Gerhard Richter: «Malen ist eine andere Form des Denkens»

Der Dokumentarfilm «Gerhard Richter – Painting» zeigt, wie der deutsche Maler abstrakte Werke entstehen lässt. Doch auch Richters gegenständliche Kunst ist von grosser Bedeutung, wie der Kunsttheoretiker Markus Stegmann erklärt.

Video «Markus Stegmann im Gespräch mit Bernard Senn» abspielen

Markus Stegmann im Gespräch mit Bernard Senn

12 min, vom 14.9.2013

Der Kinodokumentarfilm über den deutschen Maler Gerhard Richter ist in der Sternstunde Kunst in Schweizer TV-Premiere zu sehen. Entstanden ist das Werk der deutschen Filmemacherin Corinna Belz, nachdem sie über Richters Chorfenster im Kölner Dom einen kurzen Film realisiert hatte. Der Künstler konnte Vertrauen fassen.

Im Atelier des Künstlers

Gerhard Richter

Bildlegende: Lässt den Zuschauer nah heran: Gerhard Richter. Look Now!

Das Besondere an diesem Kinodokumentarfilm ist unter anderem, wie nahe der Maler die junge Filmerin – und mit ihr die Zuschauerinnen und Zuschauer – an sich herankommen lässt. Er lädt sie sowohl in sein Atelier als auch zum Aufbau von Ausstellungen ein.

Der Filmerin gelingt es zudem, Archivaufnahmen vom jungen Richter einzuflechten, ohne dass der Fluss der Erzählung unterbrochen würde. Dadurch entsteht ein vielseitiges, vielschichtiges Bild des deutschen Malers, der weltweit als teuerster lebender Künstler gehandelt wird.

Übermalen, Wegkratzen, neu übermalen

Als roter Faden dienen in diesem Film neue Arbeiten, bei deren Entstehung wir dem stillen Zeitgenossen Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, zusehen können.

Richter schabt mit einem Brett die Farbe von einem grosse, abstrakten Gemälde.

Bildlegende: Bei seinen Gemälden trägt Richter immer wieder neue Schichten auf. Look Now!

«Entstehung» ist dabei vielleicht nicht das richtige Wort, denn es zeigt sich, dass der Maler immer wieder neue Schichten aufträgt, und wieder übermalt, wegkratzt, von neuem übermalt.

Dass es abstrakte Bilder sind, bei deren Entstehung die Kamera zusehen darf, kommt dabei kaum von ungefähr – so persönlich der filmische Atelierbesuch ist, so geheimnisvoll bleibt es, was Richter auf der Leinwand stets neu bewegt.

Das Geheimnis bleibt

Trotz der erstaunlichen Nähe und Offenheit des Künstlers, der 1961 von Ost- nach Westdeutschland floh, bleibt der Film auch immer Geheimnis. Geheimnis, das einen auf sich selbst zurückwirft – wie es für einen Film über Gerhard Richter kaum besser passen könnte.

Einige mag dies hungrig zurück lassen – vielen wird der Film Lust auf mehr geben. Auf mehr Richter. Mehr Malerei. Oder mehr Filme zu künstlerischer Arbeit.

Sendung zu diesem Artikel