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Wer bin ich? - Identität in einer pluralisierten Gesellschaft
Aus Kontext vom 11.02.2020.
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LGBTQ im Museum Wie Michelangelos David beim Coming-out half

Queere Symbole, Hinweise auf sexuelle Orientierung: Das V&A Museum in London setzt einmal pro Monat queere Kunst ins Zentrum – mit Erfolg. Die LGBTQ-Führungen sind beliebt und haben einen Trend gesetzt.

Mehr als 100 Menschen drängen sich am Samstag, pünktlich um 16 Uhr, im Foyer des Londoner Victoria & Albert Museum zusammen. Die meisten von ihnen sind jung, zwischen 20 und 30. Aber auch eine alte Dame lässt sich im Rollstuhl durch die Menge schieben. Alle warten auf eine ganz besondere Führung: Die LGBTQ-Tour.

Sie dreht sich um Ausstellungsobjekte mit schwulen, lesbischen, bisexuellen, transgender und queeren Themen. Was vor fünf Jahren als Nischenidee begann, ist mittlerweile ein Riesenerfolg. «Happy New Queer!», empfängt Dan Vo die Besucherinnen und Besucher zur ersten LGBTQ-Führung im neuen Jahr.

Ein Mann im Jackett zeigt einer Gruppe älterer Menschen Kunst im Victoria & Albert Museum in London.
Legende: Hat einen Trend gesetzt: Der Australier Dan Vo (mittig) und seine LGBTQ-Museumstour. Conrad Ng

Bevor er sie in fünf grosse Gruppen aufteilt, sollen alle das Wort «queer» brüllen, bis der Boden bebt. Und das in der ehrwürdigen Renaissance-Abteilung der Sammlung. Es klingt wie eine kleine Revolution.

Im Trend: Alternative Museumstouren

Das Londoner Kunst- und Designmuseum war 2015 das erste Haus in Grossbritannien mit einer queeren Führung. Er setzte damit einen Trend. Unterdessen stellte Dan Vo, der die LGBTQ-Tour des Victoria & Albert Museums mitbegründete, ähnliche Programme für Museen in Cambridge und Cardiff auf die Beine.

Sogar grosse Kulturinstitutionen wie das British Museum in London bieten mittlerweile ähnliche Führungen an. Alternative Museumstouren wie diese ziehen auch Menschen an, die sich bisher ausgeschlossen fühlten.

Queere Kunst im Museum

Ein Team des Londoner «Victoria & Albert», Link öffnet in einem neuen Fenster führt jeden letzten Samstag im Monat zum Thema LGBTQ durchs Museum. Und hat damit etwas angestossen: Ausstellungen und Führungen zu queerer Kunst sind im Trend – nicht nur in Grossbritannien, auch in der Schweiz. Eine Auswahl:

Verschlüsseltes Verlangen

Über 100 durchs ganze Haus verteilte Gegenstände kommen bei der LGBTQ-Tour im Victoria & Albert vor. Die einstündigen Führungen variieren, je nach Expertise der 20 ehrenamtlichen Tourguides.

Entscheidend für die Auswahl der Objekte: «Das Thema, der Schöpfer und die Community – die Art und Weise, wie ein Objekt interpretiert wurde», erklärt Dan Vo, der die Führungen koordiniert. Wer etwa zu viktorianischer Zeit eine David-Figur von Michelangelo von der «Grand Tour» mitbrachte, konnte damit einen verschlüsselten Hinweis auf die eigene sexuelle Orientierung bei sich zu Hause platzieren.

Michelangelos David und andere Stein-Figuren vor der orangefarbenen Wand des V&A Museum
Legende: Nicht einfach Mitbringsel der «Grand Tour» - sondern Symbol für Homosexuelle. Getty Images / Mike Kemp

Universales Symbol für Inklusion

Die Bedeutung mancher Objekte wurde auch verheimlicht. Wie in der Kolonialzeit, in der Homosexualität verboten war. Heute kann eine nordindische Statue von Ardhanarishvara, Link öffnet in einem neuen Fenster (150-200 n.Chr.) wieder im ursprünglichen Sinn gedeutet werden: Sie ist halb Mann, halb Frau.

