Buchmesse Leipzig 2014: Schweiz als Gastland

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Nächstes Jahr wird sich die Schweiz als Gastland an der Leipziger Buchmesse präsentieren. Das Konzept von «Auftritt Schweiz» wurde bereits jetzt an der Buchmesse vorgestellt und verspricht viel Schubkraft für die helvetische Literatur.

Viele Besucher an der Leipziger Buchmesse.

Bildlegende: Bereits am Eröffnungstag strömten viele lesewütige Besucher auf die Leipziger Buchmesse 2013, unter anderem in die Gl... Leipziger Messe GmbH / Stefan Hoyer

Die Leipziger Buchmesse ist im Frühjahr jeweils das wichtigste Branchenforum im deutschsprachigen Raum mit über 2'000 Ausstellern und rund 165'000 Eintritten. Parallel dazu findet jeweils «Leipzig liest» statt, Europas grösstes Literaturfestival mit 2'600 Veranstaltungen, verteilt an rund 350 Leseorten in der ganzen Stadt.

Riesige Konkurrenz

In diesem Rahmen die eigene Literatur in den Mittelpunkt zu stellen, sei für Schweizer Verlage und Schreibende eine einmalige Gelegenheit, betont Projektleiter Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverbandes; und er verweist dabei auf die grosse Konkurrenz: «Jährlich erscheinen auf deutsch über 100'000 neue Bücher; die Medien in Deutschland konzentrieren sich primär auf ihre eigenen Schrifstellerinnen und Schriftsteller. Hier als kleine Schweizer Literaturschaffende im Buchhandel und beim Publikum überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden, ist schwer.»

Gleichzeitig sei aber Deutschland für Schweizer Verlage ein enorm wichtiger Markt: «Wer kommerziell Erfolg haben will, muss den Sprung über die Grenze schaffen.» Deshalb soll die Chance von «Auftritt Schweiz» im kommenden Jahr voll genutzt werden.

Literarische Freundschaft

Anders als frühere Gastländer will sich die Schweizer Literatur mit ihren Exponentinnen und Exponenten viel prominenter in Szene setzen: an der Messe selber, aber auch an verschiedenen Orten in der Stadt, «um wirklich eine bleibende literarische Freundschaft aufzubauen». Als Gastgeschenk ist unter anderem ein spezielles «Schweizerbuch» geplant, das ungewöhnliche Zugänge zu Literatur und Land vermittelt.

Jutta Eicke auf der Buchmesse.

Bildlegende: Im Namen der Schweiz: Jutta Eicke ist «Schweizer Literaturbotschafterin» für 2014. Keystone

Schweizer Literaturbotschafter

Um das Terrain für «Auftritt Schweiz» möglichst effizient vorzubereiten, wurden bereits jetzt über lokale Medien in Leipzig «Schweizer Literaturbotschafter» gesucht: Leute, die sich zur Verfügung stellen, um das Publikum vor Ort auf das Gastland an der nächsten Messe einzustimmen. Aus der Fülle von Bewerbungen wurden schlussendlich fünf Personen ausgewählt; sie werden in den nächsten Monaten die Schweiz bereisen, an kulturellen Grossereignissen wie «Literaturtage Solothurn», «Filmfestival Locarno», «Zürich liest» teilnehmen und in der «Leipziger Volkszeitung» regelmässig über ihre Erfahrungen berichten.

Mit Dürrenmatt und Frisch aufgewachsen

Eine solche «Schweizer Literaturbotschafterin» ist die 54jährige Gymnasiallehrerin Jutta Eicke. Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Gottfried Keller, Jeremias Gotthelf – sie alle sind der Leipzigerin seit der eigenen Schulzeit ein Begriff. Aber auch zeitgenössische Autoren wie Alex Capus, Franz Hohler, Martin Suter oder Peter Stamm liest sie regelmässig. Aufgewachsen in der ehemaligen DDR, hatte Jutta Eicke ihre «eigene Schweiz»:

«Mit der Familie fuhren wir im Sommer oft in die Sächsische Schweiz zum Wandern, später entdeckte ich die Mecklenburger Schweiz, noch später schliesslich auch die Märkische Schweiz. Überall Schweiz, das gab es sogar im Osten!» Erst viele Jahre nach dem Mauerfall reiste Jutta Eicke erstmals in die «echteۛ» Schweiz, folgte im Emmental auf den Spuren der «Schwarzen Spinne» und staunte in Lausanne, «wie nach hier Berge und Stadt» zusammenkommen.

Die begeisterte Leserin freut sich auf ihre Vermittler-Rolle, will auch an ihrem Gymnasium nächstes Jahr verstärkt die Schweizer Literatur propagieren und ist zuversichtlich, dass der Funke springt: «Die Leute in Leipzig sind von Natur aus ein sehr neugieriges Volk.»

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