Galerien und ihr Geschäft: Die wenigsten schreiben Gewinne

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Geschäft mit Kunst geprägt von den astronomisch hohen Beträgen, die einzelne Werke bei Auktionen erzielen. Doch diese Rekordsummen verstellen den Blick auf die Realität. Vom grossen Geld können die meisten Galerien nur träumen.

Die Besucherin einer australischen Galerie allein vor 16 Photographien von Jean-Frédérics Schnyder.

Bildlegende: Die wenigsten werden reich: Nur zwei von zehn Galerien machen Gewinn, wie Umfrage in Deutschland ergab. Reuters

Auch 2015 werden sich Galeristinnen und Galeristen optimistisch äussern, von rasch ausverkauften Ständen an der Art Basel berichten und die gute Käuferstimmung loben. Genaue Zahlen wird es keine geben, aber der Kunstmarkt ist geprägt von frohen Botschaften. Ein Auktionsrekord jagt den anderen und auch die geschätzten Umsatzzahlen steigen stetig.

Keine Angaben zu Gewinnzahlen

Tatsächlich ist der Verkauf von Kunst aber eine Tätigkeit für Idealistinnen und Idealisten - auch wenn der Kunstmarktbericht der Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF den globalen Umsatz für das Jahr 2014 auf 51 Milliarden Euro schätzt.

Die gigantische Umsatzzahl sagt jedoch nichts aus über Gewinne. Und auch wenig darüber, wie es den Galerien geht. Die traditionsreichen Vermittler für Gegenwarts-Kunst kämpfen mit einem Problem: der wachsenden Konkurrenz durch Auktionshäuser.

Quersubventionierung ist Realität

Eine Umfrage unter deutschen Galeristinnen und Galeristen, die das Berliner Institut für Strategieentwicklung (IFSE) im Jahr 2013 machte, liefert dazu aussagekräftige Daten. Die Befragung ergab, dass ein paar wenige, grosse Galerien 80 Prozent des Umsatzes machen. Nur zwei von zehn Galerien erwirtschaften Gewinn, die anderen werden von ihren Macherinnen und Machern quersubventioniert.

Dieser Befund lasse sich auch auf den Schweizer Markt übertragen, sagt Luigi Kurmann. Der ehemalige Präsident des Schweizer Galeristenverbandes berät heute Künstler, Galeristen und Sammler. Durch das generell höhere Preisniveau brauche eine Schweizer Galerie zwischen 500'000 und 600'000 Franken Umsatz jährlich, um schwarze Zahlen zu schreiben. Das schaffen die wenigsten.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Wenige Grosse machen den Löwenanteil des Umsatzes. Die meisten verkaufen zu wenig und betreiben ihre Galerie aus Liebe zur Kunst. Getrieben von der Hoffnung, irgendwann noch richtig Geld zu machen, wenn eine ihrer Künstlerinnen, einer der Künstler den grossen Durchbruch schafft. Die hohen Preise im Topsegment des Kunstmarkts sind auch hier der Stoff, aus dem die Träume sind.

Sendehinweis

Einblicke in den Kosmos Kunstmarkt liefert das Hörspiel «Dunkle Geheimnisse Kaufen Kunst» von Robert Woelfl, das zum Start der Art Basel ausgestrahlt wird.

Hörspiel-Premiere
Radio SRF 2 Kultur
Mittwoch, 17.6., 20 Uhr

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