Mit zwei Pferdestärken gegen einen Mythos

Seit einigen Jahren macht das Künstlerduo Christina Hemauer und Roman Keller mit Arbeiten zum Thema Energie auf sich aufmerksam. Im Zürcher Kunstraum Walcheturm fügen sie mit der Ausstellung «Schwache Ölspuren im Sandstein» ihrer kulturgeschichtlichen Recherche ein weiteres Kapitel hinzu.

Wie hätte sich die Schweiz entwickelt, wenn man in den 1920er Jahren bei Probebohrungen richtig viel Öl gefunden hätte? Und welchen Weg hätte die US-amerikanische Aussenpolitik genommen, wenn die Pläne des damaligen Präsidenten Jimmy Carter zur Einführung der Sonnenenergie sich hätten realisieren lassen?

Solche Fragen interessieren das Künstlerduo Christina Hemauer und Roman Keller. Seit einigen Jahren macht es mit seinen Arbeiten zum hochaktuellen Energiethema auf sich aufmerksam. Einem breiteren Publikum bekannt wurde es 2010 mit seinem Dokumentarfilm «A Road not Taken», in dem es um das Scheitern des Projekts von Carter geht.

Zwei Pferde und eine Levi's Jeans

Jüngst wurden Christina Hemauer und Roman Keller mit dem Preis der Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung ausgezeichnet. Zum Preis gehört eine Ausstellung im Zürcher Kunstraum Walcheturm – und dort gab’s zur Eröffnung eine Performance mit zwei Pferden zu sehen, die mit Pferdestärke, also mit einer Basiseinheit für Energie zu tun hat. Ihr Bezug zum Ölthema war hingegen verschlungener.

Zwischen den beiden Pferden war nämlich eine Levi’s Jeans aufgespannt – so, wie es das Label hinten auf der Hose zeigt. Das Kultlabel entstand parallel zum Ölboom in den USA. Doch anders als in der Werbung zereisst die Jeans, als die beiden Pferde voneinander weggeführt wurden. Da wird einmal kräftig am Logo gezerrt – und schon ist es entzaubert.

Ölbohrungen in Schwyz

Doch was hat diese gewitzte Performance mit dem Ausstellungstitel «Schwache Ölspuren im Sandstein» zu tun? Das erklärt ein Blick auf das Video im Nebenraum. Ein Ausschnitt aus der biederen 70er Jahre-Verfilmung von Kurt Guggenheims Roman «Riedland», in dem es um die Ölbohrungen 1925 in Schwyz geht. Dazwischen geschnitten: Szenen aus einem Hollywoodfilm rund um einen texanischen Öl-Tycoon mit James Dean. Vielleicht, so suggeriert das Mashup, hätte der Schweizer Film sich glamouröser entwickelt, wenn man damals in Schwyz Öl gefunden hätte.

Christina Hemauer und Roman Keller fügen im Kunstraum Walcheturm ihrer kulturgeschichtlichen Recherche zum Thema Energie ein ziemlich hintersinniges Kapitel hinzu, Hommage an die Stifter des Preises inbegriffen.

Um ein ganz heisses Eisen wie die Rolle der Schweiz als Rohstoffdrehscheibe machen sie zwar noch einen Bogen, aber das kann ja noch kommen. Schon jetzt bietet ihre Arbeit überraschende Blickwinkel auf ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft.