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Literatur Bestseller-Autor James Patterson will die Buchkultur retten

Er ist ein Schreibgigant, ein Autor mit Riesen-Umsatz: der US-Amerikaner James Patterson. Gemeinsam mit 900 Kollegen stellt er sich gegen Amazon. Denn in den USA haben es unabhängige Buchhandlungen schwer, gegen die Konkurrenz des Buchmarkt-Riesen zu bestehen.

James Patterson ist der Kopf einer Kreativfabrik. Er schreibt Filmprojekte, Kinderbücher, Krimis und Drehbücher. Und er lässt schreiben: Er beschäftigt ein Team von Koautoren, um seine Ideen im «Patterson-Stil» auszuformulieren. Das heisst kurze Kapitel, vollgepackt mit Action. Protagonisten, die den Leser in Bann halten. Bestseller im Akkord eben.

Leser lieben ihn, Kritiker nicht

Porträtaufnahme von James Patterson.
Legende: James Patterson verkauft mehr Bücher als Steven King, John Grisham und Dan Brown zusammen. Reuters

«Ich schreibe Abrisse von 60 bis 80 Seiten für jedes Buch für meine Koautoren», sagt Patterson. «Letztes Jahr habe ich 1000 Seiten an Plots geschrieben. Ich bin ein Freak, aber im guten Sinne, ein glücklicher Freak.»

300 Millionen verkaufte Bücher haben James Patterson steinreich gemacht. Ärgert es ihn, dass die Leser ihn lieben, doch die Kritiker seine Bücher oft geringschätzen? «Ich will Geschichten erzählen, die möglichst viele Menschen unterhalten», sagt Patterson. «Ich versuche dabei den grössten gemeinsamen Nenner zu finden. Ich habe einen Anspruch. Sicher, tausenden von Lesern gefällt nicht, was ich schreibe. Doch zum Glück mögen Millionen Menschen meine Bücher.»

Unterprivilegierte Kinder sollen lesen können

Seine Jugendbücher sind voller Humor und Abenteuer. Patterson will alle Kinder zum Lesen bringen. In Amerika spiegelt sich die Kluft zwischen Reich und Arm auch in den Schulen wider. Der Autor stiftet Millionen gegen den Bildungsnotstand, denn US-Schüler hängen im internationalen Vergleich hinterher.

Während Kinder im privilegierten Manhattan in Buchclubs anspruchsvolle Literatur diskutieren, lesen Gleichaltrige an ärmeren Schulen oft weit unterhalb ihres Alterstandards. Mit Millionen für Schulbüchereien und Lehrerausbildung versucht Patterson mehr Chancengleicheit zu schaffen. «Besonders wichtig ist es, dass gefährdete Kinder lesen», sagt er. «Wie können sie die Schule schaffen, wenn sie keine kompetenten Leser sind? Wie kannst du Geschichte, Mathe oder Biologie lernen, wenn du nur langsam lesen kannst? Hier können wir etwas tun.»

Gemeinsam gegen Amazon

Unabhängige Buchhandlungen haben es in den USA schwer, gegen E-Books und Amazon zu bestehen. Patterson hält dagegen, unterstützt 500 Läden mit insgesamt einer Million Dollar. Damit nicht genug, immer wieder ruft er öffentlich dazu auf, das drohende Monopol von Amazon im Buchmarkt zu verhindern.

«Wenn ein mächtiger Konzern wie Amazon Bücher unter Preis verkauft, können kleine Buchhandlungen dagegen nicht konkurrieren», sagt er. «Sie können ein 15-Dollar-Buch nicht wie Amazon für nur sieben Dollar anbieten und den Verlust in Kauf nehmen. Es ist absolut zwingend, dass der Buchhandel unter Schutz gestellt wird. Mein Ziel: Ich will warnen, damit wir endlich aufwachen.»

900 Kollegen haben sich James Patterson inzwischen angeschlossen. Als «Authors United» machen sie Druck gegen Amazon, auch wenn ihre Bücher dort verkauft werden. Patterson selbst aber muss sich um Geld schon lange keine Gedanken mehr machen. «Es macht mir mehr Freude zu geben, als zu nehmen», sagt er. «Ich finde es unangenehm, wenn mir jemand ein Kompliment macht, doch ich gebe gerne Komplimente. Mir gefällt es, dass ich in der Lage bin, so viel wie möglich zu helfen.» Neuer Stoff für Pattersons Kreativfabrik – er ist noch voller Ideen für neue Bücher. Doch vor allem will er die Buchkultur retten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei 3sat.de, Link öffnet in einem neuen Fenster.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Die Buchhändler-Branche, zumindest bei uns, ist immer noch eine geschützte Institution. Wie lange noch, weiss niemand, und ob es sie überhaupt noch braucht, ist eine Frage, die zumindest von Denen, die davon leben, natürlich heftigst bejaht wird. Aber der Markt wird es trotzdem richten, ausgenommen, man schliesst sämtliche Bücher-Grenzen und verfolgt und bestraft Alle, die 'schwarz' ein Buch einführen. Buchspürhunde müssten her, und Grenzkontrollen, zur Rettung der legal verbreiteten Intelligenz
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