Künstler Ai Weiwei plant auf Lesbos ein Flüchtlingsmonument

Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist geschockt: von der katastrophalen Lage auf der griechischen Insel Lesbos, wo täglich Tausende Flüchtlinge ankommen. Ihnen will er ein Denkmal setzen – eine Mischung aus Fotografie, Skulptur und Installation. Wann das Werk fertig sein wird, ist noch unklar.

Ein Mann spaziert dem Strand entlang, im Hintergrund Meer.

Bildlegende: Ai Weiwei am Strand von Lesbos. Der Künstler informierte sich persönlich, sprach mit Flüchtlingen und Helfern. Keystone

Ai Weiwei erlangte weltweite Bekanntheit durch seine Regimekritiken, in welchen er soziale Ungerechtigkeiten und Korruption anprangert. In seiner Heimat China wurde der 57-Jährige deswegen zum Opfer staatlicher Willkür. Das hat den Künstlern jedoch bis heute nicht mundtot gemacht.

In Lesbos stranden die meisten Flüchtlinge

Nun will er mit seiner Kunst die Aufmerksamkeit auf die Flüchtlingskrise vor der Küste Europas lenken. Auf der griechischen Insel Lesbos plant er ein Monument für Flüchtlinge. Denn dort kommen die meisten Flüchtlinge nach ihrer Überfahrt von der Türkei an.

Ein Mann mit schmalen Augen, ausgeprägten Brauen und einem Bart.

Bildlegende: Künstler und Menschenrechtler Ai Weiwei. Keystone

Allein im letzten Jahr riskierten über eine Million Migranten und Flüchtlinge den gefährlichen Weg über das Mittelmeer, um nach Europa zu gelangen – das berichtet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Die meisten kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Über 3000 Menschen kamen bei der Überfahrt ums Leben, unter ihnen zahlreiche Kinder. Viele werden noch vermisst. Und weiterhin kommen täglich mehrere Tausend übers Meer.

Durch die Medien bekommt jeder mit, was passiert

«Die Europäische Union – eine reiche Union – zögert, zu helfen», sagt Ai Weiwei. Unterstützung komme einzig von freiwilligen Helferinnen und Helfer: «Das ist eine Tragödie, die sich vor unser aller Augen abspielt.» Im 21. Jahrhundert bekomme durch die Medien jeder mit, was hier passiere. Niemand könne sagen, er hätte nichts gewusst. «Wir werden Zeuge, wie unsere Werte untergraben werden», sagt Ai Weiwei. Dagegen müsse man sich wehren.

Zwei Mädchen liegen auf Rucksäcken am Boden und schlafen.

Bildlegende: Auf Lesbos mangelt es an geschützten Schlafplätzen für Flüchtlinge. Reuters

In der Flüchtlingskrise kann die Würde des Menschen schon lange nicht mehr aufrechterhalten werden. Nicht alle haben einen warmen Schlafplatz, und das Essen, das die zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer bereitstellen, reicht längst nicht für alle.

Das betont auch Griechenlands Minister für Migrationspolitik, Giannis Moutzalas, stets aufs Neue. Der Flüchtlingsstrom sei für Griechenland ohne die Hilfe Europas nicht länger zu bewältigen. Man stünde kurz vor einer humanitären Katastrophe.

«Die Lage ist chaotisch»

Für Ai Weiwei ist die Kunst ein Sprachrohr, um auf politische Missstände hinzuweisen. Deswegen kam er nach Lesbos. «Die Lage hier ist chaotisch», sagt er. Weiwei sah sich verschiedene Camps an, sprach mit NGOs und freiwilligen Helferinnen und Helfern aus der ganzen Welt. «Ich machte dort Erfahrungen, die ich mir nicht im Entferntesten hätte vorstellen können», sagt er.

Durch das geplante Denkmal soll weltweit ein Bewusstsein für das geschaffen werden, was hier passiert. Um das Projekt anzugehen, hat Weiwei bereits ein Studio auf Lesbos gemietet. Vorerst wird er vor Ort Recherche betreiben.

Noch sucht er nach Sponsoren, um die Umsetzung des Denkmals zu finanzieren. Dann wird er Künstlerinnen und Künstler aus seinen Workshops in China und Deutschland sowie einige seiner Studenten der Universität der Künste in Berlin in die einzelnen Unterprojekte integrieren.

Das Denkmal wird aus unterschiedlichen Kunstformen bestehen – aus Videofilm, Fotografie, Installation, Skulpturen und Objekten. «Ich glaube, es ist nicht möglich, dieses komplexe Thema in nur einer Kunstform darzustellen», sagt Weiwei. Wann das Denkmal fertig sein wird, steht noch nicht fest.