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Kunst Einzelgänger, Sonderlinge und Genies: Künstler in der Einsamkeit

In der Serie «Der Bestatter» lebt ein Einsiedler zurückgezogen in einer Waldhütte. Er hört Musik, liest Kierkegaard. Solche Eremiten gibt es tatsächlich: Gerade Künstler ziehen sich gerne in die Natur zurück – weil sie Inspiration suchen, oder weil sie vor den Menschen flüchten. Fünf Beispiele.

Ein Mann mit Hut steht im Wald vor einer Hütte
Legende: In «Der Bestatter» lebt der Einsiedler Schwarzkittel zurückgezogen in einer Hütte im Wald. SRF/Sava Hlavacek

  • 1. Armand Schulthess

    Auf seinem eigenen Grundstück im Tessiner Onsernonetal errichtete Armand Schulthess über Jahre hinweg eine «Enzyklopädie im Wald»: Aus unzähligen Büchern und Schriften sammelte er Wissen, das er auf Tafeln im ganzen Wald verstreut aufhängte und in eigenen Büchern niederschrieb. Der menschenscheue Sonderling machte so den Wald zu einem Gesamtkunstwerk. Diese akribische Arbeit eines Besessenen inspirerte Max Frisch zu dessen Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän». Schulthess starb 1972 auf seinem Grundstück, seine Erben zerstörten seine Kunstwerke weitgehend.

  • 2. Gusto Gräser

    Der Künstler Gusto Gräser haderte mit der Zivilisation und wünschte sich ein ursprünglicheres Leben in Einklang mit der Natur. Schon bald nach seinen Anfängen als Künstler kehrte der deutsch-österreichische Maler und Dichter der Gesellschaft den Rücken und ging seinen eigenen Weg. Er liess sich auf dem Monte Verità im Tessin nieder. Gräser war Mitbegründer der dortigen Reformsiedlung, zog sich aber später weiter zurück und lebte zeitweise in einer Höhle. Hier besuchte ihn auch sein Mitstreiter Herman Hesse. Als Pazifist und Kriegsdienstverweigerer wurde er mehrfach verhaftet. Sein Haus im Tessin musste er bereits 1919 verlassen, als er aus der Schweiz ausgewiesen wurde.

    Der Filmausschnit stammt aus dem Dokumentarfilm «Gusto Gräser – Der Eremit vom Monte Verita» von Christoph Kühn.

  • 3. Franz Humer

    Franz Huemer hatte einen eigenen Blick auf die Welt. In der Natur, im Wald, entdeckte er verborgene Bilder. Mit seiner Schnitzkunst legte er diese geheimen, göttlichen Bilder frei. Huemer, der sich selbst als Inkarnation Jesu bezeichnete, lebte nahe der Schweizer Grenze in Feldkirch in einem Bahnwärterhäuschen, das er zu einem Kunstwerk umgestaltet hat. Bis zu seinem Tod 2012 wurden Huemers Werke immer wieder ausgestellt.

  • 4. Bruno Weber

    Ein Einsiedler war er nicht wirklich, aber Bruno Weber hat sich in Spreitenbach eine eigene Welt aufgebaut: Mitten in der Zürcher Agglomeration erhebt sich nun eine fantastische Welt mit riesigen Fabelwesen und verspielten Bauten. Der 2011 verstorbene Künstler Bruno Weber hat unermüdlich an seinem Lebenswerk gearbeitet. Erst gegen den Widerstand der Behörden und später mit deren Unterstützung baute er sein Haus und den umliegenden Park laufend aus. Heute sind Webers Skulpturen nicht nur im «Bruno Weber Park», sondern an vielen Orten in der Region und über die Schweiz hinaus zu finden.

  • 5. Andrea Robbi

    Andrea Robbi, geboren 1864, verbrachte seine Kindheit in Sils im Engadin und in Italien. Nach einer Ausbildung zum Maler, unter anderem in München, Paris und Rom, begann er eine vielversprechende Karriere. Doch dann wirft 1898 der Tod des Vaters das Leben von Andrea Robbi aus den Bahnen. Er kehrt zurück nach Sils, verbrachte den Rest seines Lebens fast vollständig im Elternhaus. Nach dem Tod der Mutter lebte er dort alleine, in Dunkelheit. Er schloss sich in sein Haus ein, verliess es nur noch nachts. Hier starb er im Alter von 80 Jahren.

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