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Legende: Audio Kunst im öffentlichen Raum: «Lieudit» in Basel abspielen. Laufzeit 04:40 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 18.07.2019.
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Kunst im öffentlichen Raum Dieses bunte «Monstrum» sorgte einst für rote Köpfe

Mit viel Farbe wollte der Basler Künstler Michael Grossert eine graue Ecke verschönern: Der «Lieudit: Heuwaage».

Die Heuwaage in Basel ist ein Ort, an dem man für gewöhnlich vorbeigeht oder vorbeifährt – sei es mit einem der vielen «Trämmli», wie die Basler sagen, oder mit seinem privaten Fahrzeug.

Und da, mitten in der Betonwüste, steht sie: die grosse bunte Plastik des vor fünf Jahren verstorbenen Basler Künstlers Michael Grossert, der «Lieudit: Heuwaage».

Das «Monstrum» soll weg

Heute sieht man ab und zu Kinder darauf herumklettern. Gäste des benachbarten Pubs setzen sich auf die Plastik und geniessen ihr Bier.

So friedlich war es nicht immer um Grosserts Plastik. Im Gegenteil.

Das Aufstellen der Plastik Anfang Januar 1976 löste einen Skandal aus. Von «Verschandelung der Stadt» war im Parlament die Rede. Ob dies denn Kunst sei, fragten Politiker herablassend: Das «Monstrum» solle verlegt werden, auf einen Kinderspielplatz.

Sämtliche Medien berichteten vom Skandal. Auch an der Fasnacht war «Lieudit: Heuwaage» dankbares Objekt.

Buntes gegen die Tragik

Kurz nach der Fasnacht war Michael Grossert Gast in der Sendung «Musik für einen Gast» bei Roswitha Schmalenbach. Dort bezeichnete der Künstler seine Arbeit als Auseinandersetzung mit der Welt und der Menschheit. Die bunten Farben dienten der Überwindung der Tragik.

Den Auftrag für Grosserts Plastik erteilte der Basler Kunstkredit, zuständig für die Förderung der Künstlerinnen und Künstler der Region. Mit seiner Plastik solle er den Basler Unort, die Heuwaage, verschönern. Aus einem Unort einen Ort machen, wie der Name sagt: «Lieudit: Heuwaage».

Dies sei Michael Grossert auch gelungen, sagt dazu der heutige Leiter des Basler Kunstkredits Simon Koenig. Auch wenn es schwierig sei, Schönheit zu definieren.

Eine Oase im Verkehrschaos

Grossert habe wesentlich dazu beigetragen, dass der Ort, die Heuwaage, heute ambivalent wahrgenommen werde.

Der Verkehr fliesst ohne Unterbruch, von allen Seiten kreuzen Trams den Platz. Velo und Motorräder drängen sich an den vielen Autos und Lastwagen vorbei und quer über den Platz führt der vielbefahrene City-Ring-Viadukt.

Mitten drin, auf einem kleine grünen Flecken Gras, steht Grosserts Werk. Drei riesige Teile ragen in die Höhe, wellen - und schlangenartig, als ob sie aus dem Boden wachsen würden, gelb, blau und rot in verschiedenen Schattierungen, ein grosser Kontrast zum grauen Beton rundherum.

Aufgebaut in einer Umbruchszeit

Aus heutiger Sicht liesse sich gut analysieren, weshalb diese fröhliche Plastik vor über 40 Jahren so viel Proteste auslöste, erklärt Simon Koenig. In den 1970er-Jahren war die Stadt Basel im Umbruch.

Der Heuwaage-Viadukt, die erste Etape des geplanten City-Rings, wurde aufgezogen. Wenige Schritte weiter wurde das neobarocke Stadttheater fast zur selben Zeit abgerissen. Dies kurz nach der in Basel heftig durchlebten 68er-Bewegung.

Alle diese Ereignisse zusammen sorgten für viel Polemik und für verhärtete Fronten in der Stadt. Mitten drin wurde der bunte «Lieudit: Heuwaage» aufgestellt.

Kunst, die Chaos evoziert

«Eine sehr laute, ausgreifende Plastik» nennt Koenig Grosserts Werk. Eine bunte Plastik, ohne geschlossene Form, die Chaos evoziere. «Man muss die Plastik in diesem grossen Kontext verstehen», betont Simon Koenig.

Heute, über vierzig Jahre später, können sich nur noch wenige an den Skandal rund um die Plastik «Lieudit: Heuwaage» erinnern.

Für viele Baslerinnen und Basler ist sie nicht mehr wegzudenken, die kleine bunte Oase mitten im lauten Verkehrschaos der Heuwaage.

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