Die Ökonomie der Ideenwelt

Der junge Basler Künstler Tobias Madison inszeniert seine Ausstellung in der Kunsthalle Zürich als «work in progress». Verborgene Handelswege sind ebenso ein Thema wie Netzwerke realer und virtueller Kunst-Orte. Eine konzeptuelle Arbeit mit problematischen Leerstellen.

Ein leerer Raum ist in bläulichem Licht getaucht, hinten steht ganz klein eine gelb erleuchtet Kartonkiste.

Bildlegende: Leere Räume im Kunsthaus: «Das Licht plappert gegen sich selber an», so der Basler Künstler Tobias Madison. Stefan Altenburger, Photography Zurich

Alte Kartonkisten stehen in den Ausstellungssälen. Sie erwecken den Eindruck, als seien die Kunstwerke noch nicht aufgebaut oder nicht einmal ausgepackt. Wäre da nicht das geheimnisvolle Leuchten der Kartons. Wer sich über die Kisten beugt, entdeckt im Innern überraschende kleine Installationen aus Leuchtröhren und Lampen.

Wie werden Waren und Ideen bewegt?

Die Lichter spielen auf die überraschenden Entdeckungen an, die Tobias Madison im Zusammenhang mit Kartonkisten und Transportwegen machte. Er fand heraus, dass viele in der Schweiz ansässige Kleinhändler aus dem nahen und fernen Osten sich private Handelswege fernab der grossen Frachtrouten aufgebaut haben. Verwandte nehmen, wenn sie mit Fluggesellschaften ohne Gepäcklimit auf Besuch kommen, ein paar Kisten Ware mit. So werden Familienbande zu Handelsnetzen.

Tobias Madison interessiert sich für ökonomische und organisatorische Strukturen. Den jungen Künstler beschäftigt, wie Waren und Ideen bewegt werden –  im Gemüsehandel aber auch in der Kunstwelt.

Offen und experimentell

Wie funktionieren Ausstellungen, wie werden sie wahrgenommen? Madison geht das Thema betont radikal an. Seine Ausstellung «NO; NO;     H» in der Kunsthalle besteht aus alten Kartonkisten, vorgefundener Technik, viel Licht und Luft. Gekostet hat sie fast nichts.

Das klingt experimentell. Und Tobias Madison geht noch weiter. Er inszeniert eine in alle Richtungen offene Ausstellungssituation, die tradierte Vorstellungen von Kunstpräsentation aufhebt. Er erklärt verschiedene Aussenorte zu Teilen der Ausstellung. Das Kino AP News, das Tobias Madison gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden betreibt, gehört dazu, und auch die Longstreet Bar.

In beiden Räumen finden Performances und Konzerte statt. Ein Newsletter erweitert die Ausstellung in den virtuellen Raum. Die Schau selbst soll in Bewegung bleiben, ein «work in progress». Eine zweite Vernissage Ende Februar soll diesen bewegten Charakter unterstreichen.

Eine Leere, die alles und nichts bedeutet

Das Konzept klingt jung und urban, die Umsetzung jedoch verlangt dem Besucher einiges an geistiger Mitarbeit ab. Wandfüllende Videoprojektionen zeigen die Deckenbeleuchtung der Ausstellungssäle. Das Licht plappere gegen sich selber an, sagt Tobias Madison dazu. Ein schöner Satz, der auf die Leere im Raum oder vielleicht auch im geschwätzigen Kunstmarkt anspielen könnte.

Die Installation selbst bleibt da ganz offen. Sie erzeugt eine schwebende Leere, die alles und nichts bedeuten kann und die leider keine schlüssigen Gedankenverbindungen zur Ökonomie von Ausstellungen bietet. Deutlich narrativer und anregender sind die leuchtend gefüllten Kartonkisten im Nebenraum.