Hundertwassers Toilette: Von wegen Stilles Örtchen

Der Ort menschlicher Erleichterung hat viele Namen: Bedürfnisanstalt, Donnerbalken, Latrine. Was zum Alltagsgeschäft gehört, hat so manchen Künstler gereizt, sich ästhetisch zu verewigen. Zu den berühmtesten WCs gehört ein Toilettenhäuschen Down Under, gestaltet von Friedensreich Hundertwasser.

Bad mit bunt gekachelten Wänden und einem Fenster, in dem ganze Flaschen eingelassen sind, durch die das Licht scheint.

Bildlegende: Die Toilette, die Hundertwasser in Neuseeland gebaut hat, ist zur Tourismusattraktion geworden. Michael Marek

Kawakawa auf Neuseelands Nordinsel: 200 Einwohner hat das Örtchen, einen Metzger, einen Supermarkt, ein Hotel, eine Tankstelle, mehrere Cafés und Andenkenlädchen. Und ein Kunst-Klo. Kawakawa, 200 Kilometer nördlich von Auckland gelegen, ist berühmt für seine Hunderwasser-Toilette. Viele Touristen haben von ihr gehört, die meisten kommen hierher, um sie einmal zu benutzen. Die Toilette ist exponiert zwischen Gemeindeverwaltung und öffentlicher Bibliothek gelegen.

Eine neue Heimat in Neuseeland

Friedrich Stowasser alias Friedensreich Hundertwasser, 1928 in Österreich geboren, hatte im neuseeländischen Nirgendwo den idealen Rückzugspunkt für sein Schaffen gefunden. Und eine Wahlheimat fernab des Wiener Schmähs. 1974 erwarb der Architekt eine Farm in Kaurinui in der Nähe von Kawakawa und wurde neuseeländischer Staatsbürger. Hier fühlte er sich zu Hause, abseits des Kunstbetriebs mit Sotheby's, Vernissagen und Retrospektiven. Aus Dankbarkeit habe «Hundertwasser für seine Gemeinde eine öffentliche Toilette konstruiert», sagt der Maler Thomas Lauterbach stolz. Er lebt seit vielen Jahren in Kawakawa und war mit Hundertwasser bis zu dessen Tod befreundet.

Toilette mit zwei Pissoirs mit bunten Wänden und einer Wand, in die ganze Flaschen eingelassen sind.

Bildlegende: Die «Bottle-Wände», eines von Hundertwassers Markenzeichen. Wikimedia/Steffen Hillebrand

Auch in Kawakawa gibt es das Hundertwasser-Wahrzeichen: die «Bottle-Wände». Eine Ansammlung farbiger Flaschen in unterschiedlicher Grösse, wild kombiniert und in die Wände einzementiert. Durch sie dringt natürliches Licht in die Nasszelle. Im Waschbeckenbereich ist ein stilisierter Fisch aus Kacheln gelegt. Statt Sterilität mit glatten Kunststoffoberflächen gibt es hier unebene Wände und Böden, verspielte bunte Säulen und ein langgezogenes, wellenförmiges, mit Gras bepflanztes Dach. Darunter bunte, ungleichförmige Säulen. «Die ganze Gemeinde hat mitgeholfen», erinnert sich Lauterbach, «und Friedensreich hat selbst mit Hand angelegt.»

Das Design bestimmt das Örtchen

In Kawakawa kann man sich Hundertwasser nah fühlen: beim Spülen, beim Seifenspender, beim Blick in den Spiegel. Die stereotype Gestaltung öffentlicher Räume und Gebäude war dem Verächter gerader Linien und rechter Winkel ein Graus: «Verbrecherisch ist die Benützung des Lineals in der Architektur», formulierte er in seinem «Verschimmelungsmanifest» und berief sich auf den allerhöchsten Zeugen: «Auch Gott kennt keine geraden Wege!»

Ein unebener gepflasteter Weg führt zum verspielten Häuschen mit gewölbtem Dach.

Bildlegende: Selbstverständlich führt kein gerader Weg zur Hundertwasser-Toilette. Michael Marek

«Durch die Toilette hat sich für Kawakawa enorm viel verändert», sagt Johnston Davis. Der Pensionär ist Vorsitzender des Hundertwasser-Trusts in Kawakawa. Er kümmert sich um das Erbe des österreichisch-neuseeländischen Künstlers: «Jetzt sind wir auch ausserhalb Neuseelands bekannt. Die Leute kommen aus der ganzen Welt.»

Der Stolz auf «Handertwosser»

Gut 120.000 Franken habe die Gemeinde für den Bau der Toiletten ausgegeben, Hundertwasser spendete aus eigener Tasche mehr als das Doppelte, erklärt Davis. Auch deshalb seien die Bewohner von Kawakawa stolz auf ihren «Handertwoser». Schon bald soll in Kawakawa auch ein Hundertwasser-Park entstehen. Die Pläne liegen in der Schublade, die Finanzierung durch die Stadtgemeinde wird wohl bald verabschiedet werden, da ist Lauterbach optimistisch.

Es ist nur eine Toilette, aber sie zeigt, dass auch kleine Dinge Schönheit ins Leben bringen können – das waren Hundertwassers Grussworte zur Einweihung.

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