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Blicke in die Seele. Die Magie des Fotografen Hugo Jaeggi
Aus Sternstunde Kunst vom 17.11.2019.
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Film über Hugo Jaeggi «Seine Euphorie für die Fotografie war ansteckend»

In seinen Fotografien werden sie sichtbar: die Schwächen und Ambivalenzen des Menschen. Hugo Jaeggi zeigte Menschen oft verletzlich und kraftvoll zugleich.

Sein Werk ist gross, aber ausserhalb der Schweiz nicht wirklich bekannt. Der Filmemacher Jérôme Depierre widmete dem 2018 verstorbenen Schweizer Fotografen einen Dokumentarfilm. Dieser soll sein Werk nicht nur festhalten, sondern auch mit der Welt teilen.

Jérôme Depierre

Jérôme Depierre

Fotograf und Filmemacher

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Der 26-jährige Basler Fotograf Jérôme Depierre lebt in Berlin und hat den Film «Hugo Jaeggi – Fotograf. Zudem ist der Traum oft Realität» mit produziert.

SRF: Erinnern Sie sich an die erste Begegnung mit Hugo Jaeggi?

Jérôme Depierre: Vor fünf Jahren nahm mich meine Tante in Basel an einen Kunstbetrachtungskurs mit. Hugo Jaeggi stellte dort seine Bilder vor. Nach dem Vortrag sprach er mich an. Er wollte wissen, ob ich auch fotografiere.

Wieso sprach er gerade Sie an?

Ich war der jüngste unter den 20 Teilnehmern. Hugo Jaeggi war immer am Austausch mit jungen Menschen interessiert – bis 81 unterrichtete er Fotografie an einer Steiner-Schule.

Ein Portät von hugo Jaeggi.
Legende: Mit seinem sensiblen und dokumentarischen Blick hielt er die Seele des Menschen fest: Fotograf Hugo Jaeggi. SRF/Matthias Leupold

Wollte er Ihre Bilder sehen?

Ja, er bat mich, meine Bilder in den nächsten Kurs mitzubringen. Eine Woche später überreichte ich ihm einen zugeklebten Umschlag mit meinen Fotos. Ich hoffte inständig, er möge ihn nicht gleich öffnen. Ich war nervös, war beeindruckt von seinen Bildern. Mit dem ungeöffneten Couvert in der Hand sagte er: «Ruf mich in zwei Wochen an.»

War das der Anfang einer Freundschaft?

Genau. Ich rief ihn an und besuchte ihn das erste Mal in Burg im Leimental, wo er lebte. Danach fuhr ich regelmässig zu ihm, auch als ich nach Berlin zog. Jaeggi wurde mein Mentor. Wir führten lange Gespräche über intellektuelle, zwischenmenschliche und soziale Aspekte der Fotografie.

Mit jeder seiner Fotografien wollte er etwas Unerhörtes erzählen.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Jaeggi hatte diesen steten Drang, Bilder zu machen. Seine unermüdliche Neugier beeindruckte mich sehr. Auch seine Fähigkeit, sich auf Menschen und Situationen einzulassen. Er war ein Wunderfitz mit einem unglaublichen Blick für Details. Seine Euphorie für die Fotografie war ansteckend.

Wie war er als Person?

Er hat in seiner eigenen Welt gelebt. Ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen, ging er seinen Weg. Als Mensch war er bescheiden und voller Selbstzweifel. Immer wieder hinterfragte er sein Werk. Mit jeder seiner Fotografien wollte er etwas Unerhörtes erzählen.

Wer war Hugo Jaeggi?

Hugo Jaeggi, geboren 1936, ist in Solothurn aufgewachsen. Er absolvierte eine Fotografenlehre beim Fotografen Ernst Räss. Ab 1983 arbeitete er als freischaffender Fotograf. Neben Auftragsarbeiten widmete sich Jaeggi eigenen Fotoprojekten. Mehr als sechzig Jahre arbeitete er mit seiner Leica-Kamera, vorzugsweise mit der M6 und dem 35mm-Objektiv. Hugo Jaeggi ist mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt 1998 mit dem Kunst- und Kulturpreis des Kantons Solothurn. Er starb 2018. Die Schweizer Fotostiftung hat 600 Bilder von Hugo Jaeggi archiviert.

Jaeggi ist in der Schweizer Fotografieszene bekannt. Kennt man ihn auch im Ausland?

Der internationale Durchbruch gelang ihm nicht. Unter anderem, weil er sehr zurückhaltend und kein Angeber war. Die Qualität seines Schaffens aber ist herausragend. Hugo Jaeggi kann sich durchaus mit Fotografen wie Werner Bischoff oder Jacob Tuggener messen.

Zusammen mit Matthias Leupold haben Sie einen Film über Hugo Jaeggi gedreht. Wie kam es dazu?

Ich habe meinem früheren Professor und Dokumentarfilmer Matthias Leupold in Berlin einen Fotoband von Jaeggi gezeigt. Leupold war begeistert und wir meinten, diese Bilder müsse man verfilmen. Dann geschah alles impulsartig. Jaeggi zeigte sich erst überrascht über die Filmanfrage. Er sei doch nicht so wichtig, sagte er. Typisch.

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung «Hugo Jaeggi – Fotografie» wird im Philosophicum Basel vom 16. November bis zum 15. Dezember 2019 gezeigt.

Was möchten Sie mit dem Film erreichen?

Unser Film will Jaeggi als Mensch in Erinnerung behalten. Wir wollten sein Erbe, seine Geschichte und bildstarken Träume festhalten, um auch zukünftige Generationen von Fotografen damit zu inspirieren. Toll wäre, wenn Jaeggis Werk mithilfe des Films international doch noch Bekanntheit erlangte.

Das Gespräch führte Nicola Mohler.

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