Der grösste Bucherfolg Indonesiens

Andrea Hirata schreibt ein Buch über seine Dorfschule und wird damit zum erfolgreichsten Schrifsteller Indonesiens. «Die Regenbogentruppe» ist auch im Westen ein Bestseller geworden und Hirata ein reicher Mann. Um das moderne Märchen perfekt zu machen: Er hat mit dem Geld eine Schule gebaut.

Porträtaufnahme

Bildlegende: Andra Hirata ist zur Zeit der erfolgreichste indonesische Schriftsteller. Julian Arbi2

Belitung liegt zwischen Sumatra und Borneo in der Javasee. Sie gehört zu den reichsten Inseln der Welt, denn hier gibt es nicht nur Zinn, sondern auch Gold, Silber, Quarz und viele andere Bodenschätze. Aber davon profitieren nur die Wenigsten. Die meisten Einheimischen, beschreibt Andrea Hirata in seinem Buch «Die Regenbogentruppe», «gleichen einer Schar Mäuse, die mitten in einem zum Bersten gefüllten Reisspeicher Hunger leidet.»

Begeisterung für geistige Nahrung

Auch Hirata gehörte damals, Ende der 70er-Jahre, zu den Ärmsten auf Belitung. Zusammen mit Söhnen und Töchtern von Fischern, Minenarbeitern und Tagelöhnern besucht er die Dorfschule, die in einer windschiefen Wellblech-Hütte untergebracht war. Im Dach klafften Löcher, «sodass man im Unterricht die vorüberfliegenden Flugzeuge sehen konnte und Schirme aufspannen musste, wenn es regnete.»

Aber die Kinder liessen sich von solchen Widrigkeiten nicht abschrecken, im Gegenteil. Begeistert kamen sie jeden Tag in ihre Schule und verehrten ihre junge Lehrerin Bu Mus. Manchmal hatte diese nicht einmal mehr ein Stück Kreide. Dann ging sie mit ihrer «Regenbogentruppe», wie sie die Klasse liebevoll nannte, ins Freie und zeichnete die Buchstaben in den Sand.

Diese spürbare Begeisterung für geistige Nahrung macht den Charme dieses Romans aus. Andrea Hirata gibt Einblick in den Schulalltag und erzählt abenteuerliche Geschichten von seinen Freunden. Längst nicht alle haben so viel Glück wie er, der es bis an die Uni schaffte und später sogar in Europa studieren durfte.

«Die Regenbogentruppe» finanzierte eine neue Schule

Nach der Tsunami-Katastrophe ist Hirata nach Aceh gereist, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Da traf er zufällig auf der Strasse eine Lehrerin, die mit einem grossen Schild nach vermissten Schülern suchte. Das Bild habe eine Erinnerung an die eigene Schulzeit und an ein geleistetes Versprechen geweckt, schreibt Hirata im Schlusskapitel. «Damals hatte ich Bu Mus gesehen, wie sie mit einem Bananenblatt zum Schutz gegen den Regen über den Schulhof lief, und hatte gelobt, ein Buch für sie zu schreiben.»

Nach Beendigung seines Hilfseinsatzes in Aceh kehrte Andrea Hirata nach Belitung zurück und schrieb innerhalb von ein paar Wochen «Die Regenbogentruppe». Es sollte der grösste Bucherfolg werden, den Indonesien je erlebt hat: Fünf Millionen legale Buchverkäufe und darüber hinaus gebe es 15 Millionen Raubdrucke, schätzt der Autor. Seine Geschichte hat Hirata reich gemacht. Mit dem Erlös hat er in seiner Heimat eine eigene Schule finanziert.

Buchhinweis

Andrea Hirata, «Die Regenbogen-Truppe», Hanser Berlin

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die Regenbogentruppe (Coverausschnitt)

    Eine Schulklasse geht auf die Barrikaden

    Aus BuchZeichen vom 19.5.2013

    In seinem Roman «Die Regenbogentruppe» schildert der Indonesier Andrea Hirata, wie zwei Lehrer allen Widrigkeiten zum Trotz für ihre Dorfschule kämpfen. Ihre Schüler, alles Kinder von Fischern und Minenarbeitern, danken es ihnen mit überbordendem Lerneifer.

    Mit dieser autobiografischen Geschichte setzt Hirata hier seiner Heimat und ihren Menschen ein literarisches Denkmal. Auch er schaffte nur dank Bildung den Weg aus der Armut. Heute ist er der meistgelesene Autor Indonesiens.

    Andrea Hirata: Die Regenbogen-Truppe. Hanser Berlin (Buch), HörbucHHamburg (Hörbuch)

    Luzia Stettler