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Kunst Mehr Kultur kostet mehr: Der Bundesrat investiert 900 Millionen

Die Kulturbotschaft des Bundesrats legt für die Jahre 2016-2019 Ziele fest. Sie will die Kulturpolitik auf drei Handlungsachsen ausrichten: Kulturelle Teilhabe, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie Kreation und Innovation. Der Bundesrat beantragt Finanzmittel in Höhe von 894,6 Millionen Franken.

Isabelle Chassot, Direktorin Bundesamt für Kultur und Bundesrat Alain Berset bei der Medienkonferenz am 28.5.2014
Legende: Isabelle Chassot, Direktorin Bundesamt für Kultur und Bundesrat Alain Berset bei der Medienkonferenz am 28.5.2014 Keystone

Die Kulturbotschaft ist so etwas wie das «Kursbuch» für die Kulturpolitik des Bundes. Heute hat der Bundesrat dieses Kursbuch präsentiert. Und klar ist: Kulturminister Alain Berset und seine BAK-Chefin wollen mehr Geld und einen klareren Kurs für die Kulturförderung.

Satte 40 Minuten hat sich Bundesrat Alain Berset heute Zeit genommen, die Kulturbotschaft für die Jahre 2016 bis 2019 vor zu stellen – sekundiert von Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamtes für Kultur. Und er hat klar gemacht: Auch die Kultur und die Kulturförderung ist ihm und dem BAK ein grosses Anliegen. «Mit einem Wachstum von 3.4 Prozent pro Jahr anerkennt der Bundesrat, wie wichtig die Kultur für unseren nationalen Zusammenhalt ist», sagt Bundesrat Berset.

Ein eindeutiges Zeichen

3.4 Prozent mehr Geld pro Jahr – in einer Zeit, da alle vom Sparen reden – ist ein eindeutiges Zeichen. In Geld ausgedrückt heisst das: Für die Kultur sollen für vier Jahre – von 2016 bis 2019 immerhin 894 Millionen Franken vom Bund zur Verfügung stehen. Das sind 121 Millionen mehr als in der ersten Kulturbotschaft.

Das hat laut Bundesrat Berset nicht nur damit zu tun, dass die Kultur für den sozialen Zusammenhalt, für den Kitt in der Gesellschaft wichtig ist. Einige Entscheidungen in der Vergangenheit in den Bereichen Jugend und Musik würden diese Erhöhung auch notwendig machen, um nicht an anderer Stelle sparen zu müssen, sagte Bundesrat Berset.

Mehr Kultur kostet mehr Geld

Im Unterschied zu seinen Vorgängern Pascal Couchpin und Didier Burkhalter sind das ganz andere Töne: Die Vorgänger haben damals mit dem Kulturfördergesetz neue, zusätzliche Kulturförder-Aufgaben erfunden. Für das Bundesamt für Kultur zum Beispiel einen ganzen Reigen neuer Kulturpreise und für die Kulturstiftung Pro Helvetia etwa die Nachwuchsförderung in allen Kunstsparten samt Ausrichtung der Biennale.

Gleichzeitig haben sie gepredigt, dass es für die Kultur insgesamt aber nicht mehr Geld geben werde. Alain Berset und BAK-Direktorin Isabelle Chassot rechnen mit kühlem Kopf: mehr Kultur-Aufgaben kosten ganz einfach mehr Geld.

Aufgestockt – gleichsam nachträglich – wird das Budget für die Kulturstiftung Pro Helvetia und zwar um 18 Prozent.

Literaturförderung erhält kräftigen Schub

Aber auch die Literaturförderung erfährt in der neuen Kulturbotschaft einen eigentlichen Schub: das BAK soll zusammen mit Pro Helvetia ein ganzes Förderpaket für Verlage, Übersetzung und Literaturkritik schnüren – das Italienisch soll speziell gefördert werden – und vieles andere mehr.

Frische, klare Kulturbotschaft

Wer die Kulturbotschaft liest, spürt sofort, dass Bundesrat Berset und BAK-Chefin Chassot gestalten wollen und an die Wirkkraft der Kultur glauben – vor allem jetzt, da die Herausforderungen Globalisierung, Urbanisierung, demografischer Wandel und Individualisierung heissen.

Die zweite Kulturbotschaft klingt frisch und klar – nun macht sie in der Vernehmlassung bis Mitte September die Runde: «Wir haben die Gelegenheit, uns intensiv mit der Bedeutung von Kultur zu befassen. Wir wünschen uns eine breite kulturpolitische Debatte», sagte Bundesrat Berset.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Severin Heck (Selber denken und prüfen)
    Innovation?! Ich finde es nur noch unverschämt was sich die Regierung erlaubt... Lebt irgendjemand von Literatur?? Nein. Oder Soziologie?? Nein. Von angewandten Naturwissenschaften (Technik) lebte die Schweiz. Und sogar gut... Mit ihrem Kreuzzug gegen Motorenkultur hat die Regierung klar gemacht, dass Technik kein Standbein der Schweiz sein soll! Das ist für mich eineindeutig.
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  • Kommentar von Meinrad Odermatt, Zug
    Hoffentlich bekommt Jo Lang von der GSoA eine ordentliche Vermittlungskommission für die Abzweigung der Armeegelder. Damit kann man jetzt Werbung gegen die "Rechtspopulisten" (ein Pleonasmus) finanzieren. Zwei auf einen Streich. Und die "kulturelle Genderforschung" bitte nicht vergessen. (Da ja alle Gripen-Gegner zur Unabhängigkeit und damit zur Armee stehen, hätte man den Fonds trotzdem speisen können, damit das Geld da ist, wenn man es in ein paar Jahren sowieso braucht).
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  • Kommentar von Lukas Rosenmund, Zürich
    Ja, gerne schmückt man sich mit dem national erzeugten Kulturreichtum. Aber sobald es um den konkreten Preis dafür geht, immer dasselbe Theater. Gesamtausgaben Budesbudget 2014: 66'353 Mio! Für die Kultur hat jetzt also der Bundesrat 894 Millionen über 4(!) Jahre gesprochen. Also 223.5 Mio pro Jahr zu den ca. 66'353 Mio. Sicher gibts daraus auch Mist, aber wenn ich mir da Kosten vs. Leistung / Nutzen anderer Bereiche anschaue ist das geradezu ein Schnäppchen.
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    1. Antwort von Severin Heck (Selber denken und prüfen)
      Ich sehe das anders: Gehen sie mal in 'arme' Länder. Mitten im Zentrum finden sie dann einen fantastischen Dom. Oder prächtige Theater usw. Aber das Volk lebt in Plattenbauten oder Erdlöchern... Das Geld gehört dem Volk. Kultur schafft jeder privat... Alltagskultur... Wie viele Künstler gibt es?! Und wieviele davon kriegen Staatliche Förderung? Am Ende ist Staarskunst nichts anderes als Propaganda der Herrschenden für ihre Politik....
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