«De Stijl» wird 100 Jahre alt Mit bunten Vierecken die Kunst neu gestaltet

Die beiden Maler und Freunde Piet Mondriaan und Bart van der Leck legten vor hundert Jahren den Grundstein für die abstrakte Kunstströmung «De Stijl». Der eine wurde weltberühmt – der andere blieb ein Aussenseiter.

  • Die hollländische Kunstrichtung «De Stijl» wird hundert Jahre alt.
  • Zum Jubiläum zeigt ein Museum in Den Haag Werke der stilprägenden Künstler und Freunde Piet Mondriaan und Bart van der Leck.
  • Insbesondere Mondriaan wollte eine universell abstrakte Kunst schaffen und jede Abbildung zu vermeiden.
  • Mit seinen auf Farbe und Form reduzierten Kompositionen wurde Mondriaan weltberühmt und inspirierte nachhaltig Kunst und Design.
Piet Mondriaan.

Bildlegende: Der berühmtere der beiden Freunde: Piet Mondriaan. Gemeentemuseum

Mit Kunst die Welt verändern

Die Wege von Piet Mondriaan* und Bart van der Leck kreuzten sich im Jahr 1916. Beide waren nach Laren gezogen, in ein Dorf unweit von Amsterdam. Und beide hatten vor, mit ihrer Kunst die Welt zu verändern.

Sie wollten sich nicht länger an der Vergangenheit orientieren, sondern nur noch an der Zukunft. «Sie waren tatsächlich auf der Suche nach der universalen Kunst», erzählt Hans Janssen, Kurator der Ausstellung «Piet Mondriaan und Bart van der Leck» in Den Haag.

Experimente in rot, blau und gelb

Die beiden Männer wurden Freunde, besuchten sich regelmässig in ihren Ateliers und besprachen ihre Experimente, die sie mit geografischen Formen und Primärfarben machten. Dass der erfahrene Glasmaler Van der Leck ausschliesslich mit roter, blauer und gelber Farbe malte, machte tiefen Eindruck auf Mondriaan.

Demgegenüber bewunderte Van der Leck wie konsequent der 44-jährige Mondriaan seine Landschaftsbilder abstrahierte. Die beiden legten mit ihren Arbeiten den Grundstein für die 1917 gegründete Kunstströmung «De Stijl».

Striche fällen Bäume

Die Ausstellung «Piet Mondriaan und Bart van der Leck – Die Erfindung einer neuen Kunst» im Gemeentemuseum in Den Haag geht ausführlich auf die sichtbaren Veränderungen ihrer Kunst ein. Etwa bei den beiden grossen «Holzfällern» von Van der Leck.

Piet Mondriaan: Holzfäller 1928.

Bildlegende: Erfordert Fantasie: Die «Holzfäller» von Bert van der Leck, 1928. Gemeentemuseum

Auf dem einen Bild sind noch deutliche Konturen der Männer sichtbar, beim anderen sind es einzig noch abstrakte fünf- oder sechseckige Blöcke. Wer allerdings im Geiste die grauen Linien dazwischen miteinander verbindet, sieht auf einmal zwei Holzfäller, die links und rechts vor einem Baum stehen und diesen umhacken.

Abstrakte Meereswellen

Für Mondriaan sei sein Freund damit einen Schritt zu weit gegangen, erläutert der Kurator. Auf seiner Suche nach der universell abstrakten Kunst habe es keinen Platz für Darstellungen gegeben, er habe Individuelles viel mehr vermeiden wollen.

Mondriaan: «Pier en Oceaan», 1914

Bildlegende: So stellte Piet Mondrian die Wellen im Hafen dar: «Pier en Oceaan», 1914. Gemeentemuseum

Janssen erläutert: «Für Mondriaan zählten nur Linien, Farben und Formen, nur so konnte bildende Kunst in seinen Augen funktionieren.» Veranschaulicht wird diese faszinierende These mit Zeichnungen von Meereswellen, die schlussendlich in Rasterkombinationen mit horizontalen und vertikalen Linien und unterschiedlichen Farbflächen mutieren.

Bart van der Leck.

Bildlegende: Blieb in Laren: Bart van der Leck. Gemeentemuseum

Von Laren nach Paris

Die unterschiedlichen Auffassungen führten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zum Bruch. Mondriaan verliess Laren Richtung Paris um sich dort fortan einzig und allein der abstrakten Kunst zu widmen. Bart van der Leck blieb in den Niederlanden und malte: «für Menschen, die seine moderne, gefällige Kunst haben wollten.»

Mondriaan wurde weltberühmt – seinem Freund gelang der internationale Durchbruch nie. Van der Leck habe als Versager gegolten, dessen Werke für den Modernismus nicht modern genug gewesen seinen, sagt Kurator und Mondriaan-Experte Janssen, der froh ist, dass den beiden Ex-Freunden nun endlich einmal eine grosse Ausstellung gewidmet wird.

Vom Idioten zum Kunststar

Das Gemeentemuseum konnte dabei vor allem aus dem Fundus schöpfen: Mit 300 Werken besitzt dieses Kunsthaus in Den Haag die weltweit grösste Mondriaan-Sammlung.

Video «Wie Mondriaans Werk sich entwickelte (Museumstrailer)» abspielen

Wie Mondriaans Werk sich entwickelte (Museumstrailer)

1:59 min, vom 16.2.2017

Dass die Werke von De Stijl bis heute weltweit Anklang finden, erfüllt Janssen mit Freude: «Mondriaan wurde früher belächelt, man fand ihn einen seltsamen Idioten. Heute weiss jeder, dass er tolle Kunstwerke geschaffen hat, die den Betrachter fröhlich stimmen.»

*Auf Deutsch und Englisch wird Mondrian nur mit einem «a» geschrieben, in diesem Text wird die niederländische Schreibweise verwendet.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 15.02.2017, 17:15 Uhr

Die Ausstellung

«Piet Mondriaan und Bart van der Leck – Die Erfindung einer neuen Kunst» ist noch bis zum 21. Mai 2017 im Gemeentemuseum in Den Haag zu sehen.