nicht.

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