Den Bachmann-Preis hätten mehr als drei Autorinnen verdient

Nora Gomringer gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt: eine gute Wahl, eine richtige Wahl. Trotzdem gingen mindestens zwei Kandidatinnen leer aus, die einen Preis verdient hätten: die Österreicherin Teresa Präauer und die Schweizerin Monique Schwitter.

Die drei stehen in einer Reihe mit Bluemnsträussen.

Bildlegende: Auf der Gewinnerseite: Dana Grigorcea, Nora Gomringer und Valerie Fritsch (v.l.). Keystone

Die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt sind zu Ende. Und wieder stehen Preisträgerinnen fest – allesamt Frauen in diesem Jahr: Allen voran Nora Gomringer, die mit ihrem Text «Recherche» einen in jeder Hinsicht überzeugenden Auftritt hinlegte.

Ebenfalls eine Schweizerin erhielt den 3sat-Preis: Dana Grigorcea. Ihr Text «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» sei eine «Satire in drei Etappen über die Geschichte Rumäniens», so der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels. Die Österreicherin Valerie Fritsch konnte sich gleich über zwei Preise freuen: den Kelag-Preis und den Publikumspreis, der jedes Jahr über Online-Voting ermittelt wird.

Auch echte Verliererinnen

Klagenfurt ist unberechenbar – das macht den Reiz der Veranstaltung aus, ist aber gerade dann frustrierend, wenn viele Texte das Zeug zum Sieger haben. In diesem Jahr gibt es unter den potentiellen Gewinnerinnen des Wettbewerbs auch echte Verliererinnen. Die Österreicherin Teresa Präauer und die Schweizerin Monique Schwitter gingen ohne Preis nach Hause. Und das, obwohl ihre beiden Texte durchaus das Potential zum Siegertext hatten.

Dreimal trat Teresa Präauer zur Stichwahl an, dreimal unterlag sie – und ging am Ende leer aus. «Oh, Schimmi!» handelt von einem Mann, der sich buchstäblich zum Affen macht. Präauer spielt mit Rhythmus, mit Phantasie und Imagination, der Text ist witzig und rasant erzählt, raffiniert gebaut, mit zahlreichen Anspielungen aus Literatur und Pop durchzogen.

Text, der Spuren hinterlässt

Ebenfalls leer ausgegangen ist die Schweizerin Monique Schwitter, die mit ihrem Text «Esche» die Jury und das Publikum ebenfalls sehr überzeugt hatte. In «Esche» entwirft Schwitter ein Dreiecks-System der Liebe in all ihren Variationen – eine Geschichte, die «beiläufig daherkommt und immer komplexer wird», so Jurorin Hildegard Keller, auf deren Einladung Schwitter las.

Wenigstens die Schweizerin Dana Grigorcea erhielt noch eine Auszeichnung: den 3sat-Preis. In ihrem Text «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» schildert sie berührend und ironisch zugleich eine Kindheit in Rumänien zu Zeiten Ceaucescus. «Ein Text, der einem die ganze Welt erklärt», so Juror Juri Steiner. Ein Text, der Spuren hinterlässt – und die Sehnsucht weckt nach dem Roman, der in Bälde im Dörlemann Verlag unter selbigem Titel erscheinen wird.

Sendung zu diesem Artikel