Büchner-Preis für Sibylle Lewitscharoffs fantastisches Werk

Die Berliner Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff erhält den wichtigsten deutschen Literaturpreis. Die Jury lobt ihre unerschöpfliche Beobachtungsenergie und Phantasie. Zuletzt veröffentlichte die 59jährige Autorin den Roman «Blumenberg» über den kühnen Philosophen Hans Blumenberg.

Nahaufnahme der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, die während der Frankfurter Buchmesse freundlich in die Kamera lächelt.

Bildlegende: Sibylle Lewitscharoff sprengt ausgezeichnet die Grenzen der Wirklichkeit. Keystone

«Wirklichkeit halten, neu erkundet und in Frage gestellt. Ihre Texte vertiefen und erweitern die genaue Wahrnehmung der deutschen Gegenwart in Bereiche des Satirischen, Legendenhaften und Phantastischen», heisst es in der Jurybegründung.

Lewitscharoffs ausgezeichnetes Schaffen

Die 59jährige Sibylle Lewitscharoff wurde in Stuttgart geboren und lebt seit 1974 als freie Schriftstellerin in Berlin. Derzeit ist sie Stipendiatin der Akademie Villa Massimo in Rom. Im Sommersemester 2013 übernimmt Lewitscharoff die Brüder-Grimm-Professur in Kassel.

Nach dem Studium der Religionswissenschaften veröffentlichte die Autorin 1994 ihr erstes Buch «36 Gerechte». Für ihren Roman «Pong» erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Danach erschienen «Der höfliche Harald» (1999), «Montgomery» (2003), «Consummatus» (2006), «Apostoloff» (2009) und «Blumenberg» (2011). Zuletzt erschien «Vom Guten, Wahren und Schönen» über ihre Poetikvorlesungen 2011 in Frankfurt und in Zürich.

Für ihr Werk wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Nach dem Bachmann-Preis wurden ihr auch der Preis der Leipziger Buchmesse zuerkannt, der Berliner Literaturpreis, der Kleist-Preis und der Ricarda-Huch-Preis.

Lewitscharoff unterhält mit funkelnder Ironie

Dass sie auch den Büchner-Preis erhalten wird, war absehbar, so SRF-Literaturredaktor Hans Ulrich Probst: «Sie ist ein Unikat, eine so sprachgewaltige wie witzige und tiefsinnige Autorin: Die verdiente Preisträgerin hat mit jedem ihrer Bücher etwas grundlegend Neues versucht, literarisch stets brillant; sie unterhält mit funkelnder Ironie und überzeugt mit klugen Gedanken und überraschenden Einfällen.»

Zu Ehren Georg Büchners

Der mit 50'000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis gilt als renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur. Vergeben wird er seit 1951 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Einzige Ausnahme: 1952. Damals konnte man sich nicht auf einen Preisträger einigen. Namensgeber ist der deutsche Revolutionär und Dramatiker Georg Büchner, der 1813 im Grossherzogtum Hessen geboren wurde und 1837 in Zürich starb.

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