Die Verzauberung der Welt - die Symbolisten im Kunstmuseum Bern

Dunkel lockende Dämoninnen und verzauberte Wälder: Als die westliche Welt um 1900 auf dem Sprung in die Moderne war, schufen die Symbolisten fabelhafte Gegenwelten. Schweizer Künstler spielten eine tragende Rolle in dieser Kunstbewegung.

Arnold Böcklins «Meeresstille»

Bildlegende: Im Symbolismus sind Verlockung und Untergang nah beieinander. Kunstmuseum Bern / Arnold Böcklins «Meeresstille»

Die Ausstellung «Mythos und Geheimnis» lockt den Besucher in eine Wunderwelt weit entfernt vom Alltagsgetriebe. Über 200 Gemälde, Grafiken und Skulpturen führen in ein imaginäres Reich, in dem jedes Licht am Horizont eine Bedeutung hat und jeder schmachtende Blick ins Verhängnis führen kann.

Der Symbolismus - kein Stil sondern eine Haltung

Der Symbolismus ist kein klar umrissener Stil, er bezeichnet eher eine künstlerische Haltung. Die Künstler reagierten mit ihren gemalten Fluchten auf Industrialisierung, Verstädterung und die wachsende Anonymität der Grossstädte um 1900. Ähnlich wie die Romantiker 100 Jahre zuvor bedauerten sie die Entzauberung der Welt durch Wissenschaft und Wirtschaft.

Symbolismus als Reaktion auf die Technisierung

Lange waren die oft schwelgerischen Bildwerke der Symbolisten als Salonmalerei verpönt. In den letzten Jahren ist diese träumerische Kunst wieder im Kommen. Eine mögliche Ursache für die Neubewertung der symbolistischen Kunst sieht Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern, in zeitgeschichtliche Parallelen zwischen unserer Gegenwart und der Welt um 1900.

Internet und Globalisierung haben unser Leben erneut technisiert und beschleunigt. Märchen und Mythen, Vampire und Harry Potter werden zu Zufluchtspunkten in einer Welt ohne Geheimnisse aber auch ohne Heimeligkeit.

Ferdinand Hodlers «Die Nacht»

Bildlegende: Wenn das Irrationale erwacht: die Ängste, die Ahnungen, die Gesichte Kunstmuseum Bern / Ferdinand Hodlers «Die Nacht»

Hodlers grandioser Auftakt

Raffiniert unterstreicht die Ausstellung das Gefühl, aus dem normalen Leben in ein zauberhaftes Kunstreich einzusteigen. Die Säle sind in dunkle warme Blau- und Rottöne gehüllt. Der Parcours beginnt mit Ferdinand Hodlers berühmtem Gemälde «Die Nacht»: Umringt von schlafenden Männern und Frauen, wird ein Mann von einem Nachtmahr oder Todesboten aufgeschreckt. Die Figur zeigt deutlich die Züge des Künstlers.

Hodlers Bild ist ein grandioser Auftakt für die Schau, bündelt es doch einige Themen, die für den Symbolismus bedeutsam waren. Es erzählt von den Ängsten einer verunsicherten Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne, von den inneren Abgründen der Psyche, die um 1900 immer mehr in den Fokus der Wissenschaft gerät und von der Faszination am Übersinnlichen, am Esoterischen.

Im Zentrum der Berner Schau

Viele Symbolisten schlossen sich kleinen religiösen oder weltanschaulichen Gruppierungen an. Eine besondere Rolle spielen hier die Rosenkreuzer, die 1892 auch die erste Symbolismus-Ausstellung in Paris organisierten. An diesem «Salon de la Rose et Croix» in der Galerie Durand-Ruel waren viele Schweizer Künstler beteiligt. Ferdinand Hodler, Félix Valloton, Carlos Schwabe haben den Symbolismus bedeutend mitgeprägt und sie stehen auch im Zentrum der Berner Schau.