LISTE – der Trendscout unter den Kunstmessen

Angetreten ist die LISTE 1996 als Messe für junge Galerien und Kunstschaffende. Mittlerweile hat sich die sogenannte Entdeckermesse zu einer wichtigen Ergänzung der Art Basel gemausert, die jedoch vor allem Fachbesucher anlockt.

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Die Anfänge der LISTE 1997 (10vor10, 11.6.1997)

3:08 min, vom 14.6.2015

Zero aus Mailand, Contemporary Fine Arts aus Berlin und auch Eva Presenhuber aus Zürich: Diese und viele andere Galerien, die heute über ein internationales Renommee verfügen, haben sich in früheren Jahren an der LISTE vorgestellt.

Boom der Gegenwartskunst

Vor 20 Jahren gründete eine Initiative von Galeristinnen und Galeristen die LISTE, die jeweils zeitgleich zur Art Basel stattfindet. Von Anfang an verstand sich die LISTE sich als Entdeckermesse und lag und liegt damit voll im Trend des Kunstmarktes, der sich seit Jahren vor allem auf zeitgenössische Kunst fokussiert.

An der Art Basel, die als eine der wegweisenden Messen im internationalen Kunstbetrieb gilt, werden vor allem die erfolgreichen Galerien gezeigt, die sich im internationalen Kunstgeschäft bereits einen Namen gemacht haben.

Zwar hat der anhaltende Boom der Gegenwartskunst auch vor der Art Basel nicht Halt gemacht. Mit Ausstellungen wie Art Statements, für die junge Galerien und Kunstschaffende eingeladen werden, bietet die Grande Dame der Kunstmessen eine Plattform für junge Kunst. Ihr Kerngeschäft bleibt indes der Kunsthandel auf sehr gehobenem Niveau.

Netzwerk der Kunstprofis

Organisator Peter Bläuer mit seinem LISTE-Team.

Bildlegende: Organisator Peter Bläuer mit seinem LISTE-Team. ZVG / LISTE, Daniel Spehr

Die LISTE spielt neben der Art Basel die Rolle des Trendscouts, der in aller Welt nach neuen Galerien und interessanter Kunst fahndet. LISTE-Organisator Peter Bläuer kann dabei auf ein dichtes Netzwerk aus Museumsfachleuten und Kunstprofis zurückgreifen. Nicht nur Galerien auch Kunstschaffende wie Elizabeth Peyton und Steven Parrino verdanken der Teilnahme an der LISTE einen kräftigen Karriereschub.

Mit sicherem Instinkt richten Bläuer und seine Berater die LISTE an den aktuellen Anforderungen des Kunstmarktes aus. Die Auswahl der Galerien und Kunstschaffenden ist international. Ein deutlicher Akzent liegt auf den lateinamerikanischen Ländern. Doch auch die Schweiz ist mit jährlich drei bis vier beteiligten Galerien proportional sehr gut an der LISTE vertreten.

Exklusivität muss sein

Warteck, roter Klinkerbau, jede Menge Menschen an einem warmen Sommerabend

Bildlegende: Die LISTE ist auf dem Warteck-Areal zuhause, jedes Jahr platzt alles aufs Neue aus den Nähten. ZVG / LISTE, Daniel Spehr

1996 begann die LISTE mit 36 Galerien aus 12 Ländern. In diesem Jahr reisen 79 Galerien aus 31 Ländern an. Mehr sollen es auch nicht werden, hat Peter Bläuer bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Der Showroom der Messe befindet sich im Warteck-Areal, in einer ehemaligen Brauerei ein.

Der Platz ist begrenzt, seit zehn Jahren baut die LISTE zusätzlich ein Zelt auf. Die Entscheidung, die Teilnehmerzahl zu deckeln, hat aber auch mit der Qualität der Ausstellung zu tun. Der Ruf einer Entdeckermesse verpflichtet und ein bisschen Exklusivität muss schliesslich sein, wenn man sich neben der grossen Art Basel einrichtet.

Um die Messe jung zu erhalten, erfolgt die Zulassung der Galerien nach einem Rotationsprinzip. Galerien dürfen nicht unzählige Male wiederkommen, die LISTE hat keine Stammgäste. Besonderes Augenmerk richtet Bläuer auf die Newcomer. Jedes Jahr lädt er Galerien ein, die bisher noch nicht an grossen Messen vertreten waren. In diesem Jahr sind 13 neue Galerien dabei, unter anderem aus Shanghai, Puerto Rico und Dubai.

LISTE

16. bis 20. Juni, 13 – 21 Uhr, Sonntag, 21. Juni, 13 bis 18 Uhr, Burgweg 15, Basel

Webseite: LISTE

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Wie gross ist der tatsächliche Gewinn im Kunstmarkt?

    Wer verdient an Kunst?

    Aus Kontext vom 15.6.2015

    Auf 51 Milliarden Euro wird der Umsatz des globalen Kunstmarkts 2014 geschätzt. Geradezu bescheiden nimmt sich dagegen der Jahresumsatz auf dem deutschen Galeriemarkt aus, den eine freiwillige Branchenumfrage nun erstmals für 2013 ermittelte: 450 Millionen Euro.

    Nur sagen Umsatzzahlen wenig aus über den tatsächlichen Gewinn. Kann man diese Zahlen dennoch interpretieren? Antworten von der Kunstmarktsexpertin Ulli Seegers, die Kunstgeschichte an der Universität Düsseldorf lehrt.

    Ellinor Landmann