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Gerhard Richter im Kunsthaus Zürich - Landschaftsmalereien
Aus Kultur-Aktualität vom 26.03.2021.
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Gerhard Richter in Zürich Er malt, als würde er fotografieren

Landschaftsmalerei? Das klingt nach 19. Jahrhundert. Doch die Kunst von Gerhard Richter ist kein bisschen von gestern.

Gerhard Richter malte schon gegenständlich, als alle anderen auf dem Weg in die Abstraktion oder ins Konzeptuelle waren. Längst gilt der deutsche Maler als einer der bedeutenden Künstler der Gegenwart.

Jetzt widmet das Kunsthaus Zürich Gerhard Richter eine Ausstellung. Genauer: seinen Landschaften.

Kunst der Stadtflucht

Landschaftsmalerei klingt nach 19. Jahrhundert. Das kommt nicht von ungefähr. Das 19. Jahrhundert entdeckte die Landschaft in den Künsten neu – in einer Gegenbewegung zu Industrialisierung und Verstädterung.

Richter entdeckte die Landschaft als Sujet als er 1961 aus der DDR in den Westen floh. Er hatte bereits in Dresden studiert, und war in Ostdeutschland ein anerkannter Künstler. In der BRD begann er noch einmal von vorn und schrieb sich an der Kunstakademie Düsseldorf ein.

Während um ihn herum die bundesdeutsche Kunstszene nach neuen abstrakten oder konzeptuellen Ausdrucksformen suchte, griff Richter zu Pinsel und Ölfarbe und malte. Landschaften wurden ein grosses Thema für ihn.

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Gerhard Richter – ein scheues Genie
Aus 10 vor 10 vom 16.05.2014.
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Sehnsucht und Ironie

Mit seiner Rückbesinnung auf die Landschaften der Romantiker habe Richter sich bewusst von seinen Zeitgenossen abgesetzt, sagt Cathérine Hug, die Co-Kuratorin der Ausstellung im Kunsthaus Zürich.

Gerhard Richters Interesse an den Romantikern ist deutlich sichtbar an Bildern, die das Bergpanorama bei Davos zeigen oder einen Blick auf den Vesuv. Das 1981 entstandene Bild «Eis» mit seinen schroffen, im Wasser schwimmenden Eisschollen erinnert an Caspar David Friedrichs Eismeer.

Legende: Gerhard Richter, «Eis», 1981 © Gerhard Richter / Sammlung Ruth McLoughlin

Die Unschärfe, die zu einem Markenzeichen Richters geworden ist, betont das Ungefähre und nährt die Sehnsucht. Ein Versprechen von Transparenz schwingt mit.

Ein Versprechen, das Richter allerdings stets offen lasse, wie Kuratorin Cathérine Hug sagt. «Richter bricht die Erwartungen des Publikums mit Ironie. Ganz deutlich wird das im Bild ‹Ruhrtalbrücke›, wo sich eine Autobahnbrücke quer durchs Bild zieht.»

Legende: Gerhard Richter, «Ruhrtalbrücke» 1969 © Gerhard Richter / Courtesy Hauser & Wirth Collection Services

Blick über die Schulter

Die Romantiker würden sich vermutlich die Augen reiben, könnten sie diesen Maler-Nachfahren sehen, der den träumerisch verhangenen Blick zum weiten Horizont mit einer Autobahn-Brücke durchschneidet.

Besucherinnen und Besucher der Ausstellung werden vielleicht die leichte Hand bewundern, mit der Richter weite Ferne und kühne Brücke auf die Leinwand bringt. Und sie dürfen ihm dabei auch über die Schulter blicken. Ein Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm macht’s möglich.

Video
Gerhard Richter im Gespräch
Aus Kultur Extras vom 16.05.2014.
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St. Gallen im Farbgewitter

Das Thema Landschaft beschäftigte nicht nur den jungen Künstler, es zieht sich durch Richters Lebenswerk. Die Ausstellung zieht da mit und zeichnet Richters wechselnden Umgang mit dem Sujet nach.

Sie zeigt abstrahierte Landschaften. Bilder, mit denen Richter auslotet, wie weit er in der Abstrahierung gehen kann, so dass am Ende dennoch Landschaften zu erkennen sind. Und er kann sehr weit gehen.

Legende: Gerhard Richter, «Seestück (See-See)»,1970 © Gerhard Richter / bpk / Nationalgalerie, SMB / Jörg P. Anders

Er malt Parklandschaften, die aus der Distanz wie grüne Oasen wirken und beim Näherkommen in abstrakte Flächen und Striche zerfallen. Er malt ein graues «Seestück», das man monochrom nennen könnte – wären da nicht die starken Pinselspuren, die an Wind und Wellen denken lassen.

Er malt eine Ansicht der Stadt St. Gallen – ein fast sieben Meter breites Farbgewitter, das aussieht, als habe er die Stadt aus einem rasenden Wagen betrachtet.

Legende: «Sankt Gallen», 1989 © Gerhard Richter / Universität Sankt Gallen

Über den Wolken

Richters Landschaften sind Gedankenlandschaften. Und Ideenlandschaften. Das gilt vor allem für die fiktionalen Konstruktionen bei denen sowohl der Himmel wie auch das Meer aus Wolken bestehen oder aus bewegtem Wasser.

Man sieht die Bilder, weiss, das ist gar nicht möglich und versteht sie doch. Denn, so Kuratorin Cathérine Hug, letztlich ist das, was wir unter Landschaft verstehen, immer eine Konstruktion.

Ausstellungshinweis

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«Gerhard Richter. Landschaft» ist noch bis am 25. Juli 2021 im Kunsthaus Zürich zu sehen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 26.03.2021, 08:06 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Jos Schmid  (Jos Schmid)
    Beim Bild Davos 1981 ist mir aufgefallen, dass es in Arosa ist; Und zwar ein Ausschnitt vom Schafrücken mit der Leidfluh im Hintergrund. Offenbar hat er es von einem falsch beschriebenen Bild abgeschrieben oder wollte vielleicht Kirchner (und damit Davos) referenzieren.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Jos Schmid Danke für den Hinweis. Was das Bild zeigt, wird nicht erwähnt. Jedenfalls heisst es auch auf der offiziellen Seite "Davos": https://www.gerhard-richter.com/en/art/paintings/photo-paintings/snowscapes-38/davos-6305
  • Kommentar von Mona Grieder  (papaver)
    Sollte es nicht heissen: "Unschärfe betont das Ungefähre und nährt die Sehnsucht nach Transzendenz "? Verhilft Kunst zur Bewusstseinserweiterung (Transzendenz Richtung Innenleben oder Richtung des Göttlichen) oder sehnt sich der oder die Betrachtende nach Durchscheinen (Transparenz)? Aber Transparenz von was? Der vom Künstler intendierten Bildaussage?
    Ein interessantes Wortspiel auf jeden Fall....
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