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Der Kunstmarkt zügelt ins Internet
Aus Rendez-vous vom 16.03.2021.
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Neue Studie Corona krempelt den Kunstmarkt um

Massiver Einbruch: 2020 ging der Absatz im Handel mit Kunst und Antiquitäten um 22 Prozent zurück. Dafür boomt das Online-Geschäft.


Es ist der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise vor elf Jahren:
Der Umsatz im weltweiten Kunsthandel schrumpfte im vergangenen Jahr um 22 Prozent – von 64 Milliarden Dollar auf 50 Milliarden. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Art Basel und UBS.

Wegen Corona mussten etliche Galerien vorübergehend schliessen. Mehr als die Hälfte der grossen Kunstmessen weltweit wurden abgesagt. Die Auktionshäuser mussten öffentliche Versteigerungen streichen.

Eine Flaute mit Folgen

Zudem kamen auch weniger teurer Kunstwerke auf den Markt, weil die Besitzerinnen und Besitzer mit Auktionen zuwarten, bis sich die Lage rund um Corona verbessert.

Wegen der Flaute haben Galerien, Händler und Auktionshäuser Kosten gespart und Stellen abgebaut. Zugenommen haben zwar die Verkäufe über Online-Kanäle, diese vermochten die Rückgänge aber nicht zu kompensieren.

Das teuerste im vergangenen Jahr verkaufte Bild war ein Werk von Francis Bacon für 85 Millionen Dollar. In den Jahren zuvor wurden viel höhere Spitzenpreise erreicht.


Die Schweiz belegt im globalen Kunsthandel den sechsten Platz. Vor ihr liegen nur die drei Grossen USA, China und Grossbritannien sowie Frankreich und Deutschland.

Der Online-Markt boomt

In Zeiten von Corona werden immer mehr Produkte im Internet gekauft – Schuhe, Kleider, alles Mögliche für den Alltag. Neu hat sich das Online-Geschäft auch im internationalen Kunsthandel etabliert.

Die Galerien, Auktionshäuser und Veranstalter von Kunstmessen haben im Jahr von Corona so viel über Online-Kanäle verkauft wie noch nie.
Die Online-Verkäufe im weltweiten Kunsthandel haben sich 2020 verdoppelt auf insgesamt etwas mehr als 12 Milliarden Dollar, ein neuer Rekord.

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Die Bedeutung der Begegnung

Umsatzmässig liegt der Anteil der Online-Verkäufe nun bereits bei einem Viertel, und somit noch höher als in anderen Branchen, wie die Studie von Art Basel und der UBS zeigt.

Die Bewegung zu mehr Online im Kunsthandel ist bemerkenswert und speziell. Denn bisher hat sich der Kunsthandel mit Online-Verkäufen schwer getan.

Zu gross schien das Risiko solch teurer Transaktionen, die Branche legte bisher einen grossen Wert auf direkte Begegnungen und auch Diskretion. Die Pandemie hat zu einem Umdenken geführt.

Investitionen
in die Zukunft

Die Galerien und Auktionshäuser haben im vergangenen Jahr so viel Geld in neue Online-Vertriebskanäle investiert wie noch nie.

Sie haben die Investitionen in die Informatik um 80 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar erhöht. Sie haben Hardware, Software, die eigene Website ausgebaut und setzen vermehrt auf E-Commerce-Plattformen, virtuelle Schauräume oder auch Auktionen, die im Internet übertragen werden.

Einen markanten Anstieg bei den Online-Verkäufen verzeichnen Kunstwerke mit einem Wert von bis zu 250'000 Franken. Teurerer Objekte hingegen, die Millionen kosten, lassen sich nach wie vor praktisch nur im direkten Kontakt verkaufen.

Sendung: Radio SRF 1, Rendez-vous, 16.3.2021, 12:40 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ach nein, die Reichen machen doch noch ein bisschen Verlust in der Krise. Zum Glück sind Gemälde meist nur eine Anlage und kein Geld auf das man effektiv angewiesen ist. Mal ehrlich, die Summen für Gemälde sind auch nur eine Illusion der erschaffen wurde, damit gewisse Menschen nicht mehr arbeiten müssen.
    1. Antwort von rene merlo  (1802)
      Sie irren sich. Eine Schweizer Tausender Banknote weist den selben Wert aus, wie den einer Zwanziger. Wieviel weist Ihr Bankguthaben auf einem gedruckten Kontoauszug aus. Maximal den Wert, aus welchem das Papier gefertigt wurde. In einer sich anbahnenden (Hyper)Inflation steigen sämtliche Sachwerte; aber auch Lebensmittel oder eben Kunstgegenstände. Neu ist lediglich, dass auch 'virtuelle' Kunst unglaubliche Höchstwerte erzielt. Diese hingegen gewähren einen Zugang... in die virtuelle Zukunft.