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Neueröffnung in Kapstadt Afrikas neues Mekka für zeitgenössische Kunst

Es mangelt nicht an Superlativen, wenn vom ersten zeitgenössischen Mega-Museum Afrikas die Rede ist. Es soll die Vielfalt des gesamten Kontinents und seiner Diaspora widerspiegeln. Doch kann das «Zeitz MOCAA» seinen Ansprüchen tatsächlich gerecht werden?

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein neues zeitgenössisches Museum in Kapstadt soll die Kunst Afrikas widerspiegeln.
  • Das Museum soll kein Elfenbeinturm der Kunst werden: Deshalb wurde kein glitzernder Neubau entworfen.
  • Die Basis bildet die Sammlung von Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz: Er habe für das Museum gezielt zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts aus Afrika und seiner Diaspora erworben.

Das neue Museum im alten Getreidesilo des Kapstädter Hafens ist selbst ein Kunstwerk. Eher schlicht von aussen, aber atemberaubend von innen. Wo einmal tonnenweise Maiskörner mächtige Betonröhren heruntergerutscht sind, schlägt nun das Herz des «Zeitz MOCAA, Link öffnet in einem neuen Fenster».

Ein Innenraum aus Beton. Die Wände sind mit runden Löchern geöffnete Röhren in denen gläserne Lifte fahren.
Legende: Zentrum des Gebäudes ist das Atrium, das mal an einen Bienenstock oder an einen von Gaudì inspirierten Bunker erinnert. Heatherwick Studio/Iwan Baan

Sakralbau oder Gaudì-Bunker

So jedenfalls bezeichnet der britische Star-Architekt Thomas Heatherwick das mächtige Atrium, das je nach Blickwinkel an einen Bienenstock, einen Sakralbau oder einen von Gaudì inspirierten Bunker erinnert.

«Wenn wir dieses Gebäude einfach abgerissen hätten und stattdessen ein glitzerndes Raumschiff gebaut hätten, dann wäre die Hemmschwelle für viele Besucher zu hoch gewesen», betont Heatherwick.

Kein Kunsttempel für eine Elite

Denn in Südafrika waren Kulturinstitutionen lange der weissen Bevölkerungsminderheit vorbehalten. Auf viele dunkelhäutige Bürger wirken sie bis heute abschreckend.

Das Museum soll kein Elfenbeinturm für die kunstbewanderte Elite sein, so wie es seine Kritiker befürchten. Der Zugang soll unter anderem durch freien oder ermässigten Eintritt und Bildungsprogramme erleichtert werden.

Von Klassenräumen im Untergeschoss führen Wendeltreppen und gläserne Aufzüge die alten Betonröhren hinauf zu den Ausstellungsräumen.

Ein Museum für Afrika in Afrika

In 80 steril gehaltenen Galerien hängen neben temporären Ausstellungen auch die Werke aus der Sammlung von Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz. «Ich habe diese zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts aus Afrika und seiner Diaspora ganz gezielt für das Museum erworben», betont er.

Ein solches Museum für Afrika in Afrika sei längst überfällig gewesen. «Der Kontinent wurde zu lange von aussen definiert, seine Kunst wanderte meist ins Ausland ab.» Das soll sich nun ändern.

Drei Stühle in einem Raum umgeben von Schattenbildern.
Legende: Dem berühmten William Kentridge wird ein ganzer Raum gewidmet. Keystone

Die Vielfalt des gesamten Kontinents

Der Anspruch ist hoch: Die Werke sollen repräsentativ für die gesamte Vielfalt des zeitgenössischen Schaffens stehen. Es soll eine Begegnung auf Augenhöhe sein, von Publikum und Kunst, Afrika und dem Rest Welt, von den Künstlern untereinander.

Dem berühmten William Kentridge wird ebenso ein ganzer Raum gewidmet wie den futuristischen Masken-Portraits des international unbekannteren Kenianers Cyrus Kabiru. Auf die sich auflösenden, goldenen Kontinente von El Anatsui folgt die verstörende, klaustrophobe Welt des Fotokünstlers Roger Ballen.

Goldene Oberfläche, bestehend aus vielen kleinen Rechtecken. In der Mitte löst sich das Bild auf.
Legende: Teil der Ausstellung: die sich auflösenden, goldenen Kontinente von El Anatsui. Keystone

Zwei weisse Männer kuratieren?

«Es wird Zeit brauchen, tatsächlich die Bandbreite Afrikas darzustellen. Für mich ist dies nur der Anfang», sagt die südafrikanische Künstlerin Zanele Muholi, deren Selbstportraits ebenfalls zur Sammlung gehören.

Immer wieder hatten afrikanische Kulturschaffende im Vorfeld kritisiert, dass zwei weisse Männer, Jochen Zeitz und Mark Coetzee, in seiner Doppelrolle als Museumsdirektor und Chefkurator, allein darüber entscheiden, welche Künstler und Werke repräsentativ seien.

Ein Raum mit roten Wänden: Darauf Gesichter mit technisch anmutenden Masken.
Legende: Ebenso ein ganzer Raum gewidmet ist den futuristischen Masken-Portraits des Kenianers Cyrus Kabiru. Keystone

Kein klassisches Kuratoren-Modell

«Wir hätten zwar ein paar Kuratoren fest anstellen können, aber weil wir uns als panafrikanische Institution verstehen, wollten wir uns breiter aufstellen. Wir haben uns daher für das Modell von «curators at large» entschieden», wehrt sich Coetzee gegen diese Vorwürfe. Diese Kuratoren kommen aus führenden Kulturinstitutionen Afrikas und seiner Diaspora. Sie werden regelmässig nach Kapstadt reisen, um Ausstellungen zu gestalten und Projekte zu entwickeln.

«Wir hoffen, dass sie uns auch über Trends und Debatten in ihren Regionen auf dem Laufenden halten», erklärt Coetzee, der damit am Puls des Kontinents bleiben will. Das «Zeitz MOCAA» sieht sich als Beginn einer neuen Ära, als Samenkorn für zeitgenössische Kunst in Afrika. Ob diese Saat auch tatsächlich aufgehen wird, bleibt für Künstler und Kritiker die Kernfrage.

Sendung: Kultur aktuell, Radio SRF 2 Kultur, 20.9.2017, 17.08 Uhr

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