Ein Thriller im Minutentakt

Mit ihrem Roman «Black Box» geht die US-Amerikanerin Jennifer Egan neue Wege: Der Spionage-Thriller erschien zuerst nicht als Buch, sondern über Twitter.

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Jennifer Egans atemberaubender Twitter-Thriller «Black Box»Jen...

4:24 min, aus Kulturplatz vom 7.8.2013

Mit ihrem letzten Roman «Black Box» wagte die Schriftstellerin Jennifer Egan ein Experiment. Er erschien zuerst nicht als Buch, sondern über einen Twitter-Feed: Vor einem Jahr veröffentlichte sie den Roman über einen Twitter-Account der Zeitschrift «The New Yorker»; in 140 Zeichen langen Blöcken, im Minutentakt, verteilt über neun Abende. Das sind insgesamt rund 600 Tweets. Kürzlich hat «Der Spiegel» die deutsche Übersetzung getwittert.

Zur Prägnanz gezwungen

Egan hat es sich mit dieser eigenwilligen Publikationsform nicht einfach gemacht: Die Beschränkung auf die 140 für einen Tweet zulässigen Zeichen sind für einen Roman eine ungewohnte Einschränkung. Diese hat durchaus auch Vorteile: Mit der restriktiven Erzählform zwingt sich Egan zur Prägnanz. «Black Box» ist durchgehend ein innerer Monolog, ohne direkt erzählte Action. Dabei ist die Handlung durchaus actionreich.


Andrea Meier über «Black Box»

4:55 min, aus Kultur kompakt vom 07.08.2013

Denn Lulu, die Protagonistin des Twitter-Romans, hat den Auftrag, einen Terroristen auszuspionieren. Ihr eigener Körper ist dafür technologisch aufgerüstet worden. In ihr Auge ist eine Kamera implementiert, in ihrem Fuss befindet sich ein Aufnahmegerät. Und auch darüber hinaus ist Lulu gezwungen, ihren Körper im Dienste des Staates einzusetzen. Denn um das Vertrauen ihres Zielobjekts zu gewinnen, muss sie sich dem Feind mit jedem verfügbaren Mittel annähern.

Gelungene «Twitteratur»?

Für ihr literarisches Experiment musste Egan auch Kritik einstecken. Während die Geschichte und der literarische Stil viel Lob erhielten, wurde die Verwendung von Twitter als Medium vielerorts kritisiert. Die Geschichte gehe unter im Durcheinander von Twitter, wurde bemängelt, und Egan habe die Eigenheiten des Mediums zu wenig genutzt.

Diese Geschichte hätte man mit einem konventionellen Erzählstil nicht erzählen können, sagt hingegen Egan. Sonst hätte sie sich kaum für diese Publikationsform entschieden. Normalerweise setzt die Pulitzer-Preisträgerin nämlich nicht auf Tweets, sondern bevorzugt nach wie vor Stift und Papier. Auch «Black Box» hat sie so geschrieben – in ein Notizbuch mit kleinen, schwarz umrandeten Vierecken. Nun kann der Agenten-Thriller auch auf Papier gelesen werden – «Black Box» ist soeben auch in deutscher Übersetzung als Buch erschienen.

Buchhinweis

Jennifer Egan: «Black Box». Schöffling & Co., 2013.