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Kunst Der Schweizer Biennale-Künstler Valentin Carron und seine Heimat

Der Schweizer Pavillon ist schlicht. Die präsentierte Kunst leise: Ein Schlange, Motorroller, verbeulte Blasinstrumente, eine Wandinstallation mit eingelegten Glassteinen. Doch sie sagt einiges aus über den Künstler und seine Heimat: Valentin Carron und das Wallis.

Legende: Video Valentin Carron: «Ich mache es wie Didier Cuche» abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.06.2013.

Freundlich empfängt sie die Zuschauer und schlängelt sich 80 Meter durch den lichten Schweizer Pavillon, den Giacometti vor gut 60 Jahren erbaut hatte: Valentin Carrons gusseiserne Schlange mit zwei Köpfen. Beim Besuch des Schweizer Pavillons an der Biennale von Venedig muss man aufpassen, dass man nicht auf sie tritt. Neben der Schlange trifft der Besucher auf Motorroller. Liebevoll restauriert stehen sie im Schweizer Pavillon, neben plattgewalzten Blechblasinstrumenten und einer Wandinstallation mit eingelegten Glassteinen.

Von sieben Juroren nach Venedig gewählt

Der Walliser Künstler Valentin Carron ist von sieben Juroren der Stiftung Pro Helvetia dazu auserwählt worden, den diesjährigen Schweizer Pavillon an der 55. Biennale in Venedig zu bespielen. «Den Juroren, die im Auftrag von Pro Helvetia handelten, gefiel Carrons eigenwillige Art, bestehendes neu zu sehen und Gesehenes neu darzustellen», erklärt Marianne Burki, Leiterin der Abteilung Visuelle Künste von Pro Helvetia gegenüber SRF 2 Kultur. Die Kriterien der Jury? «Nach Venedig gewählt wird, wer mit seiner Kunst Debatten auslöst, in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Kunst, die eine grosse Spannbreite des Vokabulars des Künstlers zeigt, aber auch eine Kontinuität des Vorgehens», so Burki. Kuratiert wird die Carron-Ausstellung von Giovanni Carmine. Der Tessiner ist Direktor der Kunst Halle St. Gallen.

Legende: Video Die Schlange? Ein Vorwand, um eine Linie durch den Raum zu ziehen abspielen. Laufzeit 00:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.06.2013.

Von der Heimat Inspiriert

Valentin Carron lässt sich beim Schaffen seiner Kunstwerke gerne und oft von seiner Heimat, dem Wallis, inspirieren. Der 35Jährige stammt aus Martigny und lebt und arbeitet im Winzerdorf Fully im Rhonetal. Die plattgedrückten Blasinstrumente beispielsweise verweisen auf die Vereinsembleme in den Walliser Gaststuben. Blasmusik wird in den Dörfern gespielt, ist neben dem Gesang des Kirchenchors oft die einzig präsente Musik.

Kreuz vor Messehallen
Legende: Das gigantische schwarze Holzkreuz, das Valentin Carron 2009 vor den Toren der Art Basel ausstellte. Keystone

Auch das gigantische schwarze Holzkreuz, das Valentin Carron 2009 vor den Toren der Art Basel ausstellte, stellte unter anderem eine Auseinandersetzung mit seiner Heimat dar: Überall im Wallis, in allen Dörfern, an den Wanderwegen, in den Häusern ist das Kreuz präsent.

Der Prophet, der sich die Weihen im Ausland holt

Valentin Carron ist national und international bei Insidern geschätzt und bekannt. Im Wallis selbst jedoch hat man Mühe, seine Kunst zu finden.Er verkörpert die altbekannte Geschichte des Propheten, der im eigenen Land erst dann wahr genommen wurde, nachdem ihm das Ausland die höheren Weihen gespendet hatte: Das letzte Mal im Wallis ausgestellt hat Valentin Carron vor rund 10 Jahren – und hat dabei bei den Ausstellern einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen: Ungefragt sprayte er damals seine Kunst auf die Galerie-Wände.

Valentin Carron

Valentin Carron besuchte die Kunstschulen von Sierre und Lausanne. Erste Ausstellungen ab 2000, bald folgten Einzelausstellungen in der Kunsthalle Zürich und dem Swiss Institute in New York. An der Art Basel 2009 präsentierte er seine riesige Kreuzskulptur, 2010 widmete ihm das Pariser Palais de Tokyo eine Einzelausstellung.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Eduard Hauser, Weesen
    Die Biennale zeigt; Kommerz und Industrie spiegeln sich im Werk der Künstler - machen oder machen lassen? Galerien und Kunsthallen als Transporthilfen? Ìch sehe wenig Provokantes beim Schweizer Beitrag. Schlangen, Glasfenster und Holzkreuze sind symbolisch verwandt. Christlich, aber nicht provokant. Die angewandten Kriterien "Vokabularspannbreite,etc" sind unverständlich. Wo bleibt die Vision, Kreativität, Authentizität oder die dauerhafte Wirkung eines Werks? Wann kommt die Zukunftsoptik?
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    1. Antwort von andreas furrer, prilly
      dem kann ich leider nur beipfilchten. kunst ist heute nicht viel mehr als kuratiertes alteisen (getrennter abfall).
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