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Friedensarbeit mit Street Art in Kabul
Aus Kultur-Aktualität vom 14.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
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Street Art in Afghanistan «Lasst uns wenigstens diese Wände bemalen»

Eine afghanische Künstlergruppe will, dass sich auch Analphabeten am Demokratisierungsprozess beteiligen können. Und setzt auf die Kraft der Bilder.

Vor einem Supermarkt explodiert eine Bombe – Alltag in Afghanistan. Die Bombe reisst eine Frau in den Tod, ihren Mann, ihre zwei Kinder. Verantwortlich für den Anschlag ist einer von Kabuls vielen Regionalfürsten.

Der Strassenkünstler Omaid Sharifi klagt ihn an – auf seine Weise: «Ich habe gegenüber dem Haus des Täters ein Bild von Harmida Barmakhi auf eine Wand gemalt. Sie war eines der Opfer des Anschlags. Darunter steht: ‹Ich werde das nie vergessen›».

Omaid Shafiri in der Schweiz

Auf Einladung des Basel Peace Forums, Link öffnet in einem neuen Fenster war Omaid Shafiri im Januar 2020 für einen Vortrag in der Schweiz zu Besuch.

Das 8 mal 6 Meter grosse Bild sollte den Attentäter für immer an seine Opfer erinnern. Bereits am nächsten Tag war das Bild entfernt. Zu spät. Omaid Sharifi hatte es schon fotografiert und in den sozialen Medien veröffentlicht. Der Mörder stand am Pranger.

Omaid Sharifi
Legende: Omaid Sharifi malt seit 2014 auf die Schutzwände seiner Stadt. KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari

Seit 42 Jahren herrscht in Afghanistan Ausnahmezustand. Mehrere Generationen sind mit kriegerischen Auseinandersetzungen gross geworden.

Mauern mit Malerei einreissen

Die Rate der Analphabeten ist hoch. Die Gruppe «Artlords» rund um den afghanischen Künstler Omaid Sharifi will, dass auch Menschen, die des Lesens unkundig sind, sich am Demokratisierungsprozess beteiligen – und setzt deshalb auf die Macht der Bilder. Sie malen sie in auf Mauern in Kabuls Strassen und anderen Orten Afghanistans.

Malflächen für seine aufklärerische Arbeit findet Omaid Sharifi überall – unter anderem auf den zahlreichen Sprengschutzmauern: «Es gibt in der ganzen Stadt sehr grosse, hässliche Sprengschutzmauern. Wir beschlossen, sie zu bemalen und sie so auf unsere Art einzureissen.»

Menschen vor einer Wandmalerei
Legende: Die «Artlords» malen ein Mahnmal von Journalisten, die 2018 in Kabul getötet wurden (Bild: September 2018). AP Photo/Massoud Hossaini

Diesen Entschluss begreift Omaid Sharifi als eine Art Zurückeroberung des öffentlichen Raums. «Die Orte, die wir bemalen, sind sehr heikel. Zum Beispiel der Regierungspalast oder eben das Haus dieses Warlords. Wir wollen den Leuten gegenüber diesen Wänden, also dem Präsidenten, den Politikern, den Ministern eine Message vermitteln: Ihr habt unseren Lebensraum zerstört. Wir leben hier! Also lasst uns wenigstens diese Wände bemalen.»

Malen ist eine Art, den Leuten eine Stimme zu geben

Viele der Sprengschutzmauern, die Omaid Sharifi bemalt, stehen vor offiziellen Gebäuden, vor Regierungspalästen, ja selbst vor dem afghanischen Geheimdienst. Dafür eine Erlaubnis zu bekommen, ist nicht einfach. Aber Sharifis Beharrlichkeit zahlt sich aus. Seine Bilder sind inzwischen in der ganzen Stadt präsent.

Ein mann und eine Frau vor einer Wandmalerei.
Legende: Die «Artlords» malen auf eine Wand der Amerikanischen Universität von Kabul (Bild: Februar 2018). REUTERS/Omar Sobhani

Sharifi malt nie allein. Jeder ist eingeladen mitzutun. Eine Chance, die von Passanten rege genutzt wird. Sharifi zeichnet die Umrisse seiner Bilder vor. Die so definierten Flächen können auch von Laien ausgemalt werden. So werden die Passanten zu Mitkünstlern: «Diese Leute haben keine Stimme. Malen ist eine Art, ihnen eine Stimme zu geben.»

Kabul hat sich äusserlich total verändert, seit die Artlords am Werk sind. Auf das ganze Land gesehen hat die Künstlergruppe bis heute über 1700 Mauerbilder gemalt. Gemeinsam mit der Bevölkerung.
Omaid Sharifi ist überzeugt: Afghanistan ist mehr als nur ein ewiger Kriegsschauplatz.

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