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Literatur Arno Camenischs «Fred und Franz»: Eine echte Männerfreundschaft?

Nach dem Erfolg von «Ustrinkata» wurde nun auch der neueste Roman von Arno Camenisch als Hörspiel produziert: «Fred und Franz». Darin zelebrieren zwei Männer ihre Freundschaft – aber sind Fred und Franz wirklich beste Freunde? Und was macht eine Männerfreundschaft eigentlich aus?

Zwei jungen stehen an einer Mauer, der eine bückt sich, der andere klettert über seine Schultern die Wand hoch.
Legende: Männerfreundschaften versprechen Abenteuer – Wie Tom Sawyer und Huck Finn machen sich Freunde auf ins Ungewisse. Reuters

Bei der internen Premiere der Hörspielfassung von «Fred und Franz» in der Hörspielredaktion fiel der Schlagsatz: «Endlich wieder einmal eine Männerfreundschaft, wie sie im Buche steht.» Aber stimmt das? Sind Fred und Franz, die beiden Protagonisten und einzigen Handelnden des neuen Hörspiels wirklich «best buddies»? Ist der Fred dem Franz ein Pollux, der Franz dem Fred ein getreuer Huckleberry Finn?

Ein Abenteuer erleben

Zwei Männer – das bedeutet Abenteuer. Einer, der es wissen muss und ausführlich darüber geschrieben hat, ist Tobias Rüther. In seinem 2013 erschienenen Buch «Männerfreundschaft – Ein Abenteuer» konstatiert er vor allem eines: Männerfreundschaften begleitet ein Gefühl von Aufbruch, Fahrtwind und Rock'n'Roll. Von der Freiheit, alles zu tun. Von einer Reise ins Morgen.

Die Kulturgeschichte gibt ihm recht: Jack Kerouac lebt mit seinen Beatniks ewig «On the Road», Hunderte von Jungs stürzen sich – gleich Tom Sawyer und Huckleberry Finn – in ein Abenteuer fernab von Zuhause. Und wer nicht wortwörtlich wie Jim Knopf und Lukas eine Reise tut, bricht dennoch mit seinem besten Freund an der Seite in neue Gefilde auf: Goethe und Schiller begründen zum Beispiel die Klassik, Marx und Engels den Kommunismus.

Und Fred und Franz? Die feiern nicht und schreiben auch keine geschichtsträchtigen Manifeste. Die leben so dahin. Ohne dass wirklich was passiert. Man sitzt zwar bis morgens in der Kneipe, aber selbst für einen ordentlichen Rausch reicht es nicht. Eigentlich bewegen sich die beiden kaum. Mal geht es zu einer Beerdigung. Ein andermal ist man beim Angeln. Ansonsten wird Fernsehen geschaut, Kreuzworträtsel gelöst, geraucht und getrunken.

Ab ins Réduit

Porträt
Legende: Arno Camensich beschreibt in «Fred und Franz» eine einzigartige Männerfreundschaft. SRF/Lukas Maeder

Abgeschottet von der Aussenwelt, losgelöst von Raum und Zeit, treiben die beiden durch die Szenen ihres Lebens: Weder kann man sie lokal ganz eindeutig verorten, noch das genaue Alter der beiden bestimmen – mal wirken sie fast greisenhaft, dann wieder sind sie spielerisch-phantasievoll wie Teenager. Dies ist übrigens nicht nur eine Stärke des Textes, sondern vor allem auch der beiden Schauspieler Kurt Grünenfelder und Beat Marti. Wo kommen Fred und Franz her? Wo gehen sie hin? Man weiss es einfach nicht. In diesem Punkt gleichen die beiden Shakespeares Rosenkranz und Güldenstern.

Dass diesem Mosaik von Alltäglichkeiten wohl doch noch etwas anderes zugrunde liegt; dass es sehr wohl um mehr geht als nur um das stetige Dahinplätschern eines niemals endenden Zweiergesprächs, verdeutlicht die Musik zum Hörspiel von Malte Preuss, die zwischen den Szenen einen Abgrund freilegt, der tiefer blicken lässt.

Was eine Männerfreundschaft ausmacht

Männer verstehen sich stumm – das sagt der Mythos. Und beschreibt so den angeblich grössten Unterschied zu Frauen-Freundschaften. Doch offensichtlich sieht die Wirklichkeit anders aus. Männer reden. Und das nicht zu wenig. Fred und Franz vor allem über Frauen.

Anders als im Hörspiel «Ustrinkata» (ebenfalls auf Grundlage von Camenischs Roman) hat sich Hörspiel-Regisseur Geri Dillier bei «Fred und Franz» nicht für eine Dialektfassung, sondern für eine Kunstsprache entschieden, wie sie von Camenisch gemeint ist: ein helvetisches Hochdeutsch, gesprenkelt mit bündnerischen und rätoromanischen Wendungen. Diese Sprache nur «künstlich» zu nennen, würde ihr nicht gerecht werden, denn in erster Linie ist sie kunstvoll.

Ihr Pendant findet diese kunstvolle Sprache in der atmosphärischen Umsetzung des Hörspiels. Da gibt es kein wirklich realistisches Setting. Akzente werden zwar gesetzt: ein Töffli fährt vorbei, ein Fernseher läuft, eine Kirchturmglocke schlägt. Aber im Grossen und Ganzen hört man nur das, worauf es wirklich ankommt: Fred und Franz im Gespräch.

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