Wonder Woman und Spider-Man Kinofilme locken junge Leser in die Comicläden

Geschichten mit Superhelden boomen – als Film, Serie oder Game. Auch Comicläden in der Schweiz spüren das: gerade bei der jungen Kundschaft.

Ein Schüler in Neuseeland liest einen Spider-Man Comic.

Bildlegende: Spider-Man lockt aktuell viele junge Menschen ins Kino. Manche werden neugierig auf die Comics. Getty Images

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Kino erleben Superhelden-Geschichten, die auf einer Comic-Vorlage basieren, einen Boom.
  • Von diesem Hype profitieren auch Schweizer Comicläden. Ihr Umsatz wird zwar nicht grösser, aber ihre Kunden jünger.
  • Allerdings springen viele neue Comic-Leserinnen nach einiger Zeit wieder ab.

Der neue «Spider-Man», «Logan» und «Wonder Woman», die «Guardians of the Galaxy» und Harley Quinn aus «Suicide Squad»: Viele Superhelden und -heldinnen, die einem Comic entsprungen sind, erobern aktuell die Leinwand.

Superhelden garantieren Erfolg

Comic-Konzerne wie Marvel und DC bauen ihr cineastisches Universum aus. Denn wenn Superhelden im Kinosaal spektakulär die Welt retten, sorgen sie an der Kinokasse meist für sensationelle Einnahmen. Unter den zehn weltweit erfolgreichsten Filme des letzten Jahres finden sich laut IMDb vier Comicverfilmungen.

Auf die Zugkraft von Comichelden setzen auch Serien wie «Legion» und «Iron Fist» – und mehrere Superhelden-Serien, die im kommenden Herbst starten.

Superhelden-Geschichten boomen – als Film und Serie, manchmal auch als Game. Kurbelt dieser Helden-Hype auch das Geschäft der Schweizer Comicläden an? Oder gräbt er ihnen eher die Kunden ab, wie kürzlich ein US-amerikanischer Comicladen beklagte (siehe Textbox)?

Kino macht neugierig

«Dass Comics so viel Aufmerksamkeit und Akzeptanz erhalten – das dient uns sehr», sagt Angela Heimberg. Sie ist Inhaberin des «Comix-Shop» in Basel, mit 35 Jahren im Geschäft einer der ältesten Comicläden der Schweiz.

Das war nicht immer so. Als Beispiel nennt Angela Heimberg «Sin City»: Der Film lief 2005 erfolgreich im Kino, machte aber kaum Leser auf den Comic neugierig.

Bei Blockbustern wie «Deadpool» oder «Suicide Squad» sei die Wirkung nun, gut zehn Jahre später, viel stärker. «Kunden fragen bei uns heute vermehrt nach Superhelden, die sie aus dem Kino kennen.»

«Deadpool»: Cosplayer an der diesjährigen Fantasy Basel.

Bildlegende: Dieser Film löste einen Hype aus: «Deadpool»-Cosplayer an der Fantasy Basel 2017. Keystone

Interesse mit kurzer Halbwertszeit

Diese Tendenz kennt auch Benno Schärli, der Geschäftsführer des «Co-Mix Remix» in Luzern. Allerdings die Nachfrage nach Comicheften im Vergleich zum Kino bescheiden. Und nach seiner Erfahrung seien vieles «Schnellschüsse»: Das Interesse für eine Figur oder Reihe habe eine kurze Halbwertszeit.

«Viele Leute gehen ins Kino und kaufen sich dann Band 1 einer Reihe, vielleicht noch Band 2. Bis Band 3 ist die Sache gegessen.» Nur zwei von zehn neuen Leserinnen bleiben dran, so Schärli.

Falsche Erwartungen

80 Prozent der neuen Kunden sind nach kurzer Zeit also wieder weg – so erlebt es auch Roland Steiner von «Analph» in Zürich. Sein Comicladen ist seit 25 Jahren auf US-amerikanische Superhelden-Reihen spezialisiert. «Niemand wird aufhören Comics zu lesen, weil es mehr Filme oder Games gibt. Aber es beginnt auch kaum jemand längerfristig wegen den Filmen Comics zu lesen.»

Ein Grund dafür liegt laut Steiner bei falsche Erwartungen der Kino-Fans: «Sie wollen eine Geschichte lesen, wie sie der Film erzählt. Aber die Comic-Reihen haben oft eine 60-jährige Tradition, sind kompliziert. Das schreckt viele wieder ab.»

Jüngere Kunden

Einig sind sich die drei Comicläden in einem Punkt: Durch den Superhelden-Boom wird ihr Umsatz kaum grösser. Aber die Kundschaft jünger.

Zahlen zum Comic-Geschäft

Der Buchmarkt-Report des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) erfasst Comics nicht separat.
Laut den drei angefragten unabhängigen Comicläden ist der Umsatz über die Jahren stabil. Ihre Stammkunden seien trendresistent.
Wie der gesamte Schweizer Buchhandel spüren sie aber den schwachen Euro.
US-amerikanischen Superhelden seien kaum die Kassenschlager: Japanische Mangas oder francobelgische Bandes Dessinées machen bei ihnen den grösseren Teil des Sortiments aus.
DC-Antiheldin Harley Quinn im Kinofilm «Suicide Squad»

Bildlegende: Dank dem Film gefragt: DC-Antiheldin Harley Quinn. Warner Bros.

«Bisher kauften eher ältere Sammler die Superhelden-Reihen, und zwar über Jahrzehnte», erzählt Angela Heimberg: «Durch die Verfilmungen mit coolen Figuren wie Harley Quinn kommen aber viele junge Leser dazu.»

Querulanten im Rampenlicht

Geschickte Vermarktung durch die Verlage und die Präsenz von Superhelden im Mainstream sei ein Grund, weshalb junge Menschen Comics für sich entdecken. Aber laut Angela Heimberg vom Basler «Comix»-Laden nicht der einzige.

Das liege auch an den neueren Comics selbst: «Marvel und DC haben einen grossen Aufwand betrieben, die Figuren neu zu gestalten: frecher, schräger, skurriler, bunter.»

Im Rampenlicht stehen nicht mehr nur die grossen Unangreifbaren unter den Helden, sondern auch Querschläger und Outsider. Das mache die Geschichten witzig und unterhaltsam – und treffe den Nerv der jüngeren Generation.

Kino als Konkurrenz?

«Mile High Comics», einer der grossen lokalen Comicläden, ist der diesjährigen Comic-Con in San Diego ferngeblieben – zum ersten Mal seit 44 Jahren. Der Grund: Beim Publikum würden Veranstaltungen zu Filmen und Games besser ziehen als die klassische Comicheft-Messe.

Heldenbilder