Digitale Kunst ist reif fürs Museum

Das Museum für digitale Kunst in Zürich widmet seine Ausstellungen der Kultur aus Nullen und Einsen. Der Mensch wird dabei nicht aussen vor gelassen, denn die Gründer sehen die Technologie als verbindendes Element zwischen Menschen und Kulturen.

Leuchtende Tastatur und Bildschirm.

Bildlegende: Das MuDA will Fragen zu unserer digitalen Zukunft stellen, die zurzeit noch zu wenig diskutiert werden. Flickr/Christiaan Colen

Kann aus Zahlen, Codes und Algorithmen Kunst entstehen? Braucht es dafür eigene Museen? Ja. Davon sind jedenfalls Christian Etter und Caroline Hirt überzeugt. Seit vier Jahren setzen sich die beiden dafür ein und eröffnen nun das Museum of Digital Art (MuDA) in Zürich.

Den Fokus legen sie dabei nicht auf Sammlungen oder Archive, sondern auf den gesamtgesellschaftlichen Wert: «Ein Museum muss ein Nonprofit-Institut sein, welches der Gesellschaft dient», sagt Etter.

Die digitale Welt öffnen

Mit dem MuDA schaffen sie einen solchen öffentlichen Ort, der sich der Materialisierung von Nummern und Computersprache widmet. Neben Ausstellungen veranstaltet das MuDA auch Workshops und Diskussionen.

Grosse Halle in der eine grosse Anzeigetafel steht.

Bildlegende: Die alte Anzeigetafel des Zürcher Hauptbahnhofs ziert als digitales Kunstwerk die Eingangshalle des MuDA. MuDA

In Workshops möchte Caroline Hirt insbesondere junge Frauen ermutigen, in die digitale Welt des Programmierens einzusteigen – ein bisher vorwiegend männlich besetztes Feld. Die Sozialanthropologin beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Technologie und Menschen und wie diese im Alltag interagieren.

Jenseits des etablierten Kunstmarktes

Hilfe erhält das kleine Team um den ausgebildeten Polygrafen Etter von einem ungewöhnlichen Mitarbeiter: HAL 101, einem von Etter und Hirt programmierten Algorithmus. In Zukunft wird er die Künstler und Künstlerinnen für Ausstellungen auswählen.

«Die ersten vier Ausstellungen haben wir vorgegeben. HAL 101 wird anschliessend das Netz nach weiteren Kunstschaffenden durchsuchen, die zu uns passen.» Zusätzlich sollen jeweils Apps entwickelt werden, in die sich auch rein virtuelle Arbeiten einbinden lassen.

«Alles ist freier und wilder»

Etter und Hirt sind der Überzeugung, dass digitale Kunst dank Interaktion und Bewegung neue Dimensionen eröffnen kann. Weiter motiviert sie ein gewisser Pioniergeist.

In Europa gebe es bisher kaum solche Plattformen, keine bekannten Namen und die Versicherungsbeträge der Kunstwerke seien mit dem etablierten Kunstmarkt nicht vergleichbar: «Alles ist freier und wilder – das macht für uns den Reiz aus.»

SBB-Tafel zu neuem Leben erweckt

Für die Eröffnungsausstellung des MuDA erhielt ein berühmtes Objekt ein zweites Leben: Das Tessiner Künstlerduo Gysin-Vanetti hat die alte Faltblattanzeige des Zürcher Hauptbahnhofes neu programmiert.

Der nostalgische Wert dieser Tafel, die Jahrzehnte lang tausenden Menschen täglich die nächsten Zugverbindungen anzeigte, wird nun um eine neue Bedeutung erweitert. Gysin und Vanetti programmierten für die Tafel eine neue Choreographie aus Farben, Worten und rhythmischem Rauschen.

Einfach sei es nicht gewesen, an dieses Objekt zu kommen. Doch nach einem Jahr zäher Verhandlungen mit der SBB steht die Tafel nun in der Empfangshalle im Erdgeschoss des Herden Hochhauses, wo sich das Museum einquartiert hat.

Wichtige Fragen stellen

Die Freude über dieses Objekt ist gross bei Etter und Hirt. Mehr Wert jedoch legen die beiden auf gesellschaftliche Aspekte digitaler Technologie und deren Wechselwirkungen mit den Menschen.

«Wir wollen einen Ort schaffen, um zu diskutieren, was mit unseren Daten geschieht. Wir stellen Fragen nach Sicherheit und Privatsphäre und thematisieren, ob gewisse Daten wichtiger sind als andere. Für unsere Zukunft sind solche Fragen extrem wichtig. Zurzeit werden diese noch zu wenig diskutiert.»

Technologie verbindet

Etter, der bereits mehrere Firmen gegründete und Jahre im Ausland verbracht hat, suchte in zahlreichen Projekten nach einer Art universellem Muster. «Ich arbeitete in unterschiedlichen Kulturen, Industrien und mit den verschiedensten Leuten zusammen und entdeckte so neue Zusammenhänge. Die Technologie wird in dieser Hinsicht in Zukunft entscheidend sein. Bereits heute ist sie verbindendes Element zwischen verschiedenen Kulturen und Branchen und ist zentral für Infrastruktur.»

Aus diesem Grund wird das MuDA unterschiedlichste Menschen aus dem In- und Ausland einladen, die zu diesem Thema etwas zu sagen haben: Personen aus juristischen Berufen, Menschen, die Suchalgorithmen programmieren oder Verkaufspersonal von der Supermarkt-Kasse, das durch ein Terminal ersetzt wird. Sie alle sollen zu Diskussionen nach Zürich eingeladen werden, welche gefilmt und anschliessend ins Netz gestellt werden sollen – zur freien Verfügung für alle.

Sendung: Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 12. Februar 2016, 17.30 Uhr

Museum of Digital Art

Alte Luftaufnahme einse Hochhauses.

Am 13. Februar öffnete das MuDA seine Türen. Finanzieren will sich das Team zur Hälfte durch Eintritte und Apps, die andere Hälfte soll durch die Zusammenarbeit mit Firmen und Sachleistungen, Wissen oder ihren Produkten erbracht werden. Für den Umbau der Empfangshalle des Herden Hochhauses wurden 111'111 US-Dollar mittels Crowdfunding gesammelt.