Mit Smartphone wird Basel zur digitalen Kunstausstellung

Der Blick aufs Smartphone verändert unsere Sicht auf die reale Umgebung normalerweise nicht. In dieser Ausstellung schon: Die erste «Virtuale Switzerland» in Basel zeigt virtuelle Kunst, die wir durch unser Smartphone betrachten können – und verwandelt die Stadt in eine Fantasielandschaft.

Goldene Münzen, die vor dem Basler Rathaus vom Himmel regnen? Riesige Seerosen auf dem Rhein? Dinge der Unmöglichkeit? Nicht für den Gründer der neuen Ausstellungsreihe «Virtuale Switzerland», die zurzeit in Basel gastiert. Arthur Clay, New Yorker mit Wohnsitz in Basel, macht das Unmögliche möglich, indem er die unverrückbare Realität mit einer virtuellen Fantasiewelt paart.

«Augmented Reality» ist das Stichwort, vergrösserte oder ergänzte Realität. «Darunter verstehen wir das, was entsteht, wenn Virtuelles und Reales zusammenkommen und sich überlagern. Durch unsere Handykamera filmen wir zum Beispiel eine Gasse, darübergelegt wird mithilfe unserer App eine Grafik und schon verschwimmen die beiden Welten zu einer einzigen», erklärt Athur Clay. Und wenn das gut umgesetzt wird, wirkt das Virtuelle in der Umgebung auch real.

Basler Traditionen virtuell belebt

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«Mirror City»: Selfies an Basler Gebäudefassaden

2:57 min, vom 6.8.2014

Vier Jahre haben Arthur Clay und sein Team dafür aufgewendet, geeignete Künstlerinnen und Künstler zu finden, um Werke zu programmieren und die Satelliten an den Orten, an denen die Werke gezeigt werden, zu installieren. Für Arthur Clay, Gründer und Kurator der weltweit ersten digitalen Ausstellung im öffentlichen Raum, war es höchste Zeit, dass man die heutige Kommunikationskultur auch für die Kunst nutzt.

In Basel tut er das, indem er die bestehenden Basler Spaziergänge «5 Rundgänge» mit digitalen Kunstwerken ergänzt. Zum Beispiel die Münzen der Künstlergruppe Curious Minds + Basler Youth, die vor dem Rathaus vom Himmel regnen. Diese klickt man an und eine Animation wird abgespielt. Oder man begegnet dem Basler Totentanz, diesem Skelett, das König, Wucherer oder Jungfrau zum letzten Tanz auffordert. Die Musik dazu kann jede Ausstellungsbesucherin selber zusammenstellen. Die Fragmente dafür wurden von zehn Komponistinnen und Komponisten kreiert, fünf davon sind aus Basel.

Die Orte und die Themen, die für die Ausstellung gewählt wurden, sind auf Basel zugeschnitten. Denn die «Virtuale Switzerland» arbeitet mit Basel Tourismus zusammen. Die Freiluftausstellung ist ein Angebot für Touristen, um die Stadt kennenzulernen; und gleichzeitig etwas Zusätzliches, etwas Neues zu bieten, indem die Stadt ihre schönsten Winkel und Gassen mit digitaler Kunst bespielt.

Nötig: ein voller Akku und guter Empfang

Die virtuelle Ausstellung bleibt aber nicht in Basel. Im Herbst zieht sie weiter nach Lugano, im nächsten Frühling wird sie in Lausanne und Zürich den öffentlichen Raum virtuell erweitern. Dafür entstehen dann eigene Werke. Auch im Ausland hat die «Virtuale Switzerland» schon Werke gezeigt, ohne grossen Aufwand kann die virtuelle Sammlung um die Welt reisen.


«Virtuale Switzerland»: ein Selbstversuch

4:20 min, aus Kultur kompakt vom 06.08.2014

Wer sich aufmacht, die virtuelle Kunst in Basels Gassen zu entdecken, sollte Folgendes nicht vergessen: Handy aufladen und Empfang sicherstellen. Die Alternative dazu wäre, an einer der Führungen teilzunehmen, die die Virtuale Switzerland mehrmals pro Woche anbietet. Dann werden einem Tablets und technische Unterstützung zu Verfügung gestellt. Denn das Runterladen der App, die Orientierung in der Stadt und das Interagieren mit den Kunstwerken bedarf ziemlicher Routine mit den digitalen Geräten, Lust am Rumprobieren und ein wenig Geduld. Lässt man sich aber darauf ein, können auch Baslerinnen und Basler ihr Städtchen von einer neuen Seite kennenlernen.