Bodo Kirchhoff gewinnt den Deutschen Buchpreis

Seine Bücher kreisen stets um die grossen Themen des Lebens. Jetzt hat Bodo Kirchhoff für eine in der Flüchtlingskrise in Italien endende «Road Novel» den Deutschen Buchpreis erhalten. Es ist auch die Krönung seines Lebenswerks.

Der deutsche Autor Bodo Kirchhoff.

Bildlegende: Verwebt in «Widerfahrnis» gekonnt das Private mit dem Politischen: Bodo Kirchoff, Buchpreis-Gewinner. Keystone

Der deutsche Schriftsteller Bodo Kirchhoff hat mit seinem Buch «Widerfahrnis» den diesjährigen Deutschen Buchpreis gewonnen. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montagabend in Frankfurt bekannt.

Mit dem Preis, der mit 25'000 Euro dotiert ist, wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse die beste literarische Neuerscheinung des Jahres ausgezeichnet.

Neues Buch, altes Thema

Auch im neuen Buch geht es um Bodo Kirchhoffs grosse Themen der vergangenen Jahre: Die Liebe und das Alter. Doch anders als sonst – der 68-Jährige neigt gerne zu Wälzern – handelt er sie diesmal in einem als Novelle charakterisierten schmalen Band ab.

In «Widerfahrnis» geht es um ein Paar im schon fortgeschrittenen Alter, das sich nochmals an das Thema Liebe herantastet. Beide – ein Verleger im Ruhestand und eine ehemalige Besitzerin eines Hutgeschäfts – haben schon einiges erlebt.

Flüchtling in Fetzen

Niederlagen, Verluste und falsche Lebensentscheidungen. Jetzt lernen sie sich zufällig in einer Wohnanlage im Voralpenland kennen und brechen ganz spontan zu einer Reise in den italienischen Süden auf.

Doch am alten Sehnsuchtsort der Deutschen werden die beiden frisch verliebten Abenteurer mit der harten Realität des Alltags konfrontiert.

Sie treffen auf ein Flüchtlingsmädchen im roten Fetzenkleid – und plötzlich steht das Paar vor einer unerwarteten neuen Herausforderung. Es nimmt das Mädchen mit. Doch das ist in der Parabel, wie Kirchhoff sein Buch nennt, noch nicht das Ende.

Berührende Sprache

Das Buch sei «ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt», begründete die siebenköpfige Jury ihre Wahl.

«Widerfahrnis» sei kein reisserischer Text, sagt SRF-Literaturredaktor Michael Luisier. Bodo Kirchhoff gehe es in «Widerfahrnis» besonders darum, eine adäquate Sprache zu finden – eine berührende Sprache, die er ganz bewusst gegen die Phrasenhaftigkeit der Politik setzen will», so Luisier.

Die Konkurrenz

Bodo Kirchhoff setzte sich gegen Reinhard Kaiser-Mühlecker («Fremde Seele, dunkler Wald»), André Kubiczek («Skizze eines Sommers»), Thomas Melle («Die Welt im Rücken»), Eva Schmidt («Ein langes Jahr») und Philipp Winkler («Hool») durch. Die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 18.10.2016, 06:50 Uhr.

Bodo Kirchhoff

Nur wenige Autoren haben eine solche Wandlung vollzogen wie der in Frankfurt lebende Vielschreiber. Noch als junger Autor galt Kirchoff als eitler Erotomane und Macho. Zuletzt war von Kirchhoff «Verlangen und Melancholie» (2014) erschienen. 2012 hatte der 68-Jährige in «Die Liebe in groben Zügen» schonungslos seine eigene Ehe verarbeitet.

Deutscher Buchpreis

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein der Deutschen Buchhandels-Stiftung an der Frankfurter Buchmesse den besten Roman in deutscher Sprache aus. Der Preis soll für deutschsprachige Autoren über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit schaffen. Der Preisträger erhält 25'000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist je 2500 Euro.