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Kunst Léopold Rabus, der unheimliche Heimatmaler

Ist es heute altmodisch, in ein Atelier zu schlendern und sich stundenlang der Malerei in Öl zu widmen? Léopold Rabus aus Neuenburg findet: «Im Gegenteil» – und schwärmt von der Malerei als Medium der Entschleunigung. In seinen Gemälden bevölkern skurril verdrehte Figuren die Neuenburger Landschaft.

Léopold Rabus' Atelier ist ein grosser, hoher Raum – hier arbeitet der Künstler langsam und in aller Gelassenheit, begleitet am liebsten von rumänischer oder russischer Volksmusik. Er malt traditionell mit Ölfarben und in zahllosen Schichten, bis nach rund zwei Monaten ein Gemälde vollendet ist.

Fast alle seine Bilder sind grossformatig: «Ich mag den Massstab eins zu eins. Da kann ich viel besser mit Gesten arbeiten.» Und mit einem Schmunzeln fügt Rabus an: «Mein Galerist allerdings wirft mir die Grösse immer wieder vor.» Trotzdem verkaufen sich seine Bilder gut, bis zu 60'000 Franken bekommt er pro Werk und kann so gut von der Malerei leben.

Über Umwege zur Malerei

Der 37-Jährige kommt aus einer Künstlerfamilie, die Malerei sei daheim stets Thema gewesen: «Mein Bruder malt toll, er hat mir das Handwerk beigebracht. Und von meinem Vater kommt die Liebe zur Malerei, wir gingen oft in Museen.» Logisch, sei ihm da die Malerei näher gelegen als die Informatik. Trotzdem gab es Umwege: Rabus brach mehrere Kunststudien ab und tourte mit einer Theatertruppe durch die Lande. Doch heute ist die Malerei sein Metier.

Rabus vor einem seiner Gemälde.
Legende: Léopold Rabus in seinem Atelier. SRF

Die Motive für seine Bilder findet der Neuenburger in seiner nächsten Umgebung: Er wandert – mit einer Fotokamera bewaffnet – durch die ländliche Idylle am Jurasüdfuss. Dort sucht er nicht die hellen Räume, sondern dunkle Ecken, graue Kellerschächte und zerfallende Gartenhäuschen.

Unzählige Fotografien sammelt Rabus für ein einziges Gemälde. Fotos sind ihm aber nichts als eine Grundlage: «Danach geniesse ich es sehr, weit darüber hinauszugehen», erklärt Rabus. «Das Wichtigste an der Malerei ist für mich ganz einfach, wie man interpretiert, was man sieht.»

Abgründig, verstörend, unheimlich

Die Landschaftsaufnahmen kombiniert Rabus in seinen Gemälden gekonnt mit Menschen aus seinem Umfeld. Doch Léopold Rabus ist kein braver Heimatmaler: Seine Bilder sind abgründig, verstörend und unheimlich. Ungemütlich werden sie durch raffinierte malerische Kniffe: Räume kippen perspektivisch ineinander und werden bevölkert von hyperrealistisch dargestellten Menschen und Tieren in grotesken Körperverrenkungen. Oft sind Köpfe überdimensional gross, einzelne Glieder erscheinen losgelöst oder sind mehrfach vorhanden.

In der Erinnerung vermischt sich alles

Der Maler erklärt, es verletze ihn, wenn die Leute sagen, seine Werke seien schaurig: «Meine Bilder sind romantisch und voller Humor. Und wenn eine Figur zum Beispiel drei Arme hat, dann ist Bewegung gemeint und nicht zwingend, dass diese Person drei Arme hat.»

Fest steht: Léopold Rabus' Universum ist chaotisch. Düstere Töne kontrastieren mit giftigen Farbakzenten, absurde Szenen wirken wie Wahrnehmungsfetzen aus der Erinnerung: «In der Gegenwart ist unsere Wahrnehmung von Dingen starr getrennt, in der Erinnerung aber vermischt sich alles. Und genau so funktioniert meine Malerei.»

Über das Bett hängen würde man sich seine eigenwilligen Gemälde wohl lieber nicht, aber in ein Wohnzimmer passten sie wunderbar. Vorausgesetzt, es ist gross genug.

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