Kunstsammler Nahmad: In Zürich gefeiert, nun in den Panama-Papers

Die Panama-Papiere betreffen auch den Schweizer Kunstmarkt: Ein Modigliani wurde als vermutete Raubkunst beschlagnahmt, Besitzer ist der Kunsthändler David Nahmad. Ein Name, der 2011 in Zürich mit der Ausstellung «The Nahmad Collection» gefeiert wurde. Wie steht das Kunsthaus heute dazu?

Blick in einen Saal der Ausstellung.

Bildlegende: Blick in die Ausstellung «Miró, Monet, Matisse – The Nahmad Collection», die im Zürcher Kunsthaus gezeigt wurde. Keystone

Eine Schau mit Meisterwerken der klassischen Moderne von Picasso über Kandinsky bis Matisse: Die Begeisterung des Feuilletons war gross, als das Kunsthaus Zürich im Jahr 2011 die Ausstellung «Miró, Monet, Matisse – The Nahmad Collection» zeigte.

Riesige Privatsammlung

Nun stellt sich durch die Enthüllungen der Panama-Papiere heraus, dass der Name Nahmad mit Raubkunst verbunden ist: Im Zollfreilager Genf wurde ein Gemälde von Amedeo Modigliani beschlagnahmt, mit einem geschätzten Wert von 25 Millionen Franken. Die libanesische Händler-Dynastie sammelt seit drei Generationen Kunst, um sie wieder zu verkaufen. In Genf lagern viele der rund 5000 Werke der Nahmad-Familie im Wert von mehreren Milliarden.

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«Nahmad Collection» im Zürcher Kunsthaus

2:37 min, aus Tagesschau vom 21.10.2011

Der beschlagnahmte Modigliani wurde zwar in der grossen Kunsthaus-Schau von 2011 nicht gezeigt. Dennoch bekam die Familie Nahmad damals in Zürich eine grosse Plattform.

Eine berüchtigte Familie

Was sagt das Kunsthaus dazu? «Wir nehmen es zur Kenntnis. Zum Zeitpunkt der Vorbereitung unserer Ausstellung gab es solche Verdächtigungen noch nicht», sagt der Sprecher Björn Quellenberg. «Insofern können wir heute diese Ausstellung in kein anderes Licht stellen als damals, wo wir dazu beigetragen haben, dass der Besitz einer weitgehend unbekannten Familie öffentlich gezeigt wurde.»

Anders sieht das Guido Magnaguagno. Der ehemalige Kunsthausdirektor kritisierte damals schon die Zusammenarbeit eines öffentlichen Museums mit privaten Kunsthändlern, weil deren Werke dadurch nobilitiert wurden und an Wert gewannen. Ausserdem sei der Ruf der Familie in Kunstkreisen schon länger nicht der beste.

«Nach bestem Wissen und Gewissen»

Daher überrascht Guido Magnaguagno der Fall des im Zollfreilager versteckten Bildes nicht, bei dem es sich um mutmassliche Raubkunst handelt: «Das ist eine berüchtigte Familie im ganzen Kunsthandel. Eine, die am meisten unter Verdacht stand, solche Dinge zu tun. Man wusste, dass das meiste im Genfer Zollfreilager liegt, das eines der besten Verstecke überhaupt ist.»

Das Kunsthaus Zürich betont jedoch, bei der Zusammenarbeit mit privaten Sammlern Wert auf deren Integrität zu legen. «Wir interessieren uns natürlich für die Reputation der Leihgeber und wählen nach bestem Wissen und Gewissen diejenigen aus, die ethische wie moralische Standards einhalten», sagt Björn Quellenberg.

Ein jüngerer und ein älterer Mann posieren vor einem Bild von Picasso.

Bildlegende: David Nahmad (r.) mit seinem Sohn Hillel Nahmad vor einem Picasso in dessen «Helly Nahmed Gallery» in New York. Getty Images

Andere Standards für Private

Mit moralischen Standards kam die Nahmad-Familie bereits vor drei Jahren in Konflikt, als Hillel Nahmad, der Besitzer einer New Yorker Galerie, wegen Hehlerei und Geldwäscherei verhaftet wurde.

Für das Kunsthaus Zürich sieht Björn Quellenberg jedoch keine Hindernisse, weiterhin Werke aus der Nahmad Collection zu zeigen, wenn die Herkunft geklärt ist: «Das Kunsthaus hat auch damals schon bei der Auswahl der Bilder geschaut, dass die Provenienzen der Bilder möglichst gut geklärt waren. Künftig werden wir aber noch genauer hinschauen und aktiv nachfragen, ob es Ansprüche Dritter auf eines der möglichen Werke gibt.»

Noch ein weiter Weg

Gerade waren in Zürich in der Miró-Ausstellung im Kunsthaus noch viele Bilder aus der Sammlung Nahmad zu sehen. Problematisch bei solchen Zusammenarbeiten ist laut Guido Magnaguagno, dass es für private Sammler keine verbindlichen Standards in Sachen Raubkunst gibt. Für ihn müssten Privatsammlungen bezüglich Transparenz ähnlichen Kriterien unterworfen werden wie die öffentlichen Sammlungen.

«Aber das ist noch ein weiter Weg», sagt Guido Magnaguagno. Es bleibt also eine heikle Angelegenheit, wenn öffentliche Kunstmuseen mit privaten Sammlern kooperieren.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 13.4.2016, 7:20 Uhr