Wo Blocher bepinkelt wurde: Das Centre Culturel Suisse in Paris

Die «Hirschhorn-Affäre», ein teurer Teppich und eine Nonsens-Maschine: Das Centre Culturel Suisse in Paris hat in seinen 30 Jahren viel erlebt. Ein Rückblick auf die turbulente Geschichte des Kulturzentrums.

Ein Plakat von Blocher

Bildlegende: Für Blocher gabs in Thomas Hirschhorns Ausstellung «Swiss-Swiss Democracy» nicht viel zu lachen. Keystone

«Urin über Blochers Haupt» – und erst noch mit Schweizer Geldern bezahlt! Der «Blick» ist entrüstet. Der Grund: Eine Ausstellung von Thomas Hirschhorn im Centre Culturel Suisse (CCS) in Paris. In «Swiss-Swiss Democracy» will der Schweizer Künstler 2004 gegen die «Absurdität der direkten Demokratie» protestieren – und lässt ein Blocher-Foto bepinkeln. Ein Affront für konservative Politiker – mit hohem Preis: Das Budget der «Pro Helvetia» wird kurzerhand um eine Million gekürzt.

Die «Hirschhorn-Affäre», das war fast 20 Jahre nach der Gründung des Centre Culturel Suisse. Doch schon die Anfänge des Kulturzentrums sind turbulent.

Ein kostspieliger Teppich

1982 beschliesst die Stiftung «Pro Helvetia», in Paris Fuss zu fassen. Dem damaligen Kulturminister Alphons Egli passt das nicht. Er legt sein Veto ein. Er ist der Meinung: Besser Subventionen an Künstler verteilen als ein Kulturzentrum gründen. Der Traum vom eigenen Kulturzentrum in Paris, er platzt beinahe.

Doch dann bringt die Westschweizer Zeitung «L'Hebdo» den Fall neu auf den Teppich. Ihre Recherche zeigt: Das Hotel Poussepin, in dem das Kulturzentrum errichtet werden soll, kostet mit 650‘000 nur doppelt so viel wie der Teppich der Schweizer Botschaft. Ein Argument, das den Gegner den Boden unter den Füssen wegzieht.

1985 ist es soweit: Mitten im Herzen von Paris, im Künstlerviertel Marais, öffnet Centre Culturel Suisse seine Türen – und wird vom Kulturminister Egli persönlich eröffnet. Das Duo David Fischli und Peter Weiss hat die Ehre der ersten Ausstellung. Es zeigt eine dreiminütige «Skizze» zu einem Kunstfilm: «Der Laufe der Dinge». So manchem Schweizer zu modern, behagt diese Kunst dem Pariser Publikum. Das Werk über eine Nonsens-Maschine macht die Künstler später international bekannt und gehört immer noch zu den Hauptwerken des Duos.

«Schaufenster für Schweizer Kunst und Kultur»

Kunst, Tanz, Theater, Literatur, Kino, Architektur: Heute führt das Zentrum an der mittlerweile von Touristen überrannten Rue des Francs Bourgeois, wo eher Konsum statt Kultur herrscht, eine breite kulturelle Palette, will «Schaufenster für Schweizer Kunst und Kultur» sein. Milo Raus Theaterstücke kann man dort genauso sehen wie Claudia Comtes Kunst.

Im neuen Kleid

30 Jahre nach der Gründung ist das Zentrum etabliert. Es ist die wichtigste Aussenstelle der «Pro Helvetia». Zum Jubiläum richten die Direktoren Oliver Kaeser und Jean-Paul Felley nun gross an. Im Rahmen von «PerformanceProcess» werden rund hundert Performances von knapp 50 Schweizer Künstlern gezeigt. Auch mit dabei: Werke von Roman Signer und Daniel Spoerri.

Zur Feier wirft sich das Zentrum zudem in ein neues, elegantes Kleid. Seine Ausstellungsräume wurden grau gestrichen. Und bald soll das CCS auch mehr Platz bekommen: Ein Umbau ist geplant – für mehr Schweizer Kultur in der französischen Metropole.