Chronist deutsch-deutscher Geschichte: Erich Loest ist tot

Der Schriftsteller Erich Loest war einer der wichtigsten Autoren Ostdeutschlands und setzte sich für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte ein. Wegen seiner oppositionellen Haltung in der DDR war er selbst ein Opfer der Stasi. Loest starb mit 87 Jahren durch einen Sturz aus dem Fenster.

Porträt Erich Loest

Bildlegende: Erich Loest: Ein politischer Mensch, der sich stark mit der deutsch-deutschen Geschichte auseinandersetzte. Keystone

Der deutsche Schriftsteller Erich Loest ist tot. Einer der bedeutendsten Chronisten des 20. Jahrhunderts starb am 12. September 2013 in Leipzig.

Ein umfangreiches Werk

Loest wurde 1926 in Mittweida geboren. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane «Zwiebelmuster», «Froschkonzert» und «Löwenstadt». Sein Bestseller «Nikolaikirche» über die letzten Tage der DDR wurde 1995 verfilmt. Loest schrieb auch Kriminalromane und Erzählungen. Sein jüngstes Werk «Lieber hundertmal irren» ist erst seit wenigen Tagen im Verkauf.

Konflikt mit der DDR-Staatsführung

In seinem autobiographischen Text «Durch die Erde ein Riss - Ein Lebenslauf» thematisierte Loest bereits 1981 seine persönlich erfahrende Korrumpierung durch die NSDAP. Wie aus dem Werk und verschiedenen Werken hervorgeht, war Loest ein begeistertes Mitglied der Hitlerjugend und wollte zu Waffen-SS.

Während seiner Zeit in der DDR kam er immer wieder in Konflikt mit der DDR-Staatsführung. Zuletzt, als er sich 1979 zusammen mit anderen Autoren gegen die Zensur in der DDR aussprach. Die darauffolgenden Repressalien liessen Loest kaum eine Wahl: Nach einem Aufenthalt in der BRD, kehrte er nicht mehr in die DDR zurück. Kurz nach dem Mauerfall liess sich Loest jedoch wieder in Leipzig nieder.

Ein wachsamer Fabulierer

Der Deutsche Kulturrat hat den gestorbenen Schriftsteller Erich Loest gewürdigt. «In ihm vereinten sich politische Wachsamkeit und überzeugende Fabulierkunst», sagte die Vizepräsidentin Regine Möbius in einer Mitteilung am Freitag. Darin hiess es weiter: «Erich Loests politische Bedeutung, die ihn gleichzeitig als einen massgebenden Schriftsteller und Chronisten auszeichnete, war sein umfassender Blick auf die tiefere Psychologie der Ereignisse, die sich in all seinen Büchern und kulturpolitischen Aktionen widerspiegelte.»

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat den gestorbenen Schriftsteller Erich Loest als einen der bedeutenden Autoren in Deutschland gewürdigt. Loest sei ein politischer Mensch gewesen, der in der Bundesrepublik verehrt und respektiert worden sei. Neumann: «Sein Tod bedeutet für die Literaturlandschaft in Deutschland einen grossen Verlust.»

Es handelte sich um einen Selbstmord, wie ein Polizeisprecher der Stadt mitteilte. Der Ehrenbürger von Leipzig, der mit Dutzenden Werken den Alltag und die politischen Verhältnisse in der DDR und dem wiedervereinigten Deutschland beschrieb, wurde seit wenigen Tagen in dem Krankenhaus behandelt.

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