Der Hindugott Shiva verschmilzt darin mit seiner Frau Parvati als Symbol der Verbindung männlicher und weiblicher Energien des Universums. «Die Figur ist ein Statement der Inklusion und Vollständigkeit», heisst es auf der Museumswebsite.

Egal ob queer – Hauptsache neugierig

Ganz so vorsichtig erzählt es Dan Vo nicht. Viel lieber verpackt er sein Wissen in Witz und handfeste Anekdoten. Kein Wunder, dass der junge Australier mit vietnamesischen Wurzeln von der New York Times als «führende Figur in der Welt der alternativen Museumstouren in Grossbritannien» geadelt wurde.

Ganz gleich, ob man sich der LGBTQ-Community zugehörig fühlt oder nicht, Dan Vos Enthusiasmus ist ansteckend: Schliesslich geht es darum, Objekten ungeahnte Geschichten zu entlocken. Das macht jede(n) neugierig. «Einige der Besucher waren vorher noch nie im Museum», sagt Vo. «Und manche sind immer wieder dabei.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Also hier wird nun eindeutig zuviel durcheinander gemischt. Das ist Verwirrung total. Aber fangen wir doch mal damit an. Michelangelo Buonarroti hatte David aus einer bereits vorgearbeiteten angefangenen Statue herausgehauen, das macht ja sein Genius aus und zweitens wurde er gezwungen Maler zu sein. Darüber hinaus war er vermutlich Schwul und Arbeitsbesessen perfektionistisch. Wer ich wirklich bin, als innerstes kann nur ausgehalten werden wenn im Äusseren klare Verhältnisse bestehen.
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  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    Interessanter Titel, der Artikel bringt nur beschränkt des Rätsels Lösung. Wenn M. Löhndorf schreibt „Wer etwa zu viktorianischer Zeit eine David-Figur von Michelangelo von der «Grand Tour» mitbrachte, konnte damit einen verschlüsselten Hinweis auf die eigene sexuelle Orientierung bei sich zu Hause platzieren.“ Muss ich das so verstehen, dass ein Reisender sich damit als schwul outete und eine Reisende hingegen als heterosexuell? Oder hat M. Löhndorf gar nicht an die zweite Möglichkeit gedacht?
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  • Kommentar von Franc Settler  (Matther)
    Liebes SRF. Wäre es möglich diese Themen in etwas dezenter Priorität zu behandeln? Wir haben andere ebenso wichtige Themen. Dauerend und immer wieder über LGBTQ und Co. zu schreiben macht das SRF mit der Zeit, für mich zumindest, unglaubwürdig.
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    1. Antwort von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
      Ja, das könnte manchen so passen. „Dezent“ wurden LGBTQ-Themen lange genug behandelt - sie wurden totgeschwiegen. Aber die Welt der 60er Jahre mit ihrem Mief, ihrer Unterdrückung, ihrer strukturellen Gewalt gegen Minderheiten, Frauen, gegen alle, die sich nicht der Herrschaft alter weisser unterwarfen, sie kommt nicht wieder. Und wer davon nichts wissen will, der muss die Beiträge auch nicht lesen. Viele interessieren sich auch nicht für Eishockey - trotzdem wird darüber berichtet. Na und?!
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    2. Antwort von Peter Zuber  (Hä nuuh)
      Es ist nicht Zeichen eines guten Journalismus die gleichen Themen immer wieder durchzukauen. Aber wer hipp ist und am lauteten schreit bekommt Schlagzeile. Toleranz sollte eine Grundhaltung der zivilisierten Gesellschaft sein und sich nicht nur auf spezifische Themen ausrichten.Das Thema LQBTG ist angekommen und erledigt. Es gäbe andere wichtigere Themen zu diskutieren die die Gesellschaft wirklich bewegen. Diese werden aber den Populisten überlassen. Die Quittung dafür wird kommen.
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