«Blick in die Feuilletons»: Ezra Pound und vergessene Bilder

Das dichterische Werk Ezra Pounds gehört seit Jahren zum US-amerikanischen Literatur-Kanon. Die erste vollständige Übersetzung seines Werks «Cantos» ist Thema im «Tagesanzeiger», die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» bespricht ein Bild von Claude Lorrain.

Schwarzweissaufnahme des Schriftstellers Ezra Pound.

Bildlegende: Ezra Pound, Schriftsteller mit heikler politischer Biographie. National Portrait Gallery, London

Die erste vollständige deutsche Übersetzung der «Cantos» von Ezra Pound bespricht heute Martin Ebel im «Tagesanzeiger». Eva Hesse hat ihr ganzes Übersetzerinnen-Leben lang daran gearbeitet: heute ist sie 92 Jahre alt. Pounds «Cantos» gehören zum Kanon der englischen Literatur-Moderne.

Pound - Faschist und Spinner

Dass das Werk bislang nicht ganz übersetzt wurde liegt, so Martin Ebel, an der Schwierigkeit der Verse, an der Heterogenität der Gedichte und an der politischen Biografie des Autors. Pound war Faschist, lebte ab 1925 im italienischen Rapallo und hielt während des Zweiten Weltkriegs Propagandareden auf Mussolini.

Martin Ebel berichtet von Pounds Antisemitismus und seiner nebulösen Wirtschaftstheorie: Ursprung allen Übels war für Pound der Wucher und den assoziierte er mit Juden. Die Widersprüche um Pound seien nicht aufzulösen und schwer auszuhalten: «Pound war in gewisser Hinsicht ein verbohrter Spinner, aber er war eine künstlerische Begabung von enormer Vielseitigkeit.»

Die «Cantos» sind Geschichtswerk, Autobiografie und Höllenfahrt. Die Sprache pendelt zwischen Bibelstil und Slang. Eva Hesses Lebensarbeit als Übersetzerin lobt Martin Ebel in den höchsten Tönen: «Die Übersetzung ist nicht etwa ein schwächerer Abglanz des Originals (…), sondern sie setzt eher noch einen drauf.» Die Ausgabe im Verlag Arche sei zudem mit einem hervorragenden Kommentar versehen.

Neue Ehre für alten Schunken

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung setzt ihre Serie «die zweite Reihe» fort. Heute berichtet Charlotte Klonk über ein Bild, das zwar wenig bekannt, aber dennoch grossartig sei. Es handelt sich um Claude Lorrains «Landschaft mit Cephalus und Procris», das eine Episode aus Ovids Metamorphosen zeigt: Das Ehepaar Cephalus und Procris versöhnt sich mit Hilfe der Jagd-Göttin Diana, vorausgegangen war ein Streit um Ehebruch und Untreue.

Die Versöhnung findet in einer lichtdurchfluteten südlichen Landschaft statt, ein Windhund kuckt zu, den Hintergrund färbt ein zartes Abendrot. Diese Darstellung fesselt Charlotte Klonk: «der Blick in die beseelte Abendstille der Landschaft beschreibt den Frieden, den das Paar nun endlich wieder gefunden hat».

Welt der Malexperimente

Echos dieses fast vergessenen Bildes aus dem 17. Jahrhundert findet Charlotte Klonk in der englischen Malerei: von Joshua Reynolds über den Landschaftsmaler Richard Wilson bis hin zu Thomas Gainsborough. In der Berliner Gemäldegalerie sind Bilder dieser Lorrain-Bewunderer zu sehen.


Ezra Pound und vergessene Bilder

3:20 min, aus Blick ins Feuilleton vom 13.02.2013

Klonk regt eine Neuhängung an, damit «auch das, was Claude Lorrains subtile Modulation von Licht und Farbe in seinen Bewunderern im 18. und frühen 19. Jahrhundert ausgelöst hat, wieder (…) deutlich würde. Erst dann versteht man, dass man es bei seiner »Landschaft mit Cephalus und Procris« nicht mit dem Ende eines Films zu tun hat, sondern mit dem Anfang einer faszinierenden Reise in die Welt der Malexperimente und Sinneswahrnehmungen.» So elegisch kann Kunstgeschichte sein.