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Serie «Nach den Schlagzeilen» – Das Gurlitt-Erbe
Aus Tagesschau vom 03.01.2020.
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Kunstmuseum Bern «Es gibt eine Zeit vor und nach Gurlitt»

2014 machte das Kunstmuseum Bern Schlagzeilen: Es sollte den grössten Kunstfund der Nachkriegszeit erben – die Sammlung Gurlitt. Heute zeigt sich: Dieses Erbe hat das Museum komplett verändert.

Der umstrittene Bilderschatz des Cornelius Gurlitt ist ein schwieriges Erbe. Jedes der 1500 Werke muss auf seine Herkunft untersucht werden. Bei vielen Werken ist diese unklar. Das Kunstmuseum Bern hat jedoch von Anfang an betont, nur Werke zu übernehmen, bei denen kein Verdacht auf Raubkunst besteht.

Dies setzte Nachforschungen in Gang, die immer noch laufen. «Wir haben heute hunderte von Werken, bei denen noch Fragezeichen bestehen», erklärt Museumsdirektorin Nina Zimmer.

Riesige Aufregung

Im Restaurationsatelier werden die Werke nicht nur restauriert, sondern auch auf Hinweise untersucht, die Aufschluss über ihre Herkunft geben – wie zum Beispiel ein Zollstempel. «Da finden wir immer wieder neue aufregende Spuren für die Detektivarbeit», sagt Nina Zimmer.

Hier trafen Werke 2017 die ersten Werke ein. «Am Anfang war es eine riesige Aufregung, jetzt sind wir an der Arbeit. Es ist und bleibt ein Krimi», fügt sie an.

Der Fall Gurlitt

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Das Museum hat als erstes Schweizer Museum eine eigene Abteilung für diese Herkunftsforschung eingerichtet, die im Moment acht Personen beschäftigt. Zehn Werke wurden bisher als Raubkunst identifiziert und den rechtmässigen Erben zurückgegeben.

Ein Fall ist noch hängig. «Ich würde sagen, der Fall Gurlitt hat das Museum grundlegend verändert. Es gibt für uns eine Zeit vor und nach Gurlitt», so Nina Zimmer.

Illustration Cornelius Gurlitt vor Frontseiten und Zeitungsschlagzeilen.
Legende: Ein Mann, viele Schlagzeilen: Seit 2012 sorgt die Causa Gurlitt regelmässig für Aufsehen. SRF / Cecilia Bozzoli

Manet verkauft

Diese Herkunftsforschung kostet: Im November hat das Museum eines der wertvollsten Gurlitt-Bilder verkauft. Vier Millionen brachte die «Stürmische See» von Edouard Manet. Das Werk wurde an ein Museum in Japan verkauft.

Nicht nur die Herkunftsforschung auch Gerichtsverfahren haben Kosten verursacht: So hat beispielsweise eine Cousine von Cornelius Gurlitt dessen Testament angefochten.

Es sei ein absoluter Ausnahmefall, dass sie ein Bild verkauft haben, betont die Museumsdirektorin. «Das ist genau das, was ein Museum nicht machen möchte. Wir wollen eine Sammlung aufbauen, nicht verkaufen.»

Ungewöhnliche Einigung mit Familie Cézanne

Das Museum präsentierte in den letzten Jahren einen Teil der Werke in zwei viel beachteten Ausstellungen und thematisierte auch die schwierige Herkunftsforschung.

Einige Gurlitt-Werke hängen nun in der Dauerausstellung in Bern. Darunter eines der prominentesten, ein wertvolles Werk von Paul Cézanne: «La Montagne Sainte Victoire». Seine Erben hatten Anspruch auf das Bild angemeldet, konnten diesen aber nicht beweisen.

«Wir haben uns auf einen ungewöhnlichen Deal mit der Familie Cézanne geeinigt», erklärt Nina Zimmer. «Sie haben unseren Besitz bestätigt. Und wir geben das Bild jedes Jahr drei Monate in die Heimat von Cézanne, in ein Museum in Aix-en-Provence – als Leihgabe.»

Gut 300 Werke hat das Museum bis jetzt aus dem Kunstfund Gurlitt übernommen. Bei hunderten ist die Herkunft noch immer unklar. Das Museum muss nun entscheiden, ob es diese trotzdem übernehmen will.

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