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Kunst Paul Chans Arbeit mit Kabeln, Macht und Kunst

Videos, Zeichnungen, Installationen und Bücher: Das Werk von Paul Chan, 1973 in Hongkong geboren, ist vielgestaltig. Der in New York lebende Künstler gastierte bereits an der Biennale in Venedig und an der Documenta. Das Schaulager Basel richtet Chan jetzt die erste grosse Übersichtsschau ein.

Ein Kabelknäuel liegt am Boden. Die Leitungen münden nicht – wie man es erwarten würde – in Steckdosen oder technischen Geräten, sondern in Schuhen. Halbschuhen, Sandalen, Sneakers, Pumps und Mokassins.

Vor rund vier Jahren wurde Paul Chan gebeten, eine Ausstellung im Schaulager zu machen. Chan zögerte. Er hatte 2010 einen Verlag gegründet, für den er seither montags und dienstags arbeitet, wie er sagt. Der Rest seiner Zeit ist mit künstlerischen Projekten gefüllt. Und seiner Familie: Seit er Frau und Kind habe, müsse er in zwei Stunden schaffen, was er früher in 14 Stunden gemacht habe, scherzt er.

Ausstellen und Lehren

Mit der Ausstellung in Basel war ein Lehrauftrag verbunden. Das Angebot, an der Universität und an der Hochschule für Kunst und Gestaltung zu unterrichten, reizte Chan. Er liebe es, einen Ort, an dem er ausstelle, zu erkunden, sagt er. Und an einem Ort zu unterrichten, mit den Studierenden in Kontakt zu kommen, das sei für ihn eine gute Möglichkeit, viel über einen solchen Ort zu erfahren. Zudem mag Chan das Schaulager. Für ihn ein Ausstellungsort, der unendlich viele Möglichkeiten biete.

Paul Chan entwarf für seine Ausstellung eine lose chronologisch gegliederte Raumfolge, die von Reflexionen über Gesellschaftsutopien über Auseinandersetzungen mit Fragen zu Politik, Macht, Schrift und Sprache zu einer Hinterfragung der eigenen Arbeit führt. Die Schau eint dabei eine Fülle verschiedener Techniken, zeigt Zeichnungen, Installationen und Fonts, die Chan auch in seinen eigenen Büchern benutzt. Der belesene und vielseitig interessierte Künstler schreibt auch Gedichte und Essays. In seinem Verlag Badland Unlimited – auch das zeigt die Ausstellung – publiziert er auch Schriften anderer Kunstschaffender und E-Books. Zum Beispiel eines, das an die Aufführung von Becketts «Warten auf Godot» erinnert, die Chan 2006 im vom Hurricane zerstörten New Orleans arrangierte.

Idylle und Apokalypse

Bekannt wurde Chan aber vor allem durch seine Videoarbeiten. In den früheren Werken setzte er sich mit Gesellschaftsutopien und lebensphilosophischen Fragen auseinander. In «Happiness (Finally) After 35'000 Years of Civilization» zeigt er in den grellen Farben früher Computerspiele eine Idylle, die in eine Albtraumwelt umkippt. «My birds … trash … the future» präsentiert eine Art post-apokalyptische Landschaft. In dem für die Biennale Venedig 2009 entstandenen Video «Sade for Sade's sake» projiziert er einen Schattenriss-Reigen kopulierender Körper zu einem drastischen Spiel um Gewalt und Sexualität an die Wand. Der Titel zeigt: Chan hatte sich hier mit dem Gedankengut des Marquis de Sade auseinandergesetzt.

De Sade ist nicht die einzige Grösse der europäischen Geistesgeschichte, auf die Chan sich bezieht. Auch Nietzsche, Adorno, Foucault und viele andere haben deutliche Spuren in seinem Werk hinterlassen.

Installation «Arguments» für Basel

Für die Ausstellung in Basel hat Chan installative Arbeiten gestaltet, die zum Teil erstmals gezeigt werden. Dazu gehören die «Arguments», die Kabelknäuel, die aus der Überlegung entstanden, zu zeigen, was hinter seinen Videoarbeiten steckt. Chan kam zum Schluss, es seien vor allem Unmengen an Kabeln, die man benötige, um all das technische Equipment, mit dem Videokunst im Allgemeinen präsentiert wird, aufzubauen. Also machte er die Kabel zu Werken, die als Sinnbilder des Computerzeitalters und der vernetzten Gesellschaft lesbar sind.

Ausstellung «Paul Chan»

Die Ausstellung ist bis 19. Oktober im Schaulager in Münchenstein bei Basel zu sehen

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