Kunstkauf mit einem Wisch – aber zu welchem Preis?

Online-Kunsthändler wie die neue Schweizer App «Wydr» ermöglichen einem breiten Publikum, Kunst zu kaufen – per Smartphone, mit ein paar Klicks. Eine neue Konkurrenz für Galerien? Kaum, sagen die: Käufer wollen das Kunstwerk vor dem Kauf sehen – aber nicht auf einem Handybildschirm.

Eine Frau mit eineim ipad steht vor einer Wand mit drei Bildern.

Bildlegende: Ein Werk nur online anschauen – das reicht Käufern, die viel Geld in Kunst investieren, oft nicht. Wydr/Getty Images (Bildmontage SRF)

Kunstsammeln gilt mittlerweile auch unter Studenten und Hipstern als schick. Nun gibt's – passend zum Lebensstil der jungen, urbanen Menschen – eine App, mit der man Kunst kaufen kann. «Wydr» ist ein Pendant zur Dating-App Tinder, die statt paarungswillige Singles Kunstwerke bereitstellt. Das Ziel der «Wydr»-Erfinder, Matthias Dörner und Timo Hahn aus Zürich: «Wir wollen den Zugang zu Kunst vereinfachen und möglichst viele Menschen dafür begeistern.»

Zwie junge Männer sitzen auf eine Treppe, der eine im Blazer, der andere in der Jeansjacke.

Bildlegende: Die «Wydr»-Gründer Matthias Dörner und Timo Hahn. Wydr

Von Profis und Hobbymalern

Auf «Wydr» können Profikünstler und Hobbymaler ihre Kunstwerke hochladen. Der App-Nutzer entscheidet mit einem Wisch, ob er ein Werk mag oder nicht. Was gefällt, kommt in die persönliche Galerie und kann mit ein paar Klicks gekauft werden.

Im Angebot sind Bilder für 50 Euro, aber auch eines für 781'000 Euro. Letzteres stammt von Connor MacCreedy, einem der angesagtesten Künstler Südafrikas.

Mit eigenen Augen sehen

«Niemals!» – das ist die Antwort von Bernhard Bischoff, Galerist und Partner im Berner Auktionshaus «Kornfeld» auf die Frage, ob er ein Werk von mehreren Tausend Franken online kaufen würde. Ausser, räumt er ein, er vertraue dem Anbieter hundertprozentig und verfüge über eine detailgenaue Beschreibung des Werkes.

«Auf dem Kunstmarkt kursieren viele Fälschungen», sagt Bischoff. Wer seine Kunst später weiterverkaufen möchte, sei darauf angewiesen, dass es sich dabei um Originale handle.

Seine Erfahrung zeigt: Wer in teure Kunst investiert, will das Werk vor dem Kauf sehen, will Qualität und Beschaffenheit eines Bildes direkt beurteilen. Nicht zuletzt geht es auch um den persönlichen Kontakt mit dem Galeristen.

Bild als Einrichtungsgegenstand

Darum sieht Bernhard Bischoff Online-Kunstanbieter wie «Wydr» auch nicht als Konkurrenz, eher als Ergänzung. «Gut, dass es sie gibt», sagt er: Zum einen, weil viele Leute die Kunst «nur» als Einrichtungsgegestand nutzten, und nicht damit handeln wollten. «Da spielt es keine Rolle, ob es ein Original ist, eine Reproduktion oder ein Nonvaleur, das Bild muss einfach gefallen». Zum anderen seien solche Plattformen eine gute Möglichkeit für unbekannte Künstler, ihre Werke bekannt zu machen.

Ein Bild mit einem Gebäude im HIntergrund, darauf gemalt die Umrisse einer Frau und die Aufschrift: «Etre bien dans sa peau»

Bildlegende: «Etre bien dans sa peau» von Anna Penninger. Reale Grösse: 160 auf 110 Zentimeter. Anna Penninger

Eine, deren Werke noch nicht in aller Munde sind, ist die Zürcher Künstlerin Anna Penninger. Auf «Wydr» konnte sie bereits ein Werk verkaufen – für 580 Franken; 30 Prozent Kommission geht an «Wydr».

Die App biete ihr die Möglichkeit, Bilder unkompliziert an die Öffentlichkeit zu bringen. «Eine eigene Website hätte vergleichsweise wenig Besucher», sagt Penninger, «und ich stände unter Druck, ständig Neues präsentieren zu müssen».

Mit Kunsthandel-Apps wie «Wydr» können Künstler ihre Werke unkompliziert und schnell unter die Leute bringen. Allerdings müssen sie in Kauf nehmen, dass ihre Bilder nur Sekunden vor dem Auge des Betrachters verweilen. Aber vielleicht passt dieses «Wisch-und-Weg» gar nicht so schlecht zur launigen Kunstwelt.