Gemeinsam gingen sie einen guten Weg: Plattencover und Fotografie

Platten sind nicht nur was für die Ohren, sie sind auch was für die Augen: Die Ausstellung «Total Records» im Fotomuseum Winterthur wirft einen Blick auf die gemeinsame Geschichte von Musik und Fotografie und widmet sich deren vielseitigen Zusammenspiel auf Vinyl.

Eine ganze Ausstellung rund um Schallplattencover: 500 dieser magischen Quadrate sind bis Mitte Mai im Fotomuseum Winterthur zu sehen. Von der zur skulpturalen Ikone stilisierten Grace Jones über den subaquatischen Säugling auf Nirvanas Platte «Nevermind» bis zu Miles Davis, Björk oder der kürzlich verstorbenen Ikone David Bowie: «Total Records» bietet Gelegenheit für eine Reise durch die Bildwelten der 1960er- bis in die 2000er-Jahre und vermittelt die gesamte Breite gestalterischer Möglichkeiten dieser Zeitspanne.

Bunte, witzige und geistreiche Werke kaum bekannter Fotografen und Fotografinnen finden sich ebenso wie zum Mythos gewordene Bilder wie das von Iain Macmillan aufgenommene Cover des Beatles-Albums «Abbey Road». Auf diesem meinten Fans und Verschwörungstheoretiker Indizien dafür zu finden, dass Paul McCartney tot sei; 1966 bei einem Autounfall ums Leben gekommen und durch einen Doppelgänger ersetzt. Doch mehr als Anlass zur Verschwörungstheorie steht das Cover dafür, wie sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Musik, Inszenierung und Hör- und Seherfahrung des Publikums zu Popgeschichte verschränken.

Fruchtbare Verbindung zwischen Fotografie und Vinyl

Kuratiert wurde die Ausstellung von Kurator Sam Stourdzé, dem Sammler Antoine de Beaupré und dem Musikkritiker Serge Vincendet. Vergangenen Sommer wurde «Total Records» am Festival «Les Rencontres de la Photographie» in Arles gezeigt. Nun kommt sie als Kooperation nach Winterthur. Thomas Seelig, Co-Direktor des Fotomuseums, zeigt sich begeistert: «Das kuratorische Konzept an der Schnittstelle der beiden Populärkulturen hat uns überzeugt. Überrascht hat mich, dass bisher noch keine Ausstellung die enge Verbindung von Fotografie und Vinyl derart umfangreich aufgearbeitet hat.»

Schnittstellen gibt es zur Genüge: Stars wie Anton Corbijn, Robert Frank oder David Bailey, die mit den Rolling Stones zusammenarbeiteten; Annie Leibovitz, die John Lennon ablichtete oder Jean-Baptiste Mondino, der Prince, Madonna, Stephan Eicher zu einem Bild fürs Cover verhalf. Meist jedoch blieben die Fotografen und Fotografinnen hinter Bildern auf den Schallplatten unbekannt – «Total Records» holt sie ins Scheinwerferlicht.

Fischli/Weiss und Pipilotti Rist: Fokus auf die Schweiz

Die Winterthurer Ausgabe der Ausstellung wurde leicht adaptiert und mit Fokus auf die Schweiz erweitert: Werke von Bands wie Yello oder des Musikers Stephan Eicher oder von Kunstschaffenden wie Fischli/Weiss, Dieter Roth und Pipilotti Rist gestaltete Plattenhüllen ergänzen «Total Records» um Schweizer Positionen.

Darüber hinaus soll das Rahmenprogramm «Turntable/Talks» eine alternative und zeitgemässe Herangehensweise für das Publikum bieten. Dabei gibt es nicht nur Vielfältiges zu sehen, sondern auch zu hören: Anfang April etwa wird der Berner Musikexperte Sam Mumenthaler über die kurze, aber lebendige Geschichte des Luzerner Beat-Labels Layola berichten. Den Sound dazu legt er im Ausstellungsraum auf. Ebenso Veit Stauffer zwei Wochen später: Der Mitgründer des Schweizer Labels REC REC hat die hiesige Independent-Musikgeschichte seit Anfang der 1980er-Jahre massgeblich mitgeprägt. Eine für unterschiedlichste Interessen reiche Ausstellung.

Ausstellungshinweis

«Total Records» ist bis zum 16.05.2016 im Fotomuseum in Winterthur zu sehen.