«Hohe Kunstpreise schaden den Galerien»

142 Millionen Dollar für ein Bild von Francis Bacon: Die jüngsten Kunstpreise sorgten für Diskussionen. Wer zahlt so viel Geld für Kunst? Und wie gehen Galerien und Museen damit um? Christian von Faber Castel, Experte für den Kunstmarkt, betrachtet diese Entwicklung kritisch.

Zahlreiche Menschen sitzen in einem Saal, an dessen Wand drei Kunstwerke hängen.

Bildlegende: Da stockte manchem Händler den Atem: Versteigerung von Bacons Tryptichon «Three Studies of Lucian Freud» in New York. Keystone

«Um Investment geht es am wenigsten», ist Kunstmarkt-Experte Christian von Faber Castel überzeugt. Wenn dreistellige Millionenbeträge für Kunst ausgegeben werden, stehe vor allem eines im Vordergrund: Status. «Der Kunstmarkt ist heute ein Trophäen-Markt», sagt er. Die Reichen schmücken ihre Villen mit Kunst – so, wie früher die Trophäen der Grosswildjagd an der Wand hingen.

Die unmittelbare Folge dieser Jagd: Die Preise sagen wenig aus über den eigentlichen Wert der Kunst. Sie sind für Christian von Faber Castell zu etwas Artifiziellem geworden. «Die derzeit erzielten Preise sind nur Momentaufnahmen», so der Kunstexperte. «Ob das gleiche Bild eine Woche später den gleichen Preis erzielen würde, ist alles andere als gewiss.» Dass dabei Kunst als Wertanlage nur noch bedingt taugt, liegt auf der Hand.

Kunstkäufer werden eingeschüchtert

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Das teuerste Kunstwerk aller Zeiten

1:33 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.11.2013

Die hohen künstlichen Preise haben direkte Auswirkungen auf den Kunstmarkt: Auktionshäuser würden Rekordpreise gerne und häufig publik machen, um damit möglichst viele weitere Verkäufer anzulocken.

Andererseits leidet der «normale Kunsthandel» mit preisgünstigen Werken. «Der klassische Galerien-Handel, der sich um seine Künstler bemüht, wird eher geschädigt. Die ‹verrückten› Preise machen dem normalen Kunstkäufer oder dem Anfänger eher Angst.»

Immer mehr Ausgaben für Versicherungen

Angst machen solche Preise auch den Museen. Zwar sind Museen hierzulande nicht auf Kunstkäufe zu diesen exorbitanten Preisen angewiesen – ihre Magazine und Ausstellungsräume sind voll mit wertvollen Werken.

Doch auch das wird zum Problem, sagt Christian von Faber Castell: «Diese Bilder repräsentieren mittlerweile solche Werte, dass sie immer mehr Kriminalität anlocken. Versicherungsprämien steigen damit ins Unermessliche.» Mit der Folge: Statt in neue Kunstwerke, fliesst das Geld der Museen immer mehr in Versicherungsprämien.