Jean-Frédéric Jauslin - «Zu wenig spürbar in der Szene»

Jean-Frédéric Jauslin gibt sein Amt als Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK) ab. Der Bundesrat hat ihn zum Schweizer Botschafter bei der Unesco und bei der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF) ernannt. Ein Überblick über die Reaktionen aus der Kulturszene.

Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur.

Bildlegende: Von der Kultur zur Diplomatie: BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin wird neu Botschafter bei der Unesco. Keystone

Jean-Frédéric Jauslin wird sein neues Amt bei der Unesco am 1. September antreten. Bis dahin bleibt er Direktor des BAK. Seine Stelle werde ausgeschrieben und voraussichtlich im August neu besetzt, teilte das Eidgenössische Amt für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Jean-Frédéric Jauslin trat sein Amt beim BAK am 1. April 2005 als Nachfolger von David Streiff an. Der heute 58-Jährige war dem Bundesrat vom damaligen Innenminister Pascal Couchepin vorgeschlagen worden.

Jauslin hatte zuvor die Landesbibliothek geleitet. In seinem neuen Amt warteten damals wichtige Dossiers, die er inzwischen zum Abschluss gebracht hat: beispielsweise das Kulturförderungsgesetz und die tief greifende Reorganisation des Landesmuseums.

Der aus Le Locle stammende Jauslin absolvierte keine typische Kulturkarriere: In Neuenburg und an der ETH Zürich studierte er Mathematik und Informatik. Bevor er die Leitung der Landesbibliothek übernahm, war er in mehreren Unternehmen im Informatikbereich tätig. Als er ins BAK gewählt wurde, kannten ihn die meisten Kulturschaffenden nicht einmal vom Hörensagen.

Suisse Culture fordert mehr soziale Sicherheit

Eher kritisch fällt die Bilanz der achtjährigen Amtszeit von Jean-Frédéric Jauslin in den Augen von Hans Läubli aus, dem Präsidenten von Suisse Culture, Dachverband der Schweizer Kulturschaffenden: «Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir vom Bundesamt für Kultur in unseren Anliegen wirklich unterstützt wurden.» Mehr Unterstützung hätte sich Suisse Culture vor allem bei der Unterstützung der sozialen Sicherheit für Kulturschaffende erhofft. 

Erwartungen zu enttäuschen sei bei diesem Amt allerdings unumgänglich, so Jean-Pierre Hoby, früherer Kulturchef der Stadt Zürich, jetzt Präsident des Schweizerischen Kunstvereins: «Jean-Frédéric Jauslin hat eigentlich immer ein offenes Ohr geliehen. Aber das Problem ist: Man kann nicht allen gerecht werden.»

Kulturfördergesetz - Markstein der Amtszeit

Dass das Kulturfördergesetz 2008 verabschiedet wurde, sieht Hoby als den grössten Markstein in der Amtszeit von Jean-Pierre Hoby. «Immerhin hat man jetzt eine gesetzliche Grundlage. Man hat alle vier Jahre die Möglichkeit, die Mittel neu zu diskutieren.» Vom nächsten Kulturchef wünscht sich Jean-Pierre Hoby mehr Präsenz in der Szene: «Diese Leidenschaft für die Kultur muss man irgendwo spüren. Und das setzt natürlich einen häufigen Austausch und lebendigen Austausch mit der Szene voraus. Ich denke das wäre eine Anforderung an den kommenden Kulturchef oder die kommende Kulturchefin: Dass sie spürbar ist in der Szene. Das war Jean-Frédéric zu wenig.»

Anders klingt die Einschätzung von Marco Solari, Leiter des Filmfestivals Locarno, der vor allem auch die menschlichen Qualitäten von Jean-Frédéric Jauslin lobt: «Jauslin war sehr pflichtbewusst, er war auch beharrlich, gleichzeitig enorm tolerant und geduldig, offen, ermutigend. Aber er war auch, so wie ich ihn kennengelernt habe, hart und um die materielle Unterstützung mussten wir kämpfen.»