Die Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer

Sie sparte nie mit scharfer Kritik: Die südafrikanische Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer. Nun ist sie verstummt. Die Nobelpreisträgerin ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Sie war eine der wichtigsten literarischen Stimmen gegen die Apartheid.

Video «Literaturmagazin vom 18.01.1987: Nadine Gordimer über Rassen-Politik und Literatur» abspielen

Rassen-Politik und Literatur: «Literaturmagazin», 1987

7:42 min, vom 14.7.2014

Sie war die erste und bisher einzige Literatur-Nobelpreisträgerin Afrikas: Nadine Gordimer ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Die Apartheid-Gegnerin verstarb in ihrem Zuhause in Johannesburg. In Anwesenheit ihrer beiden Kinder ist sie friedlich eingeschlafen, hat die Familie mitgeteilt.

Kämpferin gegen Rassismus

Gordimer war Apartheid-Gegnerin der ersten Stunde. Diesen Kampf setzte sie bis ins hohe Alter fort. In den 1990er-Jahren setzte sie sich für den damals noch verboteten Afrikanischen Nationalkongress mit Nelson Mandela im Zentrum ein. In ihren Romanen und Erzählungen beschrieb sie mit einer distanzierten, schnörkellosen Sprache die südafrikanische Rassentrennung und forderte die Machthaber im Land heraus. Mehrfach wurden in ihrer Heimat Publikationsverbote gegen sie ausgesprochen. Trotzdem sah sie sich nicht als politische Autorin.

Zu ihren bekannten Werken gehört «Burgers Tochter», die Geschichte einer weissen Südafrikanerin, die sich zur Kämpferin gegen die Apartheid entwickelt. Und auch der Familienroman «Die Hauswaffe», der von der Nach-Apartheid-Zeit handelt. Ihr letzter Roman «Keine Zeit wie diese» erzählt vom Leben eines Intellektuellenpaars in Südafrika. Die beiden – er weiss mit jüdischen Wurzeln, sie dunkelhäutig – hatten sich vor vielen Jahren im Untergrund kennengelernt. Ein Kampf, der sich laut Nadine Gordimer nicht lohnte: In diesem Buch aus dem Jahr 2012 protokolliert sie die nachrevolutionäre Desillusionierung der Protagonisten akribisch. Gordimers späte Erzählungen zeichnen ein sehr ernüchtertes apokalyptisches Bild vom gegenwärtigen Südafrika.

Schreiben als «Erforschung des Lebens»

15 Romane und mehr als 200 Essays verfasste die Autorin: «Für mich ist Schreiben immer schon eine Erforschung des Lebens gewesen, eine Safari in die staunenswerte Wildnis, die andauern wird, bis ich sterbe», schrieb sie in ihrem Essay «Wo die Wörter wohnen».

1974 bekam Nadine Gordimer den Booker Price. 1991 erhielt die Schriftstellerin den Nobelpreis für Literatur. Bis ins hohe Alter hat Nadine Gordimer noch geschrieben. Sie hat sich bis zuletzt für Meinungsfreiheit, Bildung und Gerechtigkeit in ihrem Heimatland eingesetzt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nadine Gordimer ist tot

    Aus Tagesschau vom 14.7.2014

    Die südafrikanische Schriftstellerin ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Jahrzehntelang hatte Gordimer Geschichten gegen den Rassismus geschrieben. Ihre Bücher wurden deshalb in Südafrika teils zensiert. 1991 hatte Nadine Gordimer den Literatur-Nobelpreis erhalten.

  • Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer in Johannesburg am 8. Februar 2005.

    Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer ist tot

    Aus Echo der Zeit vom 14.7.2014

    Afrikas erste und einzige Literaturnobelpreisträgerin starb 90jährig in Johannesburg. Zuvor hatte die Schrifstellerin in verschiedenen Romanen das südafrikanische Apartheid-Regime beschrieben und kritisiert. Zu ihren bekanntesten Werken gehört «Burgers Tochter» oder «Die Hauswaffe».

    Dagmar Wittek