Von Kunstjägern und Sammlern

Wer von der Art Basel und verwandten Messen erzählt, spricht auch von den Menschen, die sie besuchen. Es gibt Neugierige und Kunstinteressierte. Aber vor allem gibt es die Käufer. Sie sorgen dafür, dass der Kunstmarkt in Bewegung bleibt. Drei Sammler erzählen.

Messebesucher gehen über einen Boden, auf dem zahlreiche leere Pistolenpatronen liegen.

Bildlegende: Wer Kunst sammeln will, braucht nicht unbedingt ein gut gefülltes Portemonnaie, aber einen guten Riecher. Art Basel

Spricht man mit Sammlerinnen und Sammlern, merkt man schnell: Hier ist glühende Leidenschaft am Werk. Man sieht ein Kunstwerk und es schlägt ein. Der Blutdruck steigt. Die Rede ist vom «Sammler-Gen».

In der Kunst versinken

Man spüre, wenn der Blitz einschlage, und dann sei klar: Dieses Bild muss zuhause an der Wand hängen. Da sind sich die Sammler, mit denen ich im Laufe der letzten Wochen gesprochen habe, einig. Kunstsammeln sei etwas, das man ganz für sich alleine tue, um seine Gedanken und Wünsche in ein Bild versenken zu können.

Zweifellos gibt es auch die leidenschaftslosen Sammler, die Kunst kaufen wie Aktien, ein Werk erstehen nach kühl kalkulierten Marktprognosen. Und es gibt die Prestigesammler, die sich Bilder von berühmten Malern an die Wand hängen, um damit anzugeben. Doch von ihnen soll hier nicht die Rede sein.

Auf junge Künstler setzen

Den 44-jährige Herbert Bruhin traf ich an der «Liste», der Messe für junge Kunst, die seit 1997 parallel zur Art Basel stattfindet. Aufgeregt erzählt er vom Bild eines polnischen Künstlers, das ihm gleich ins Auge gesprungen sei. Es habe etwas Geheimnisvolles. Der Architekt Bruhin hat im Vergleich zu grossen Sammlern ein eher bescheidenes Budget, deshalb kauft er mit Vorliebe Skulpturen, Gemälde oder Fotografien junger, noch nicht so bekannter Kunstschaffender.

«Heute kann es sehr schnell gehen und ich kann mir einen Künstler oder eine Künstlerin nicht mehr leisten. Deshalb kaufe ich Werke, die mir gefallen, möglichst früh und hoffe, dass ich den richtigen Riecher habe», sagt Bruhin. Bei Werken eher junger Kunstschaffender sei es auch toll, dass man die Macher kennenlernen, mit ihnen über ihre Kunst sprechen und sie gezielt fördern könne.

Sammler und Künstler

Eberhard Kornfeld ist 90 Jahre alt. Er leitet seit 63 Jahren die Galerie Kornfeld in Bern. Wie jedes Jahr finden zurzeit die Auktionen der Galerie statt. Parallel zur Art Basel. Das kommt daher, dass der gebürtige Basler 1970 dabei war, als die heute so bekannte Kunstmesse ins Leben gerufen wurde. Da die Berner Galerie schon damals einen guten Ruf genoss, beschloss man, die Art Basel den Auktionen anzuhängen – in der Hoffnung, kaufkräftige Sammler von Bern auch nach Basel zu locken. Heute profitiert die Berner Galerie von der ungeheuren Anziehungskraft der Messe am Rhein.

Eberhard Kornfeld ist nicht nur als Kunsthändler und Galerist tätig, er hat sich im Laufe der Jahre auch eine prächtige eigene Sammlung aufgebaut. Die Künstler der Werke, heute Berühmtheiten der Kunstgeschichte, kannte Kornfeld fast alle persönlich.

Zum Znacht bei Alberto Giacometti

Alberto Giacometti war so ein Künstler. Er pflegte die Beziehungen zu befreundeten Sammlern intensiv. Neben Eberhard Kornfeld kam auch der heute 84-jährige Zürcher Rolf Weinberg dazu. «Giacomettis Arbeiten haben mich immer fasziniert. Wenn ich in Paris war, lud er mich zum Essen ein. Er hat während der Tischgespräche immer auf seine Servietten gezeichnet. Heute ärgere ich mich, dass ich die nicht eingepackt habe. Das war jedes Mal ein Kunstwerk», erzählt Rolf Weinberg im Büro seines Bekleidungsgeschäfts an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Damals kostete die teuerste Skulptur Giacomettis 30 000 Franken. 2010 wurde Giacomettis «Homme qui marche» für 104 Millionen Dollar versteigert.

Sammeln ist (auch) Glückssache

Mein Fazit: Kunstsammeln kann man nur bedingt lernen. Und wenn der Blitz einschlägt und das Portemonnaie gut gefüllt ist, muss man zuschlagen. Denn wer weiss: Vielleicht wird das Bild des polnischen Künstlers, das Herbert Bruhin an der LISTE angesprungen hat, eines Tages ein Werk von unschätzbarem Wert sein. Und wenn nicht, dann hängt über dem Bett einfach das Bild eines unbekannten Künstlers, das einem jeden Tag aufs Neue Freude bereitet.

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