Plagiat-Urteil Künstler Jeff Koons muss Schadenersatz zahlen

Der US-Künstler Jeff Koons und das Centre Pompidou müssen der Familie eines Fotografen 20'000 Euro Schadenersatz zahlen. Koons' Skulptur ähnle zu stark dem Werk des verstorbenen Franzosen Jean-François Bauret.

Links: Fotografie Mädchen mit Junge. Rechts: Porzellanstatue mit ähnlichem Motiv.

Bildlegende: Abgekupfert? Das Foto von Jean-François Bauret (links) entstand 1975. Jean-François Bauret/Jeff Koons

Jeff Koons ist wegen eines Plagiats zu Schadenersatz verurteilt worden. Ein Pariser Gericht entschied am 9. März, die Porzellanskulptur «Naked» (Nackt) mit zwei nackten Kindern ähnle zu stark einem Werk des verstorbenen französischen Fotografen Jean-François Bauret.

Mitgehangen, mitgefangen

Koons' Gesellschaft LLC und das Pariser Centre Pompidou, das die Skulptur ausstellen wollte, sollen zusammen 20'000 Euro Schadenersatz an die Familie des Fotografen zahlen.

Zusätzlich müssen Koons und das Museum für die Gerichtskosten der Zivilkläger in Höhe von 20'000 Euro aufkommen. Weitere 4000 Euro soll Koons' Gesellschaft zahlen, weil er die Skulptur auf seiner Internet-Seite zeigt.

Zu viel Inspiration?

Das Foto Baurets stammt aus dem Jahr 1975 und wurde auf einer Postkarte verbreitet. Koons «Naked» sollte ursprünglich 2014 bei einer Werkschau des Künstlers im Centre Pompidou gezeigt werden, wurde nach Angaben des Museums aber wegen Transportschäden doch nicht ausgestellt.

Porzellanskulptur: Frau liegt lasziv vor einem Schwein.

Bildlegende: Die Nippel waren nicht der Skandal: Ein Werber warf Koons vor, er habe die Idee für «Fait d'Hiver» (1988) kopiert. Getty Images

Auch eine andere Plastik Koons' war nach Plagiatsvorwürfen aus der Ausstellung entfernt worden. Der Autor einer Werbekampagne des Bekleidungsunternehmens Naf-Naf hatte Koons vorgeworfen, für seine Porzellanskulptur «Fait d'hiver», die ein Schwein neben einer liegenden, halbnackten Frau zeigt, bei ihm abgekupfert zu haben.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, 10. März 2017, 6 Uhr.

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Popstars wie Rihanna, Madonna oder Kanye West kopieren in ihren Musikvideos oft Kunst.

Für Künstler des 16. Jahrhunderts war es normal, «abzukupfern». Das hiess, sich in der Handschrift berühmter Vorbilder zu üben.

Das Museum Plagiarius in Deutschland zeigt 400 Objekte und ihre Nachahmung. Auch Schweizer Produkte sind dabei.