Ausstellung zur Fasnacht Kunst, Satire, Fasnacht – ein kreativer Bums

Mit einem «Bums» sorgte Jean Tinguely an der Basler Fasnacht einst für Furore. Eine Ausstellung nimmt nun die Verbindung von Kunst, Fasnacht und Satire wieder auf.

Figur mit Kaputzenpullover hält Clown fest.

Bildlegende: Feldexperimente: Künstlerinnen und Künstler setzen sich in einer Ausstellung mit der Basler Fasnacht 2017 auseinander. Basler Dokumentartage

An der Fasnacht 1974 zieht die Künstlerclique «Kuttlebutzer» auf den Marktplatz, wo ein selbstzufriedenes Fasnachts-Comité die alljährliche Parade abhält. Sie führen einen grossen, schwarzen Wagen mit und stellen den vors Comité.

Dann knallt’s. Aus dem Wagen fliegen Federn, Feuerwerkskörper explodieren und über dem Marktplatz steigt eine Rauchsäule auf, wie man das in Basel noch nie gesehen hat. Die Cliquenmitglieder, ebenfalls in Schwarz und als Comité-Mitglieder verkleidet, verteilen Trauerkarten, in denen das Ableben des Comités verkündet wird. Jemand klappt auf einem schwarzen Wagen ein Schild runter, auf dem steht: «Sodeli. d‘ Kuttlebutzer».

Die Künstler als Befreier

Hinter der Aktion, die unter dem Namen «dr Bums» in die Fasnachtsgeschichte eingegangen ist, steht der Künstler Jean Tinguely, damals seit einigen Jahren Mitglied der «Kuttlebutzer» und einer ihrer Kreativköpfe. Die Aktion gilt bis heute als bedeutendste Kunstaktion an der Fasnacht überhaupt und als Wendepunkt von einer organisierten und reglementierten Fasnacht zu einer wilden, freien und vor allem satirischen.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind Künstler. Neben Jean Tinguely der Kunstmaler Max Kämpf, dessen Geisterzug von 1965 zum Schönsten gehört, was die Fasnacht je hervorgebracht hat, später dann der Grafiker Christoph Gloor und andere.

Das ist lange her. Und die Zeit, in der Kunst, Fasnacht und Satire eine kreative und innovative Verbindung darstellten, geht in den satten 1980er-Jahren endgültig zu Ende. Sie weicht einer Epoche der gegenseitigen Ablehnung.

Neue Verbindung von Kunst und Fasnacht

Jetzt aber wendet sich das Blatt. Ein junger Fasnächtler und Kurator aus Basel nimmt die Tradition wieder auf und sucht auf ganz neue Art und Weise eine Verbindung zwischen Kunst und Fasnacht. Das treibende Element ist einmal mehr die (öffentliche) Satire.

Der junge Mann ist der Kurator Benedikt Wyss. Er lädt meist auswärtige Künstlerinnen und Künstler wie die Zürcherin Stella oder die in Berlin lebende Fotografin Jessica Wolfelsperger an die Fasnacht ein und gibt ihnen den Auftrag, sich von dieser zu einem Kunstwerk inspirieren zu lassen. Er erhofft sich davon neue Impulse. Natürlich für die Fasnacht. Aber auch für die Kunst.

Begegnung auf der Strasse

Die Resonanz ist erstaunlich. Keiner der angefragten Künstler lehnt ab. Auch die Fasnachtsszene reagiert mit Begeisterung und steuert Begleittexte, Auftritte und Leihgaben aus privaten Sammlungen bei. Offenbar ist die Zeit reif dafür. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Die Ausstrahlung begrenzt sich im ersten Jahr natürlich noch sehr auf den Ausstellungsort. Auf die Markthalle in Basel und auf die Leute, die dorthin finden. Benedikt Wyss ist sich dessen bewusst. Er denkt bereits ans nächste Jahr, in dem er plant, die Begegnung von Kunst, Satire und Fasnacht auf der Strasse stattfinden zu lassen. An der Fasnacht. Denn dort ist ihr Platz.

Wer weiss: Vielleicht zieht dann wieder eine Gruppe Künstlerinnen und Künstler auf den Marktplatz, und es kommt – endlich wieder – zu einem längst überfälligen, kreativen und fasnächtlich-satirischen Bums.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 07.04.2017, 09:02 Uhr

Ausstellung

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«Feldexperimente: Basler Fasnacht» in der Markthalle Basel dauert vom 8. bis zum 21. April 2017. Die Ausstellung findet im Rahmen der Basler Dokumentartage statt.

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Keystone

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