Schwarz ist verkauft

Eine britische Firma hat eine Farbe entwickelt, die mehr Licht absorbiert als alle anderen. Nun hat sich Bildhauer Anish Kapoor die exklusiven Rechte an diesem schwärzesten Schwarz gesichert. Ja, das darf der – eine Farbe kann man patentieren lassen. Aber: So einfach, wie es tönt, ist das nicht.

Eine schwarze Fläche.

Bildlegende: Nein, das ist kein Vantablack. Auch wenn man weder Konturen noch Formen erkennen kann. SRF

Was ist schwärzer als Schwarz? Vantablack! Die Farbe besteht aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen, von denen jedes einzelne 10'000 Mal dünner ist als das Haar eines Menschen. Diese winzigen Strukturen absorbieren 99,96 Prozent des Lichts. So entsteht eine Schwärze, die unser Gehirn zur Kapitulation zwingt: Objekte oder Oberflächen, die mit Vantablack bestrichen sind, verlieren scheinbar jegliche Kontur oder Form.

Ein finanzstarker Bildhauer

 ein 24 Tonnen schwerer Tank aus COR-TEN-Stahl, dem Wesen nach mehr Volumen als Masse.

Bildlegende: Anish Kapoors Auftragswerk für das Deutsche Guggenheim Museum in Berlin: «Memory» (2008). Reuters

2014 wurde die Substanz von der britischen Firma NanoSystems entwickelt – für den Einsatz in Militär und Luftfahrt. Dass sie heute zu reden gibt, hat mit Anish Kapoor zu tun. Der britische Bildhauer hat sich die exklusiven Rechte an der Farbe gesichert – zu welchem Preis ist nicht bekannt. Aber das Geschäft dürfte ihn, der als finanzstärkster Bildhauer der zeitgenössischen Kunst gilt, einiges gekostet haben.

Kapoors Nutzungsrecht am bisher schwärzesten Schwarz bleibt auf die Kunst beschränkt. Das bedeutet: In anderen Bereichen darf die Farbe weiterverwendet werden.

Eine riesige blaue Fläche, an deren Rand eine Schulklasse versammelt ist.

Bildlegende: Blauer als blau: Ein Werk von Yves Klein im Guggenheim Museum in Bilbao. Reuters

Das ultimative Ultramarin von Yves Klein

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Künstler eine Farbe unter Rechtschutz stellt. 1960 liess der französische Maler und Bildhauer Yves Klein das ultimative Ultramarin patentieren – als «International Klein Blau» unter der Nummer 63471. Kleins Blau sei «eine Geheimrezeptur», sagt der Schweizer Farbforscher Stefan Muntwyler, «ein halbes Jahr lang tüftelte Klein an einem Bindemittel herum, das die Farbpigmente des Blaus nicht ihrer Kraft beraubte». Das Resultat: ein Blau mit einer enormen Leuchtkraft, das beim Betrachter eine faszinierende Sogwirkung auslöst.

Das Postgelb ist geschützt

Anish Kapoor und Yves Klein sind jedoch Ausnahmen. Beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) etwa ist keine Person registriert, die eine Farbe für ihre künstlerische Arbeit patentieren liess. Anders ist das bei Farben, die wie eine Marke wirken. Das Postgelb zum Beispiel ist im Register des IGE geschützt; ebenso vermerkt ist der Schutz von Nivea-Blau und das Ovomaltine-Orange.

Dieter Münstermann vom IGE nennt eine wichtige Voraussetzung für den Schutz einer Farbmarke: «Die Farbe darf nicht beschreibend sein in Bezug auf die Ware oder die Dienstleistung.» Gelb etwa sei als Marke für eine Zitrone nicht schützbar – für die Dienstleistungen der Schweizerischen Post aber schon. Daneben gäbe es zahlreich andere Kriterien, sagt Münstermann und verweist auf den 200-seitigen Richtlinien-Katalog des IGE. Eine Farbe lässt sich nicht husch, husch patentieren.

Streit um die Marke

Manchmal kommt es vor, dass der Antrag auf die Exklusivnutzung einer Farbe Streit provoziert, weil mehrere Parteien dieselbe Farbe als Marke beanspruchen. Auch Künstler Anish Kapoor hat sich mit dem Aufkauf des Vantablack den Unmut anderer Künstler zugezogen. Die Konkurrenz ärgert sich darüber, dass das schwärzeste Schwarz einem einzigen Mann gehört. Doch den Verärgerten bleibt nichts anderes übrig, als sich den Effekt des Ultraschwarz in der Fantasie auszumalen. Damit Experimentieren darf allein Anish Kooper.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 4.3.2016, 8:02 Uhr.